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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Zinsen und Baukosten

Bauzinsen erreichen Niveau der Finanzkrise

Immobilienkredite verteuern sich stark, der Dax startet unter Druck in den Tag. Inflation, geopolitische Risiken und hohe Baukosten belasten Haushalte, Branche und Märkte.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Steigende Finanzierungskosten und hohe Baukosten belasten Immobilienkäufe und Wohnungsbau.
Symbolbild: Steigende Finanzierungskosten und hohe Baukosten belasten Immobilienkäufe und Wohnungsbau. KI-generiert

Zinssorgen und steigende Kosten setzen die deutsche Wirtschaft weiter unter Druck. Zehnjährige Immobilienkredite kosten im Schnitt inzwischen knapp 4,5 Prozent Zinsen und damit so viel wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Zugleich blieb die Stimmung an der Börse angespannt: Der Dax verlor am Montag 1,2 Prozent auf 25.320 Punkte und wurde vor dem Handelsstart am Dienstag leicht schwächer gesehen.

Immobilienkredite werden deutlich teurer

Nach Daten des Finanzierungsvermittlers Interhyp lag der durchschnittliche Zinssatz für zehnjährige Baufinanzierungen zuletzt knapp unter 4,5 Prozent. Im Mai hatte der Wert noch bei 3,9 Prozent gelegen. Damit wurde auch das bisherige Hoch von Ende 2023 übertroffen, das bei gut 4,4 Prozent lag. Vergleichbare Werte zeigen auch Daten der Bundesbank zu Wohnungsbaukrediten an private Haushalte.

Interhyp-Chef Jörg Utecht führt den jüngsten Schub vor allem auf neue Inflationssorgen im Zusammenhang mit der erneuten Zuspitzung des Iran-Konflikts zurück. Höhere Inflationserwartungen wirken auf die Geldpolitik und über die Kapitalmärkte auf Baufinanzierungen. Die Europäische Zentralbank reagiert auf Teuerungsdruck mit höheren Leitzinsen; für Käuferinnen und Käufer schlagen sich solche Schritte häufig zeitverzögert in teureren Darlehen nieder.

Für Haushalte verändert das die Rechnung beim Immobilienkauf erheblich. Zwar liegen die Kaufpreise vielerorts unter den Höchstständen aus den Jahren vor dem Ende der Nullzinsphase. Der höhere Schuldendienst kann diesen Vorteil aber schnell aufzehren. Laut Utecht bedeutet der jüngste Zinsanstieg bei einer durchschnittlichen Finanzierung fast 200 Euro zusätzliche Monatsbelastung.

Käufer halten sich zurück

Die höheren Kreditkosten treffen auf einen Markt, in dem viele Verkäuferinnen und Verkäufer weiterhin an früheren Preisvorstellungen festhalten. Dirk Wohltorf, Präsident des Immobilienverbands Deutschland, sieht bei Angebotspreisen im Internet oft noch Wunschvorstellungen aus der Hochpreisphase. Tatsächlich würden Kaufverträge häufig zu niedrigeren Beträgen abgeschlossen. Seine Einschätzung fasst er so zusammen: „Wenn die Zinsen deutlich hochgehen, müssen die Preise runter.“

Auch Interhyp beobachtet mehr Verhandlungsbereitschaft, besonders bei bestehenden Immobilien. Dennoch bleibt die Nachfrage gedämpft. Der Immobilienverband berichtet von weniger vermittelten Kaufverträgen als in früheren Jahren. Viele Interessierte reagieren abwartend, weil die Finanzierung unsicherer und teurer geworden ist.

Für den Wohnungsbau verschärft sich damit eine ohnehin schwierige Lage. Der Landesverband bayerischer Bauinnungen meldete bis Juli 2026 im Wohnungsbau ein Auftragsminus von 3,2 Prozent gegenüber dem schwachen Vorjahr. Im direkten Zwölf-Monats-Vergleich betrug der Rückgang im Juli 8,2 Prozent. Viele Unternehmen hätten nur noch Aufträge, die bis zum Rest des Jahres reichen. Sinkende Baufertigstellungen werden weiter erwartet.

Kosten bleiben zentrale Hürde

Nicht allein die Zinsen bremsen den Markt. Die Landesbausparkasse Süd verweist darauf, dass hohe Material- und Lohnkosten, Nebenkosten beim Kauf sowie staatliche Vorgaben einen großen Teil der Belastung ausmachen. Aus dieser Sicht ist nicht nur die Monatsrate entscheidend. Für viele junge Menschen und Familien fehlt vor allem genügend Eigenkapital, um die Gesamtkosten eines Kaufs zu stemmen.

Auch Mieterinnen und Mieter können die Folgen spüren. Bei gemeinwohlorientierten und kommunalen Wohnungsunternehmen federn Fördermittel den Zinseffekt teilweise ab. Dennoch verteuert ein höherer Kapitaldienst neue Projekte. Hans Maier, Direktor des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen, rechnet damit, dass sich steigende Finanzierungskosten auch in Mieten niederschlagen können. Er nannte als Größenordnung einen möglichen Euro mehr.

Börse blickt auf Konjunktur und Gewinne

An den Finanzmärkten verbinden sich Zinssorgen mit geopolitischer Unsicherheit und Fragen nach der Ertragskraft großer Unternehmen. Der Dax gab zum Wochenauftakt nach und lag vorbörslich am Dienstag leicht im Minus. Belastend wirkt vor allem die Lage im Nahen Osten. Zusätzlich rücken in dieser Woche Quartalszahlen großer Konzerne aus Technologie und Industrie in den Fokus.

Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets sieht die Märkte in einer Bewährungsphase. Entscheidend sei, ob Unternehmensgewinne tragfähig bleiben und die Inflation nicht erneut stärker ausbricht. Für Deutschland liefert am Dienstag der ZEW-Index zu den Konjunkturerwartungen einen neuen Hinweis darauf, wie Fachleute die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate einschätzen.