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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Börsen und Techwerte

Dax springt über 26.000 Punkte, Techwerte belasten Wall Street

Der Dax hat deutlich zugelegt und die Marke von 26.000 Punkten überwunden. In den USA sorgen Techzahlen und Zweifel an KI-Ausgaben für Nervosität.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Nervöse Stimmung an den Finanzmärkten nach starken Bewegungen bei Aktienindizes und Technologiewerten.
Symbolbild: Nervöse Stimmung an den Finanzmärkten nach starken Bewegungen bei Aktienindizes und Technologiewerten. KI-generiert

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag kräftig zugelegt, während an der Wall Street die Stimmung gegenüber großen Technologiewerten brüchiger wurde. Der Dax stieg um 335 Punkte und schloss über 26.000 Zählern. Damit erreichte er den höchsten Schlussstand seit Anfang September. Zugleich belasteten enttäuschende Zahlen von Alphabet und wachsende Zweifel an den hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz die US-Technologiewerte.

Dax beendet enge Handelsspanne

Der starke Anstieg im deutschen Leitindex gilt als möglicher Ausbruch aus einer längeren Phase ohne klare Richtung. Seit dem Sommer bewegte sich der Dax meist zwischen knapp 25.000 und etwas mehr als 26.000 Punkten. Viele Marktteilnehmer nutzten Rücksetzer zum Einstieg und höhere Kurse zum Verkauf. Dadurch entstand eine enge Spanne, die erst mit einem nachhaltigen Sprung nach oben verlassen wäre.

Bereits zur Wochenmitte hatten Unternehmenszahlen aus dem Dax für Auftrieb gesorgt. Am Donnerstag kamen weitere Quartalsberichte hinzu. Volkswagen meldete zwar einen Milliardenverlust für das dritte Quartal, führte diesen aber auf Sonderfaktoren zurück, darunter eine Wertberichtigung bei der Sport- und Geländewagentochter Porsche. Die Aktie drehte nach anfänglichen Verlusten ins Plus und beendete den Handel rund 1,7 Prozent höher.

Auch andere Einzelwerte stützten den Markt. Adidas kündigte an, im Weihnachtsgeschäft in Europa wieder stärker wachsen zu wollen; die Aktie gewann 5,8 Prozent. Henkel zeigte sich nach einem besser als erwarteten dritten Quartal zuversichtlicher für das Gesamtjahr und legte 1,2 Prozent zu. Der Triebwerksbauer MTU hob nach einem überraschend starken Quartal ebenfalls die Prognose an. Nach zwischenzeitlichen Verlusten schloss die Aktie 1,6 Prozent im Plus.

Techfantasie bekommt Risse

In den USA zeigte sich dagegen, wie empfindlich Anlegerinnen und Anleger auf Enttäuschungen bei großen Technologiekonzernen reagieren. Alphabet erzielte zwar einen Rekordumsatz, blieb nach den vorliegenden Zahlen aber bei Umsatz und Gewinn hinter den Erwartungen des Marktes zurück. Die Aktie verlor nachbörslich zeitweise fast elf Prozent. Binnen kurzer Zeit verringerte sich der Börsenwert um rund 400 Milliarden Dollar.

Der Kursrutsch traf einen Markt, in dem die Erwartungen an Künstliche Intelligenz besonders hoch sind. Investitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Dienste haben die Fantasie der vergangenen Monate stark geprägt. Nun rückt stärker die Frage in den Vordergrund, wann und in welchem Umfang diese Ausgaben Gewinne bringen. Das macht Bewertungen angreifbarer, vor allem bei Unternehmen, deren Kurse bereits stark gestiegen sind.

Die Nervosität kommt trotz robuster Konjunkturdaten. Das US-Handelsministerium meldete für das dritte Quartal ein annualisiertes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Erwartet worden waren im Schnitt 3,2 Prozent. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum bei 2,2 Prozent gelegen. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher blieben ausgabefreudig: Die persönlichen Konsumausgaben stiegen im September um 0,5 Prozent, nach einem Plus von 0,9 Prozent im August.

Hohe Aktienquoten als Warnsignal

Die starke Wirtschaftslage spricht grundsätzlich für Unternehmensgewinne. Dennoch wächst an den Märkten die Sorge, dass viele positive Nachrichten bereits in den Kursen enthalten sind. Ein Hinweis darauf ist die sehr hohe Aktienquote amerikanischer Privatanlegerinnen und Privatanleger. Die American Association of Individual Investors ermittelte zuletzt einen Anteil von fast 72 Prozent. So hoch lag dieser Wert seit Anfang 2000 nicht mehr. Zugleich waren Anleihen mit 15 Prozent und liquide Mittel mit 13 Prozent nur schwach vertreten.

Jörg Scherer, Chef der technischen Analyse bei HSBC Deutschland, sieht darin ein Risiko. Aktienquoten oberhalb von 70 Prozent bezeichnet er als „rote Zone“. Historische Daten seit 1987 zeigen, dass nach solchen Phasen häufig schwächere Kursentwicklungen oder Korrekturen folgten. Auf Sicht von zwölf Monaten erreichte der S&P 500 danach im Schnitt 6,4 Prozent Plus. In längeren Vergleichszeiträumen lag die durchschnittliche Jahresperformance seit den 1980er-Jahren bei 9,2 Prozent.

Besonders günstig entwickelten sich Aktien in der Vergangenheit, wenn die Skepsis groß war. Lag die Aktienquote amerikanischer Privatanlegerinnen und Privatanleger unter 50 Prozent, folgte im Durchschnitt ein Plus von 15 Prozent auf Jahressicht. Der aktuelle Optimismus kann deshalb zum Gegenwind werden: Wer bereits stark investiert ist, fällt als zusätzlicher Käufer zunächst aus. Die Dax-Rally und die Verluste bei Techwerten zeigen damit dieselbe Spannung: Die Märkte suchen weiter nach Richtung, doch Bewertungssorgen und Gewinnmitnahmen gewinnen an Gewicht.