Wirtschaft · Fondsbranche
DWS erreicht Rekordzuflüsse im dritten Quartal
Die Fondsgesellschaft DWS hat im dritten Quartal so viel frisches Anlegergeld erhalten wie noch nie in einem einzelnen Quartal. Unter dem Strich flossen knapp 31 Milliarden Euro in Produkte der Deutsche-Bank-Tochter, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Das verwaltete Vermögen stieg bis Ende September auf 1,22 Billionen Euro. Zugleich blieb der Gewinn hinter den Erwartungen zurück.
Rekord bei neuem Anlegergeld
Der starke Mittelzufluss zeigt, dass DWS bei Anlegerinnen und Anlegern weiter gefragt ist. Besonders hoch war die Nachfrage nach Produkten, die in der Regel geringere Gebühren bringen. Das Wachstum kam vor allem aus passiven Anlageformen und aus Geldmarktprodukten.
Allein sogenannte Cash-Produkte verzeichneten im dritten Quartal Nettozuflüsse von 14 Milliarden Euro. Solche Produkte gelten häufig als kurzfristige Parkmöglichkeit für Liquidität. Für Fondsgesellschaften können sie große Volumina bringen, sind aber meist weniger ertragsstark als komplexere oder aktiv gesteuerte Fonds.
DWS-Chef Stefan Hoops verwies auf eine veränderte Nachfrage im Markt. Neobroker legten Geld, das Kundinnen und Kunden auf ihren Konten hielten, zunehmend in Geldmarktfonds an. Diese Anbieter seien deshalb „relevante Kunden unserer Geldmarktprodukte“, erklärte Hoops. Zudem seien solche Fonds wegen der gestiegenen Zinsen wieder attraktiver geworden, da sie Anlegerinnen und Anlegern derzeit höhere Kupons bieten können.
Passive Anlagen als Wachstumstreiber
Auch das passive Geschäft legte kräftig zu. In diesem Bereich, zu dem börsengehandelte Indexfonds der DWS gehören, kamen netto 16 Milliarden Euro hinzu. Passive Produkte bilden meist Indizes nach und werden nicht laufend durch Fondsmanagerinnen und Fondsmanager aktiv gesteuert. Sie sind für viele Anlegerinnen und Anleger wegen ihrer einfachen Struktur und vergleichsweise niedrigen Kosten attraktiv.
Für DWS ist das hohe Volumen im passiven Geschäft ein wichtiger Wachstumsfaktor. Gleichzeitig ist dieser Bereich in der Regel weniger margenstark als aktiv verwaltete Fonds. Genau diese Verschiebung prägt die Quartalszahlen: Die Gesellschaft gewinnt viel neues Geld, verdient daran aber nicht automatisch in gleichem Maß wie bei höher bepreisten Produkten.
Bei aktiv gesteuerten Anlagen gab es im dritten Quartal gerundet weder nennenswerte Zuflüsse noch Abflüsse. Damit blieb ausgerechnet der margenträchtigere Teil des Geschäfts ohne zusätzlichen Schub. Alternative Anlagen, darunter Fonds für Immobilien und Infrastruktur, sammelten netto 800 Millionen Euro ein.
Hohe Volumina, geringere Ertragskraft
Das verwaltete Vermögen von 1,22 Billionen Euro unterstreicht die Größe der DWS im europäischen Fondsgeschäft. Für Vermögensverwalter ist diese Kennzahl zentral, weil ein großer Teil der Einnahmen aus Gebühren auf das verwaltete Kapital entsteht. Mehr Anlagevolumen kann deshalb die künftigen Erträge stützen.
Entscheidend ist jedoch auch, in welchen Produkten das Geld landet. Fließen Mittel vor allem in niedrigmargige Geldmarkt- und Indexprodukte, steigt das verwaltete Vermögen zwar deutlich. Die Ertragskraft verbessert sich aber weniger stark als bei Zuflüssen in aktive Fonds oder alternative Anlagen.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich die gemischte Reaktion auf die Zahlen: DWS meldet einen Rekord beim Nettoneugeld und baut das verwaltete Vermögen aus. Gleichzeitig enttäuscht der Gewinn, weil die Zusammensetzung der Zuflüsse weniger profitabel ist als ein stärkeres Wachstum in margenreichen Segmenten.
Bedeutung für die DWS
Die Zahlen fallen in eine Phase, in der viele Anlegerinnen und Anleger auf Zinsprodukte und kostengünstige Anlagelösungen setzen. Geldmarktfonds profitieren davon, dass kurzfristige Zinsen wieder eine nennenswerte Rendite ermöglichen. Passive Fonds gewinnen seit Jahren an Bedeutung, weil sie breite Märkte einfach abbilden und häufig günstiger sind als aktive Strategien.
Für DWS bietet diese Entwicklung Chancen und Herausforderungen zugleich. Das Unternehmen kann hohe Volumina anziehen und seine Marktposition ausbauen. Um die Profitabilität stärker zu steigern, bleibt jedoch wichtig, ob künftig auch aktiv verwaltete und alternative Produkte wieder mehr neues Geld einsammeln.