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Wirtschaft · Krypto-Börse

Binance gibt Auszahlungen nach Milliardenhack frei

Nach dem Rekordangriff auf Binance können Kundinnen und Kunden wieder erste Guthaben abziehen. Die Plattform spricht von 95 Prozent ausgeglichenen Verlusten.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Nach dem Hackerangriff auf Binance rücken Sicherheit und Reserven von Krypto-Plattformen in den Fokus.
Symbolbild: Nach dem Hackerangriff auf Binance rücken Sicherheit und Reserven von Krypto-Plattformen in den Fokus. KI-generiert

Binance öffnet nach dem mutmaßlich größten Krypto-Diebstahl wieder Teile seines Auszahlungssystems. Seit Sonntagvormittag können Kundinnen und Kunden bei besonders stark genutzten Netzwerken und Token erneut Guthaben abziehen. Nach Unternehmensangaben sind inzwischen etwa 95 Prozent der gestohlenen Werte aus eigenen Reserven ersetzt. Das FBI beziffert die Beute auf mehr als sechs Milliarden Dollar, rund 5,4 Milliarden Euro, und macht die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor verantwortlich.

Auszahlungen laufen wieder an

Die Freigabe erfolgt zunächst nicht für alle Digitalwährungen gleichzeitig. Binance verweist auf laufende Sicherheitsprüfungen und will weitere Auszahlungen schrittweise ermöglichen. Zum Start rechnet die Plattform wegen vieler erwarteter Transaktionen mit Verzögerungen. Einzahlungen sollen nach Unternehmensangaben durch den Angriff nicht unterbrochen gewesen sein.

Für die wichtigsten Coins und Token meldet Binance wieder vollständige Deckung. Dazu zählt die Plattform Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP sowie große Stablecoins. Die noch offenen fünf Prozent betreffen demnach vor allem weniger liquide digitale Werte, deren Beschaffung am Markt länger dauert. Nach Abschluss der Untersuchungen kündigte Binance einen ausführlichen Bericht an.

Am Montag will das Unternehmen außerdem einen aktualisierten Reservenachweis veröffentlichen. Mit einem solchen Proof of Reserves können Nutzerinnen und Nutzer rechnerisch prüfen, ob ihr ausgewiesenes Guthaben durch Bestände in den Wallets der Plattform gedeckt ist. Für Binance ist dieser Schritt zentral, um nach dem Angriff Vertrauen zurückzugewinnen.

Ermittler warnen vor Geldwäsche

US-Ermittlungsbehörden sehen die Gruppe TraderTraitor hinter dem Diebstahl. Das FBI, der Secret Service und die Steuerfahndung IRS-CI warnen davor, dass die Täter die gestohlenen Vermögenswerte verschleiern wollen. Nach Einschätzung der Behörden werden Teile der Beute vor allem in Ethereum getauscht.

Anschließend könnten die Angreifer versuchen, die Werte über dezentrale Finanzdienste und Sofort-Tauschplattformen weiterzuleiten. Betreiber von Kryptodiensten wurden aufgefordert, Transaktionen zu stoppen, die mit bekannten Adressen der mutmaßlichen Täter zusammenhängen. Solche Sperren sollen verhindern, dass die gestohlenen Bestände in schwerer nachverfolgbare Kanäle wandern.

Ein wichtiger Faktor für die schnelle Stabilisierung war offenbar, dass Partnerbörsen und große Stablecoin-Anbieter Teile der Beute blockierten. Rund drei Milliarden Dollar sollen auf Zieladressen der Angreifer eingefroren worden sein. Dadurch verringerte sich der Betrag, den Binance kurzfristig aus eigenen Mitteln ausgleichen musste.

Milliardenloch aus Reserven geschlossen

Der von Binance beworbene Notfallfonds SAFU umfasst etwa eine Milliarde Dollar. Damit hätte er allein nur einen Teil des Schadens abdecken können. Fachleute führen die rasche Kompensation deshalb zusätzlich auf große Unternehmensbestände zurück, die Binance über Jahre aufgebaut hat.

Die Plattform soll den verbleibenden Bedarf nicht vor allem über hektische Käufe an öffentlichen Börsen gedeckt haben. Stattdessen kamen demnach eigene Bestände und Zukäufe über direkte Handelskanäle zum Einsatz. Ziel war es, die Kundenguthaben zu sichern und einen massiven Abzug von Vermögen zu verhindern.

Sollten sich die Deckungsangaben bestätigen, würden Kundinnen und Kunden trotz des enormen Schadens nicht unmittelbar auf den Verlusten sitzen bleiben. Binance trägt den Ausgleich nach eigener Darstellung selbst. Damit bliebe ein erzwungener Abschlag auf Guthaben oder ein direkter Totalverlust für Anlegerinnen und Anleger aus.

Bitcoin reagiert nur begrenzt

Der Kryptomarkt geriet nach dem Angriff unter Druck, brach aber nicht dauerhaft ein. Der Bitcoin-Kurs fiel zeitweise von mehr als 80.000 Dollar auf etwa 76.000 Dollar. Danach holte die wichtigste Kryptowährung einen Teil der Verluste wieder auf.

Binance-Mitgründer Changpeng Zhao erklärte die vergleichsweise begrenzte Marktreaktion mit der Struktur des Schadens. Entscheidend sei nicht nur der Dollarbetrag, sondern auch der Anteil an der gesamten Umlaufmenge, die Zahl der betroffenen Nutzerinnen und Nutzer und die Frage, wer die Verluste übernehme. Er verwies auf den Zusammenbruch von Mt. Gox im Jahr 2014, bei dem rund 650.000 Bitcoin verschwanden. Das entsprach damals mehr als fünf Prozent aller umlaufenden Bitcoin.

Der aktuelle Fall bleibt dennoch ein Einschnitt für die Kryptobranche. Die Summe liegt historisch außergewöhnlich hoch, gleichzeitig zeigt der Verlauf, wie wichtig interne Reserven, eingefrorene Stablecoins und schnelle Abstimmung zwischen Handelsplätzen geworden sind. Für Binance hängt die weitere Stabilisierung nun davon ab, ob die angekündigten Nachweise und die vollständige Wiederaufnahme der Auszahlungen das Vertrauen der Kundschaft tragen.