Wirtschaft · Energie und Klima
Dürreübung zeigt Risiken für Energieversorgung
Deutschland hat in einer bundesweiten Krisenübung die Folgen einer lang anhaltenden Dürre und extremer Hitze erprobt. An der dreitägigen Übung LÜKEX beteiligten sich 180 Stellen von Bund und Ländern, Hilfsorganisationen sowie Betreiber kritischer Infrastruktur. Das Szenario berührte auch die Energieversorgung: Niedrigwasser, fehlendes Kühlwasser, IT-Probleme und simulierte Stromausfälle sollten zeigen, wie anfällig wichtige Systeme bei gleichzeitigen Belastungen werden können.
Drei Tage Krisentest am Bildschirm
Die Übung lief dezentral in ganz Deutschland. Reale Einsätze gab es nicht. Weder wurden Patientinnen und Patienten tatsächlich in Kliniken gebracht, noch rollten Tankfahrzeuge mit Trinkwasser. Die beteiligten Organisationen arbeiteten stattdessen an ihren Rechnern mit einem zugespitzten Lagebild.
Grundlage war ein Szenario, in dem Deutschland über Jahre zu wenig Regen bekommen hat. Flüsse führen darin nur noch wenig Wasser, Grundwasserstände sind gesunken, Trinkwasserreserven geraten unter Druck. Hinzu kommt eine mehrwöchige Hitzewelle mit Temperaturen dauerhaft über 40 Grad und Spitzenwerten bis 45 Grad.
Vorbereitet wurde LÜKEX nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium über drei Jahre. Die Auswertung soll rund ein Jahr dauern. Ziel ist es, Abläufe, Zuständigkeiten und Informationswege zu prüfen, bevor ein solcher Ernstfall eintritt.
Energie, Wasser und Verkehr unter Druck
Das Übungsszenario beschreibt keine isolierte Wetterlage, sondern eine Kette von Belastungen. Hitze erhöht den Wasserbedarf, Dürre verschärft Waldbrandgefahr, Rauch kann die Luftqualität verschlechtern. Gleichzeitig drohen Ernteausfälle, steigende Lebensmittelpreise und Einschränkungen für Unternehmen.
Für die Wirtschaft besonders heikel sind die Auswirkungen auf Transport und Energie. Niedrige Wasserstände können Lieferwege auf Flüssen beeinträchtigen. Wenn Kühlwasser knapp wird, müssen Energieunternehmen ihre Produktion möglicherweise reduzieren. In der Übung kamen zudem Meldungen über überhitzte Server, IT-Ausfälle, Stromunterbrechungen, Wassermangel und Engpässe in Krankenhäusern hinzu.
Beteiligt waren deshalb nicht nur Behörden und Hilfsorganisationen. Auch Betreiber kritischer Infrastruktur spielten mit. Dazu zählen unter anderem Energie- und Wasserversorger, Lebensmittelbranche, Kliniken, Telekommunikation, Logistik, Banken, Versicherungen, Abfallwirtschaft und Medien.
Behörden wollen Krisenketten besser verstehen
BBK-Präsidentin Grit Tüngler sieht in zunehmenden Extremwetterlagen einen Grund, Strukturen enger zu verzahnen. Entscheidend sei, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und das Krisenmanagement widerstandsfähiger zu machen. Das gewählte Szenario soll nicht den Normalfall abbilden, sondern die Reaktionsfähigkeit unter verschärften Bedingungen testen.
Auch Desinformation gehörte zur Übung. Die Beteiligten mussten damit rechnen, dass falsche Meldungen oder gezielte Irreführung aus dem In- und Ausland eine angespannte Lage zusätzlich erschweren. Das BBK berücksichtigt dabei auch das Verhalten der Bevölkerung, etwa Informationsbedarf, Risikobewusstsein, Notfallvorsorge und unterschiedliche Verwundbarkeiten.
Der sehr heiße Sommer 2026 hatte nach Einschätzung der Verantwortlichen die Relevanz des Themas zusätzlich sichtbar gemacht. Im vergangenen Sommer wurden in Deutschland 16.000 Hitzetote verzeichnet. Für Europa wurden für das Jahr 2024 insgesamt 50.000 hitzebedingte Todesfälle genannt.
Einordnung: Mehrere Risiken greifen ineinander
Der Klimaforscher Markus Reichstein vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena hält mehrjährige Dürren in Deutschland für ein „reales Risiko“. Er verweist darauf, dass Böden in manchen Regionen nach 2018 über Jahre ungewöhnlich trocken blieben. Wann eine nächste mehrjährige Trockenphase kommt, lässt sich nicht vorhersagen.
Die eigentliche Gefahr liegt nach seiner Einschätzung im Zusammenspiel verschiedener Probleme. Einzelne Belastungen könnten oft beherrschbar sein. Kritisch werde es, wenn Wasser, Energie, Landwirtschaft und Gesundheitswesen zugleich an Grenzen kommen. Dann reichen Fachpläne für einzelne Bereiche nicht aus.
LÜKEX gibt es seit rund 20 Jahren. Die aktuelle Übung soll helfen, Handlungsfähigkeit und Netzwerke zu verbessern. Für Staat und Wirtschaft ist das auch eine Frage der Vorsorge: Je stärker Energieversorgung, Infrastruktur und Gesundheitswesen voneinander abhängen, desto wichtiger werden belastbare Abläufe für Krisen, die mehrere Bereiche gleichzeitig treffen.