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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Industrie unter Druck

Deere verlagert Produktion, VW verliert Kündigungsstreit

John Deere will zwei Werke in Iowa schließen und Fertigung verlagern. Volkswagen muss einem früheren Manager rund 300.000 Euro nachzahlen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leerer Produktionsbereich steht für Umbrüche in der Industrie.
Symbolbild: Ein leerer Produktionsbereich steht für Umbrüche in der Industrie. KI-generiert

John Deere stellt Teile seiner Fertigung in Amerika neu auf und plant die Schließung von zwei Werken im US-Bundesstaat Iowa. Mehrere Maschinen sollen künftig an anderen Standorten in den USA und in Brasilien gebaut werden. Betroffen sind unter anderem Schwadmäher, Rundballenpressen, Pflanzenschutzspritzen und Sätechnik. Traktoren und Mähdrescher bleiben außen vor. Deutsche Standorte wie Mannheim und Zweibrücken werden in den Plänen nicht genannt.

Zwei Werke in Iowa sollen schließen

Das Werk in Ottumwa verliert schrittweise seine Fertigung. Die Produktion von Schwadmähern soll bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 nach Des Moines wechseln. Rundballenpressen sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 folgen. Danach ist die Schließung des Standorts vorgesehen.

Für den europäischen Markt baut John Deere Rundballenpressen weiterhin im französischen Arc-lès-Gray. Dort entstehen auch Frontlader und Frontkraftheber. Die Verlagerung betrifft damit vor allem die nordamerikanische Produktionsstruktur des Konzerns.

Auch das Werk Clarion in Iowa steht vor dem Aus. Dort werden bisher selbstfahrende Pflanzenschutzspritzen der Hagie-Baureihe gefertigt. Diese Produktion soll ab dem Geschäftsjahr 2028 in Thibodaux im Bundesstaat Louisiana anlaufen. Spätestens im Geschäftsjahr 2029 soll Clarion die Fertigung beenden.

Für die Kleinstadt ist der Einschnitt erheblich. Der Standort gilt regional als wichtiger Arbeitgeber. Bei voller Auslastung arbeiten dort nach Angaben der örtlichen Wirtschaftsförderung rund 300 Menschen. Clarion hat etwa 2.770 Einwohner.

Maschinen wandern auch nach Brasilien

John Deere verlegt nicht nur innerhalb der USA. Zuckerrohrvollernter, die bisher in Thibodaux gebaut werden, sollen ab dem Geschäftsjahr 2029 vollständig aus Catalão in Brasilien kommen. Dort fertigt der Konzern bereits heute solche Maschinen. Das Unternehmen verweist darauf, dass ein großer Teil der Nachfrage nach Zuckerrohrvollerntern in Brasilien liegt. In Thibodaux entstehen derzeit nach Unternehmensangaben nur etwa 35 Maschinen pro Jahr für den US-Markt.

Zusätzlich sollen kleinere Einzelkornsämaschinen umziehen. Die Produktion ist bislang bei John Deere Seeding in Moline im Bundesstaat Illinois angesiedelt und soll im Geschäftsjahr 2027 nach Paton in Iowa wechseln. Welche Modelle genau betroffen sind, wurde nicht näher benannt.

Der Umbau zeigt eine stärkere Bündelung der Fertigung. Während Ottumwa und Clarion schließen sollen, erhalten Des Moines und Paton zusätzliche Aufgaben. John Deere begründet die Veränderungen mit verschobener Nachfrage und freien Kapazitäten in anderen Werken.

Volkswagen muss Gehalt nachzahlen

Auch Volkswagen beschäftigt weiter ein arbeitsrechtlicher Streit um frühere Führungskräfte. Das Arbeitsgericht Braunschweig hat entschieden, dass der Konzern einem gekündigten Manager rund 300.000 Euro Gehalt nachzahlen muss. Es geht um die Differenz zwischen einer fristlosen und einer ordentlichen Kündigung über etwa ein Jahr.

In einem ähnlichen Fall hatte das Gericht einem zweiten früheren Manager bereits rund 200.000 Euro zugesprochen. In beiden Verfahren hatte das Gericht zuvor die fristlose Beendigung beanstandet, die ordentliche Kündigung aber für wirksam gehalten.

Volkswagen hatte den Beschäftigten vorgeworfen, interne Revisionsunterlagen zu den Modellen Crafter und Grand California unbefugt weitergegeben zu haben. Genannt wurden Medien und öffentliche Stellen, darunter das Landeskriminalamt. Aus Sicht des Konzerns lag darin eine schwere Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten.

Die Forderung von Volkswagen auf Erstattung hoher Anwaltskosten blieb ohne Erfolg. In dem zweiten Fall ging es unter anderem um etwa 380.000 Euro. Das Unternehmen erhält nach der Entscheidung außerdem keine Auskunft darüber, welche Inhalte die Manager genau gemeldet hatten.

Einordnung

Die Vorgänge zeigen unterschiedliche Facetten des Drucks auf Industrieunternehmen. Bei John Deere geht es um die Neuverteilung von Fertigung über Länder- und Standortgrenzen hinweg. Bei Volkswagen steht ein Streit über Kündigungen, interne Meldungen und mögliche Pflichtenverletzungen im Mittelpunkt.

Die beiden früheren Manager berufen sich auf das Hinweisgeberschutzgesetz. Sie sehen sich benachteiligt, nachdem sie zunächst intern und später extern über mutmaßliche Missstände berichtet hatten. Ihre Schadensersatzklage in Millionenhöhe blieb bislang erfolglos. Damit befasst sich nun das Bundesarbeitsgericht. Volkswagen will die Braunschweiger Entscheidung im Gehaltsstreit vor dem Landesarbeitsgericht Hannover überprüfen lassen.