Wirtschaft · Kryptobörse Binance
FBI schreibt Milliardenangriff auf Binance Nordkorea zu
Die US-Bundespolizei FBI macht nordkoreanische Hacker für den schweren Angriff auf die Kryptobörse Binance verantwortlich. Nach Angaben der Behörde soll die Gruppe TraderTraitor hinter der Attacke stehen. Betroffen sind digitale Vermögenswerte im Wert von mehr als sechs Milliarden Dollar. Binance hatte den Vorfall am Donnerstag öffentlich gemacht und Ein- sowie Auszahlungen zeitweise gestoppt.
FBI nennt TraderTraitor
Das FBI veröffentlichte Informationen, nach denen TraderTraitor die Attacke ausgeführt haben soll. Die Gruppe wird mit Nordkorea in Verbindung gebracht und gilt als Teil des Lazarus-Netzwerks, dem zahlreiche Cyberangriffe zugeschrieben werden. Bereits vor der Einordnung durch die US-Behörde hatte das Analyseunternehmen TRM Labs erklärt, die Spuren deuteten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf TraderTraitor.
US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag gesagt, die Vereinigten Staaten prüften eine mögliche nordkoreanische Beteiligung. Am Samstagabend Ortszeit folgte dann die Zuschreibung durch das FBI. Die Behörde forderte Unternehmen auf, Transaktionen von bestimmten Krypto-Adressen zu blockieren. So soll verhindert werden, dass die Angreifer die entwendeten Werte weiter verschieben oder verschleiern.
Die Angaben zur Höhe des Schadens liegen bei gut sechs Milliarden Dollar. Binance bezifferte die betroffenen Vermögenswerte auf 6,3 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 5,6 Milliarden Euro. TRM Labs nannte 6,36 Milliarden Dollar, die Angreifer demnach binnen etwa 20 Minuten bewegt haben sollen. Das FBI sprach von mehr als sechs Milliarden Dollar.
Binance will Verluste selbst tragen
Binance erklärte, es handele sich um einen vielschichtigen Angriff mit mehreren Zugangspunkten. Als möglicher Einstiegspunkt wurde ein Laptop aus dem IT-Bereich des Unternehmens genannt. Hinweise darauf, dass private Schlüssel von Kryptokonten gestohlen wurden, lagen nach Unternehmensangaben zunächst nicht vor.
Nach der Attacke setzte Binance Ein- und Auszahlungen vorübergehend aus. Das Unternehmen teilte inzwischen mit, für 90 Prozent der gestohlenen Summe Ersatz aus eigenen Mitteln beschafft zu haben. Insgesamt seien mehr als 6,34 Milliarden Dollar an Unternehmensmitteln bereitgestellt worden, um Verluste zu decken. Für den verbleibenden Anteil brauche es mehr Zeit, weil einige digitale Vermögenswerte nicht sofort in ausreichender Menge verfügbar seien.
Binance erklärte zudem, Kundinnen und Kunden sollten die finanziellen Folgen des Diebstahls nicht tragen müssen. Auszahlungen sollten voraussichtlich ab Sonntag wieder möglich sein. Die Börse gilt nach täglichem Handelsvolumen als größte Plattform ihrer Art weltweit.
Größter Angriff auf eine Kryptobörse
Fachleute bewerten den Vorfall als den bislang größten bekannten Angriff auf eine Börse für Digitalwährungen. Anfang 2025 waren bei einem Hack der Kryptobörse Bybit rund 1,5 Milliarden Dollar in digitalen Vermögenswerten entwendet worden. Auch dieser Angriff wurde TraderTraitor zugeschrieben.
Der Binance-Vorfall traf den Kryptomarkt in einer ohnehin sensiblen Phase. Wichtige Digitalwährungen wie Bitcoin und Ether gerieten nach dem Bekanntwerden der Attacke unter Druck. Solche Angriffe wirken über die betroffene Plattform hinaus, weil sie Zweifel an Sicherheitsstrukturen, Verwahrungssystemen und internen Kontrollen im Kryptosektor verstärken können.
Nordkoreas Cyberaktivitäten im Fokus
Nordkorea wird seit Jahren mit Cyberdiebstählen im Kryptobereich in Verbindung gebracht. Die Angriffe zielen häufig auf digitale Vermögenswerte, die sich schnell über viele Adressen bewegen lassen. Ermittlungsbehörden und Analysefirmen versuchen deshalb, verdächtige Wallets zu markieren und Zahlungsströme nachzuverfolgen.
Die Zuschreibung an TraderTraitor erhöht den politischen Druck auf den Fall. Für Binance steht zugleich die Wiederaufnahme des normalen Betriebs im Vordergrund. Entscheidend wird sein, ob die eingefrorenen oder markierten Vermögenswerte dauerhaft blockiert werden können und wie schnell Nutzerinnen und Nutzer wieder uneingeschränkt über ihre Mittel verfügen.