Wirtschaft · Kryptobörse
Binance sichert Großteil gestohlener Kryptowerte
Binance hat nach dem schweren Cyberangriff auf die Kryptobörse nach eigenen Angaben den Großteil der entwendeten Vermögenswerte wieder abgesichert oder ersetzt. Rund 90 Prozent der betroffenen Werte seien inzwischen gedeckt, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Die übrigen rund zehn Prozent entfallen demnach auf schwerer handelbare Token, deren Wiederbeschaffung mehr Zeit beanspruchen könnte. Der reguläre Auszahlungsbetrieb soll am Sonntag wieder aufgenommen werden.
Milliardenbetrag aus eigenen Mitteln
Zur Abdeckung der Verluste stellt Binance nach Unternehmensangaben etwa 6,34 Milliarden Dollar bereit. Ein Teil davon stammt aus dem Sicherungsfonds SAFU, der zum Schutz von Kundengeldern eingerichtet wurde und ursprünglich mit einer Milliarde Dollar ausgestattet war. Der Fonds soll in Krisenfällen einspringen, wenn Nutzerinnen und Nutzer durch Sicherheitsvorfälle betroffen sind.
Bei der Begrenzung des Schadens spielten auch externe Kryptounternehmen eine Rolle. Stablecoin-Anbieter sperrten demnach Vermögenswerte in großem Umfang. Tether fror Werte von fast 1,57 Milliarden Dollar ein, Circle weitere rund 800 Millionen Dollar. Auch Ripple war an Maßnahmen beteiligt. Insgesamt konnte nach Binance-Angaben etwa die Hälfte der gestohlenen Summe durch solche Schritte blockiert werden.
Die noch nicht vollständig gesicherten Bestände bestehen nach Unternehmensangaben aus Token, die sich nicht so leicht am Markt beschaffen lassen. Das erschwert eine schnelle Wiederherstellung der betroffenen Bestände. Binance betont zugleich, die Deckung der Kundeneinlagen absichern zu wollen.
Angriff über Mitarbeiter-Laptop
Co-Chef Richard Teng beschrieb den Vorfall als technisch anspruchsvoll. Die Angreifer verschafften sich demnach über einen kompromittierten Laptop eines Beschäftigten Zugang zu internen Systemen. Anschließend setzten sie Schadsoftware ein, um Spuren zu verbergen. Ein großer Teil der Beute wurde innerhalb von nur 20 Minuten weitergeleitet.
Cybersicherheitsfachleute sehen Hinweise auf nordkoreanische Hackergruppen. Auch die Analysefirma TRM Labs zählt zu den Stellen, die eine solche Spur für möglich halten. Die Regierung in Pjöngjang weist entsprechende Vorwürfe regelmäßig zurück. Binance arbeitet bei den Ermittlungen mit dem FBI und dem US-Geheimdienst Secret Service zusammen.
Blockchain-Analysten von Chainalysis warnen, dass die Täter zunehmend ausgefeilte Geldwäschetechniken einsetzen. In der Kryptobranche wächst deshalb der Druck, nach Angriffen schneller Informationen auszutauschen. Star Xu, Chef der Kryptobörse OKX, forderte ein System, das Hinweise in Echtzeit verbreitet und verdächtige Gelder kurzfristig einfrieren kann. Das Kryptounternehmen GSR bezeichnete den Vorfall als möglichen Anstoß für bessere Schutzmechanismen.
Neuer Nachweis für Kundengelder
Binance will das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer mit einem aktualisierten Nachweis über verwahrte Vermögenswerte stärken. Damit sollen Kundinnen und Kunden prüfen können, ob ihre Einlagen vollständig hinterlegt sind. Zunächst ist ein solcher Nachweis für zehn große Kryptowährungen vorgesehen. Dazu zählen Bitcoin, Ethereum und Binance Coin.
Die Börse zählt nach eigenen Angaben weltweit rund 335 Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer. Im Jahr 2025 verwahrte sie digitale Vermögenswerte im Wert von 162,8 Milliarden Dollar. Die Größe der Plattform macht Sicherheitsvorfälle dort besonders folgenreich: Wenn große Summen schnell zwischen Wallets verschoben werden, sind Handelsplätze, Stablecoin-Anbieter und Ermittlungsbehörden auf rasche Abstimmung angewiesen.
Der Fall zeigt zugleich eine zentrale Schwachstelle des Kryptomarkts. Digitale Vermögenswerte lassen sich in kurzer Zeit grenzüberschreitend übertragen, was die Rückverfolgung erschwert. Eingefrorene Stablecoins und unternehmenseigene Rücklagen können Schäden begrenzen, ersetzen aber nicht die Prävention. Für Binance steht deshalb neben der finanziellen Absicherung nun auch die Frage im Mittelpunkt, wie belastbar die internen Kontrollen nach dem Angriff sind.