Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Autobranche

Audi gerät mit US-Werk und Trump-Auftritt unter Druck

Audi-Chef Gernot Döllner kündigt in Georgia ein US-Werk an. Der Auftritt an der Seite Donald Trumps löst politische Kritik aus, während die Marke wirtschaftlich unter Druck steht.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein geplantes Autowerk in den USA steht für Audis umstrittene Investitionspläne.
Symbolbild: Ein geplantes Autowerk in den USA steht für Audis umstrittene Investitionspläne. KI-generiert

Audi steht nach der Ankündigung eines eigenen Werks in den USA unter erheblichem Rechtfertigungsdruck. Vorstandschef Gernot Döllner trat am Wochenende gemeinsam mit Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung auf und stellte ein Werk im Bundesstaat Georgia in Aussicht. Dort sollen rund 4.500 Arbeitsplätze entstehen. Bundesumweltminister Carsten Schneider kritisierte den Schritt scharf und bezweifelte die strategische Ausrichtung, weil Audi in den USA vor allem große SUV-Modelle für den dortigen Markt bauen will.

Kritik aus der Politik

Schneider warf Audi vor, mit dem geplanten Modellkurs in die falsche Richtung zu gehen. Der SPD-Politiker sagte, Audi setze damit „auf ein totes Pferd“. Er bezog sich dabei auf die Ausrichtung auf Fahrzeuge mit fossilem Antrieb und stellte ihr die Entwicklung hin zur Elektromobilität gegenüber. Auch die Umstände der Präsentation griff Schneider an. Er sprach von „unappetitlichen Umständen“ und äußerte Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Entscheidung.

Im Zentrum der Kritik steht nicht nur die Investitionsentscheidung selbst, sondern auch der Rahmen der Bekanntgabe. Döllner trat kurz vor den Zwischenwahlen in den USA auf einer Wahlkampfbühne mit Trump auf. Die Wahlen sind für den 3. November angesetzt. Bei Audi gelten interne Vorgaben, die Auftritte im Wahlkampf in zeitlicher Nähe zu Wahlen untersagen. Seit dem Auftritt wird über die Verantwortung des Vorstandschefs diskutiert; vereinzelt wurde auch sein Rücktritt gefordert.

Werk in Georgia soll US-Geschäft stärken

Audi plant in Georgia ein eigenes Werk. Dort sollen SUV-Modelle entstehen, darunter der Q9, ein besonders großes Fahrzeug, das auf die Nachfrage in den Vereinigten Staaten zugeschnitten ist. Für Audi wäre ein eigener Produktionsstandort in den USA ein strategisch wichtiger Schritt, weil die Marke bislang anders als BMW und Mercedes-Benz dort kein eigenes Werk betreibt.

Die fehlende Fertigung vor Ort belastet Audi im US-Geschäft. Zölle unter Trump treffen den Hersteller dadurch stärker als Wettbewerber mit eigener Produktion in den Vereinigten Staaten. Zugleich hat Audi zuletzt auch auf wichtigen Absatzmärkten Schwächen gezeigt. Im dritten Quartal gingen die Verkäufe nicht nur in China zurück, sondern auch in den USA. Wie stark sich diese Entwicklung auf Umsatz und Gewinn ausgewirkt hat, will Audi am Freitag mit den Zahlen vorlegen.

Mehrheit bewertet Auftritt kritisch

Der gemeinsame Auftritt mit Trump stößt in Deutschland überwiegend auf Ablehnung. In einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov bezeichneten 39 Prozent der Befragten die Ankündigung des Werks auf dieser Bühne als überhaupt nicht angemessen. Weitere 18 Prozent hielten sie für eher nicht angemessen.

Deutlich geringer fällt die Zustimmung aus. Sieben Prozent der Befragten fanden den Auftritt voll und ganz angemessen, elf Prozent eher angemessen. Damit überwiegt die skeptische Bewertung klar. Für Audi verschärft das die Lage, weil die Debatte über politische Nähe, Unternehmensleitlinien und Modellstrategie nun mit den wirtschaftlichen Problemen der Marke zusammenfällt.

Audi kämpft mit schwächeren Zahlen

Audi steht seit längerem wirtschaftlich unter Druck. Verkäufe und Erträge entwickeln sich seit Jahren schwächer. Das Unternehmen hat bereits Stellen gestrichen, weiterer Abbau steht im Raum. Die US-Investition soll offenbar helfen, den wichtigen Markt besser abzusichern und die Belastung durch Zölle zu verringern.

Gleichzeitig erhöht die Ausrichtung auf große SUV-Modelle den politischen Druck. Schneider stellt die Entscheidung in Gegensatz zum weltweiten Ausbau der Elektromobilität. Für Audi entsteht damit ein doppeltes Risiko: Das Unternehmen muss die Investition wirtschaftlich begründen und zugleich erklären, warum sie mit den eigenen Zukunftszielen und internen Regeln vereinbar ist.

Die nächste Belastungsprobe folgt mit den Quartalszahlen am Freitag. Dann wird sichtbar, wie stark die Absatzrückgänge in China und den USA die Ertragslage treffen. Bis dahin bleibt der Auftritt in den USA ein Symbol für den Spagat der deutschen Autoindustrie zwischen Kosten, Zöllen, Marktanteilen und der Umstellung auf neue Antriebe.