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Wirtschaft · Energie und Handel

Energiepreise erhöhen den Druck auf Europas Wirtschaft

Störungen in der Straße von Hormus treiben Öl- und Gaspreise. Haushalte und Industrie zahlen mehr, während große Energiekonzerne deutlich höhere Gewinne melden.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Steigende Öl- und Gaspreise erhöhen den Kostendruck auf Verbraucher und Unternehmen in Europa.
Symbolbild: Steigende Öl- und Gaspreise erhöhen den Kostendruck auf Verbraucher und Unternehmen in Europa. KI-generiert

Die Spannungen im Nahen Osten und gestörte Transportwege verschärfen den Kostendruck auf Europa. Rohöl der Sorte Brent kostet derzeit rund 113 US-Dollar je Barrel; vor Beginn des Iran-Kriegs lag der Preis unter 70 Dollar. Auch Gas hat sich stark verteuert: Die Megawattstunde überschritt am Mittwoch erstmals die Marke von 100 Euro. Für Haushalte, Verkehr und energieintensive Unternehmen steigen damit die Belastungen, während mehrere große Energiekonzerne für das dritte Quartal kräftige Gewinnzuwächse ausweisen.

Weitere Störung in der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Risikopunkt für die Energieversorgung. Die britische Behörde für Sicherheit in der Seefahrt meldete einen weiteren Zwischenfall mit einem Tanker. Demnach berichtete der Sicherheitsbeauftragte einer Reederei, beim Verlassen der Meerenge sei ein unbekanntes Projektil in ein Schiff eingeschlagen. Angaben zu möglichen Verletzten, auslaufendem Öl oder zur Herkunft des Tankers lagen zunächst nicht vor.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, insgesamt vier Tanker seien in der Meerenge auf Minen geraten und in Brand geraten. Die Angaben unterscheiden sich damit deutlich. Die Passage gilt im Konflikt zwischen Washington und Teheran als besonders umstritten. Zuletzt hatten iranische Streitkräfte ihre Angriffe auf Schiffe in der Region verstärkt.

Die Störungen treffen einen der wichtigsten Transportwege für Öl und Flüssigerdgas. Liefer- und Produktionsausfälle haben die Preise bereits nach oben getrieben. Im dritten Quartal lag Brent im Durchschnitt bei mehr als 90 Dollar je Barrel. Zusätzlich belasten beschädigte Energieinfrastruktur in Katar und Schäden an russischer Ölinfrastruktur die Märkte.

Hohe Gewinne bei Öl- und Gaskonzernen

Die stark gestiegenen Preise schlagen sich in den Bilanzen großer Energiekonzerne nieder. Shell verdoppelte den bereinigten Gewinn im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 10,8 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 9,7 Milliarden Euro. Nur einmal hatte der Konzern in einem Quartal noch mehr verdient: 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Totalenergies steigerte den bereinigten Nettogewinn ebenfalls auf mehr als das Doppelte und kam auf gut neun Milliarden Dollar. Repsol erhöhte den bereinigten Gewinn von 0,75 Milliarden Euro auf etwas mehr als 2,7 Milliarden Euro. Die Unternehmen profitierten unter anderem davon, dass Raffinerien stark ausgelastet waren und Handel sowie Verarbeitung zusätzliche Erträge brachten. Das glich Belastungen durch Ausfälle im Nahen Osten mehr als aus.

Auch Aktionärinnen und Aktionäre sollen profitieren. Shell kündigte Aktienrückkäufe im Umfang von fünf Milliarden Dollar an. Totalenergies plant für das Schlussquartal und das erste Quartal 2027 Rückkäufe über 2,5 Milliarden Dollar. Repsol will noch in diesem Jahr eigene Aktien im Wert von 950 Millionen Euro erwerben. An den Börsen legten die Papiere der Konzerne am Donnerstag zu.

Streit über Entlastung und Übergewinne

In Deutschland verschärfen die Unternehmensgewinne die politische Debatte über eine Übergewinnsteuer. Die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Badum, kritisierte, Ölkonzerne erzielten erneut „Rekordprofite“. Sie warf Finanzminister Lars Klingbeil vor, mit dem Tankrabatt die falschen Anreize zu setzen.

Auch die Linke fordert eine stärkere Abschöpfung außergewöhnlicher Gewinne. Der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Christian Görke, erklärte: „Übergewinne kann man definieren.“ Ein nationales Gesetz könne sich an früheren Regelungen aus dem Jahr 2022 orientieren. Greenpeace demonstrierte in Hamburg an einer Tankstelle und sprach von „Preiserpressung“ durch Konzerne.

Die Bundesregierung steht damit vor einem Zielkonflikt. Einerseits sollen Verbraucherinnen, Verbraucher und Unternehmen kurzfristig entlastet werden. Andererseits verstärken Rabattmodelle für fossile Kraftstoffe die Kritik, sie könnten den Umstieg auf klimafreundlichere Alternativen bremsen.

Elektrifizierung rückt stärker in den Fokus

Der Preisschock verändert auch Investitionsentscheidungen. Im September war rund jedes dritte neu zugelassene Auto ein reines Elektrofahrzeug. Im ersten Halbjahr entfiel mehr als jede zweite verkaufte Heizung auf Wärmepumpen. Hohe Preise für Öl und Gas machen solche Alternativen wirtschaftlich attraktiver, erhöhen aber zugleich die Stromkosten, weil Gaspreise auf den Strommarkt durchwirken.

Auf europäischer Ebene verzögert sich der neue Emissionshandel für Verkehr und Gebäude. Der Start wurde auf 2028 verschoben. In Deutschland ersetzt das Gebäudemodernisierungsgesetz frühere Heizungsregeln. Öl- und Gasheizungen bleiben möglich, müssen ab 2029 aber schrittweise mit höheren Anteilen klimafreundlicher Brennstoffe betrieben werden.

Für Europa ist die Lage auch eine Frage der Versorgungssicherheit. Fossile Energieträger werden innerhalb Europas nur begrenzt gefördert, in größerem Umfang vor allem in Norwegen und Großbritannien. Je länger der Konflikt und die Störungen im Energiehandel andauern, desto stärker wächst der wirtschaftliche Druck, Importabhängigkeiten zu verringern und Energieverbrauch sowie Infrastruktur schneller umzubauen.