Wirtschaft · Konjunktur
Deutsche Wirtschaft wächst im Sommer um 0,2 Prozent
Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal leicht gewachsen und hat damit schwächere Erwartungen übertroffen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Viele Volkswirtinnen und Volkswirte hatten zuvor nur mit einer Stagnation oder höchstens einem sehr kleinen Zuwachs gerechnet.
Niedrigwasser bremst die Industrie
Der Sommer fiel damit schwächer aus als die erste Jahreshälfte, blieb aber im Plus. In den ersten drei Monaten hatte die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent zugelegt, im zweiten Quartal um 0,3 Prozent. Ein Rückgang blieb trotz mehrerer Belastungen aus.
Ein wichtiger Dämpfer waren niedrige Wasserstände am Rhein. Sie erschwerten die Binnenschifffahrt und störten Lieferwege. Besonders betroffen waren energie- und transportintensive Branchen wie Chemie und Stahl. Auch der Dürresommer sowie eine Produktionsumstellung in der Autoindustrie belasteten die Entwicklung, konnten den positiven Trend aber nicht vollständig stoppen.
Hinzu kam ein schwächerer Außenhandel. Die Exporte, die in der ersten Jahreshälfte noch kräftig zur Entwicklung beigetragen hatten, verloren zu Beginn der zweiten Jahreshälfte deutlich an Schwung. Belastungen entstanden zudem durch den Iran-Krieg, der die wirtschaftliche Unsicherheit erhöhte.
Konsum hilft nur begrenzt
Die privaten Konsumausgaben entwickelten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts leicht positiv. Von einem kräftigen Impuls der Verbraucherinnen und Verbraucher kann aber nicht gesprochen werden. Hohe Energiepreise, die anhaltende Teuerung und ein schwacher Arbeitsmarkt dämpfen weiter die Ausgabebereitschaft vieler Haushalte.
Auch die Investitionen blieben ein Schwachpunkt. Nach vorläufigen Erkenntnissen gingen sie im Vergleich zum Vorquartal zurück. Damit fehlt der Erholung weiterhin ein breiterer privater Unterbau. Viele Unternehmen bleiben bei neuen Projekten vorsichtig, obwohl die konjunkturellen Daten zuletzt besser ausfielen als erwartet.
Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der LBBW, bewertet die Zahlen dennoch als Zeichen einer widerstandsfähigeren Konjunktur. Die Wirtschaft laufe „weiterhin besser als gedacht“, sagte er. Negative Sondereffekte hätten die Entwicklung gebremst, aber nicht umgekehrt.
Staatliche Ausgaben stützen die Erholung
Ein zentraler Treiber bleibt die öffentliche Hand. Zusätzliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung stützen die Nachfrage und sorgen für Impulse, die private Haushalte und Unternehmen derzeit nur begrenzt liefern. Alexander Krüger, Chefsvolkswirt bei Bethmann HAL, sieht das jüngste Plus vor allem in diesem Zusammenhang. Ohne den schuldenfinanzierten staatlichen Impuls hätte die Wirtschaftsleistung seiner Einschätzung nach wohl nicht zugelegt.
Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht den Aufschwung bislang als einseitig getragen. DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik erklärte, die Industrie komme nach einer langen Schwächephase wieder besser in Gang. Zugleich warnte sie: „Von einem breiten Aufschwung sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt.“
Für das Gesamtjahr 2026 rechnen Institute in ihrer Herbstprognose mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Auch die Bundesregierung und Fachleute erwarten für 2026 mehr als ein Prozent Zuwachs. Diese Prognosen setzen allerdings voraus, dass Industrie, Außenhandel und Investitionen nicht erneut deutlich nachgeben.
Stimmung hellt sich auf
Die Unternehmensstimmung hat sich zuletzt verbessert. Der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts stieg sechs Mal nacheinander. Das spricht dafür, dass Betriebe ihre Lage und Erwartungen weniger pessimistisch einschätzen als zuvor.
Trotzdem bleibt die Erholung fragil. Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, aber nur langsam und mit deutlicher Abhängigkeit von staatlichen Ausgaben. Für einen selbsttragenden Aufschwung müssten private Investitionen, Konsum und Außenhandel stärker beitragen. Solange hohe Preise, schwache Nachfrage und Produktionshemmnisse wirken, bleibt das Wachstum anfällig für Rückschläge.