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Wirtschaft · Chemieindustrie

BASF hebt Prognose nach starkem Quartal erneut an

BASF verdient operativ deutlich mehr und erhöht den Jahresausblick. Der Krieg im Nahen Osten verschiebt Nachfrage nach Europa und ermöglicht höhere Preise.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Chemieanlage steht für die Industrieproduktion, die bei BASF zuletzt von höheren Preisen und Nachfrageverschiebungen profitierte.
Symbolbild: Eine Chemieanlage steht für die Industrieproduktion, die bei BASF zuletzt von höheren Preisen und Nachfrageverschiebungen profitierte. KI-generiert

BASF hat im dritten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet und die Gewinnprognose für 2026 erneut angehoben. Der Ludwigshafener Chemiekonzern meldete am Mittwoch ein bereinigtes Ebitda von 1,64 Milliarden Euro, 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Höhere Verkaufspreise, größere Mengen und Nachfrageverschiebungen infolge des Krieges im Nahen Osten stützten das Geschäft. Für das Gesamtjahr rechnet BASF nun mit 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro bereinigtem Ergebnis.

Höhere Preise stützen das Kerngeschäft

Der Umsatz stieg im Quartal auf 16,36 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 14,2 Prozent. BASF verwies besonders auf Preissteigerungen in mehreren Industrie- und Grundstoffbereichen, darunter Chemicals, Materials, Surface Technologies und Industrial Solutions. Auch der Hochlauf des neuen Verbundstandorts im chinesischen Zhanjiang trug zu höheren Absatzmengen bei.

Eine wichtige Rolle spielt die Lage auf den Energiemärkten. Wettbewerber in Asien geraten durch den Irankrieg stärker unter Druck, weil sie in hohem Maß auf Energielieferungen angewiesen sind. Dadurch verlagern Kunden Teile ihrer Nachfrage zu europäischen Anbietern. BASF konnte in diesem Umfeld Preise erhöhen und in den Kernbereichen zulegen.

Das operative Ergebnis lag zugleich klar über den Erwartungen am Markt. Analystinnen und Analysten hatten im Schnitt mit rund 1,5 Milliarden Euro gerechnet. Im Vorjahresquartal hatte BASF 1,43 Milliarden Euro erzielt. Unter dem Strich fiel der auf die Aktionärinnen und Aktionäre entfallende Gewinn jedoch auf 155 Millionen Euro. Der Rückgang um knapp zehn Prozent hängt unter anderem mit Kosten für den Konzernumbau zusammen.

Jahresziel wird enger und höher gefasst

Mit der neuen Prognose setzt BASF den erwarteten Ergebniskorridor nach oben. Zuvor hatte der Vorstand 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Im Vorjahr waren es 6,6 Milliarden Euro. Bereits im Sommer hatte der Dax-Konzern seine Planung verbessert. Vorstandschef Markus Kamieth begründete die erneute Anpassung mit der Entwicklung der Kerngeschäfte seit Jahresbeginn.

Der freie Finanzmittelzufluss soll weiter zwischen 1,5 und 2,3 Milliarden Euro liegen. Im Vorjahr hatte BASF rund 1,3 Milliarden Euro erreicht. An der Börse reagierte die Aktie am Mittwoch zunächst nur verhalten und legte leicht zu. Am Markt galt die angehobene Zielspanne teilweise bereits als eingepreist.

Umbau mit Stellenabbau läuft weiter

Trotz des besseren Quartals bleibt der Druck auf BASF hoch. Die Chemieindustrie kämpft weiter mit hohen Energiekosten, schwacher Nachfrage in einzelnen Bereichen und starkem internationalem Wettbewerb. Der Konzern setzt deshalb seinen Umbau fort, senkt Kosten und baut Stellen ab.

Seit Anfang 2024 sank die Zahl der Beschäftigten weltweit um 8.600. Finanzvorstand Dirk Elvermann teilte mit, in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres seien mehr Stellen weggefallen als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. Weltweit beschäftigt BASF noch rund 93.000 Menschen. Am Stammsitz Ludwigshafen liegt die Zahl der Vollzeitstellen inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit 1954.

Auch die Agrarsparte steht vor Veränderungen. BASF bereitet ihre Abspaltung vor und will den Bereich bis Mitte 2027 börsenfähig machen. Im dritten Quartal verzeichnete das Geschäft wegen eines schwachen Marktumfelds in Südamerika Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis.

Übernahmepoker um Evonik

Parallel arbeitet BASF an einer möglichen Übernahme des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik. Dem Vernehmen nach wurde die Offerte zuletzt auf 24 Euro je Aktie erhöht. Das würde Evonik mit gut elf Milliarden Euro bewerten. Kamieth bezeichnete einen Zusammenschluss als mögliche Antwort auf den globalen Wettbewerb, betonte aber auch, BASF werde den Schritt nicht um jeden Preis gehen.

Aus der Politik kommt Kritik. Dennis Radtke, Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, warnte vor möglichen Arbeitsplatzverlusten bei einer Übernahme und sprach sich dafür aus, den Vorgang zu beenden. BASF hat im Zusammenhang mit den Plänen einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 in Aussicht gestellt.

Die Quartalszahlen geben BASF Rückenwind, lösen aber die strukturellen Probleme nicht. Der Konzern profitiert kurzfristig von geopolitischen Verschiebungen und höheren Preisen. Zugleich zeigen Stellenabbau, Spartenumbau und die Suche nach größerer industrieller Schlagkraft, wie stark sich die Chemiebranche verändert.