Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Geldpolitik im Euroraum

EZB legt Zinspause ein und Lagarde geht vorzeitig

Die Europäische Zentralbank hebt den Leitzins trotz hoher Inflation nicht weiter an. Zugleich steht fest: Präsidentin Christine Lagarde scheidet im Februar 2027 aus.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die EZB pausiert bei den Zinsen, während Inflation und Führungswechsel die Geldpolitik prägen.
Symbolbild: Die EZB pausiert bei den Zinsen, während Inflation und Führungswechsel die Geldpolitik prägen. KI-generiert

Die Europäische Zentralbank lässt ihren wichtigsten geldpolitischen Zinssatz unverändert und unterbricht damit ihren Straffungskurs. Der Einlagensatz bleibt bei 2,50 Prozent, obwohl die Teuerung im Euroraum zuletzt bei 3,8 Prozent lag. Zusätzlich steht ein Führungswechsel an der Spitze der Notenbank bevor: Präsidentin Christine Lagarde will ihr Amt am 7. Februar 2027 niederlegen, Monate vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit.

Zinssatz bleibt bei 2,50 Prozent

Der EZB-Rat hat am Donnerstag entschieden, vorerst keine weitere Zinserhöhung vorzunehmen. Damit folgt nach zwei Anhebungen in diesem Jahr eine Pause. Im Juni hatte die Notenbank die Zinsen erstmals seit knapp drei Jahren erhöht, im September folgte der nächste Schritt.

Die Entscheidung fällt in einer schwierigen Lage. Die Inflation liegt weiter klar über dem Ziel der Zentralbank. Die EZB strebt mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent an. Von diesem Wert ist der Euroraum mit zuletzt 3,8 Prozent deutlich entfernt.

Die Notenbank signalisiert dennoch, dass sie den Kurs nicht aufgibt. Der EZB-Rat will seine Geldpolitik so ausrichten, dass sich die Inflation wieder beim Zielwert einpendelt. Die Zinspause bedeutet daher keine Entwarnung. Sie verschafft der Zentralbank vielmehr Zeit, die Wirkung der bisherigen Schritte und die weitere Preisentwicklung zu beurteilen.

Märkte blicken auf Dezember

An den Finanzmärkten wird bereits über den nächsten möglichen Zinsschritt diskutiert. Eine weitere Erhöhung im Dezember gilt dort als Möglichkeit, falls der Preisdruck nicht nachlässt. Ein wichtiger Faktor sind die höheren Energiepreise, die mit dem Krieg in Iran in Verbindung gebracht werden.

Auf Öl- und Gaspreise hat die EZB keinen direkten Einfluss. Ihr geldpolitisches Ziel betrifft aber die Gefahr, dass teure Energie auf andere Bereiche übergreift. Wenn Unternehmen steigende Kosten weitergeben und Beschäftigte wegen höherer Lebenshaltungskosten stärkere Lohnzuwächse verlangen, kann sich Inflation verfestigen. Solche Zweitrundeneffekte will die Notenbank verhindern.

Die Zinspolitik bleibt damit ein Balanceakt. Höhere Zinsen können Nachfrage und Kreditvergabe bremsen und so den Preisauftrieb dämpfen. Zugleich belasten sie Investitionen, Baufinanzierungen und Staaten mit hohem Finanzierungsbedarf. Die EZB muss deshalb abwägen, wie stark sie gegen die Inflation vorgeht, ohne die Wirtschaft unnötig zu schwächen.

Lagarde verlässt die Spitze früher

Parallel zur Zinsentscheidung rückt die Nachfolge an der EZB-Spitze in den Mittelpunkt. Christine Lagarde wird ihre achtjährige Amtszeit nicht ausschöpfen. Regulär hätte sie bis Ende Oktober 2027 an der Spitze der Notenbank stehen können. Mit dem Rücktritt Anfang Februar entsteht früher als erwartet eine Personalentscheidung von großer politischer Bedeutung.

Der Zeitpunkt fällt vor die Wahlen in Frankreich. Damit kann Frankreichs Präsident Emmanuel Macron noch an der Besetzung der Nachfolge mitwirken. Die Personalfrage dürfte zudem mit weiteren Spitzenposten verknüpft werden. Dazu gehört die Nachfolge von EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds wechselt.

Als mögliche Kandidaten für die Lagarde-Nachfolge gelten unter anderem Pablo Hernández de Cos aus Spanien und Klaas Knot aus den Niederlanden. Beide kommen aus dem Umfeld der Geldpolitik. Entscheidend wird sein, ob die Euro-Staaten eine Person auswählen, die glaubwürdig für Preisstabilität steht und die Unabhängigkeit der Zentralbank wahrt.

Frankreichs Schulden erhöhen den Druck

Eine zusätzliche Belastung für die Währungshüter ist die Haushaltslage in Frankreich. Die Staatsverschuldung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone ist auf 119 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Das entspricht einem Höchststand seit der Nachkriegszeit. Die Unsicherheit der Anleger hat die Renditen französischer Staatsanleihen steigen lassen. Dadurch wird neue Kreditaufnahme für den Staat teurer.

Die EZB verfügt mit dem Transmission Protection Instrument über ein Programm, das Käufe von Staatsanleihen eines unter Druck geratenen Euro-Landes ermöglichen kann. Dieses Instrument ist jedoch an Bedingungen gebunden. Es soll nur greifen, wenn steigende Finanzierungskosten nicht durch eigenes Fehlverhalten des betroffenen Staates ausgelöst wurden und die Märkte übermäßig reagieren.

Damit bleibt der Handlungsspielraum begrenzt. Die Notenbank kann Preisstabilität sichern und Marktverwerfungen bekämpfen. Haushaltsprobleme einzelner Mitgliedstaaten kann sie nicht dauerhaft lösen. Für die künftige EZB-Spitze verbindet sich die Zinspolitik daher mit einer zweiten Aufgabe: Sie muss in einem politisch angespannten Umfeld glaubwürdig unabhängig bleiben.