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Wirtschaft · Autoindustrie

Audi entgeht roten Zahlen nur knapp

Audi meldet für das dritte Quartal einen massiven Gewinneinbruch. Die VW-Tochter leidet unter China-Schwäche, US-Zöllen und wachsendem Kostendruck.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Automobilwerk steht für den wachsenden Druck auf deutsche Hersteller.
Symbolbild: Ein Automobilwerk steht für den wachsenden Druck auf deutsche Hersteller. KI-generiert

Audi gerät finanziell immer stärker unter Druck. Im dritten Quartal blieb der Ingolstädter Autobauer nach Steuern mit 95 Millionen Euro nur knapp im Gewinn; ein Jahr zuvor waren es noch 718 Millionen Euro. Die Kernmarke Audi schrieb bei 11,6 Milliarden Euro Umsatz sogar einen Verlust von 174 Millionen Euro. Nur die weiteren Marken Lamborghini, Bentley und Ducati hielten die Markengruppe insgesamt im positiven Bereich.

Kernmarke fällt ins Minus

Die Markengruppe, zu der neben Audi auch Lamborghini, Bentley und Ducati gehören, kam im dritten Quartal operativ noch auf 28 Millionen Euro Gewinn. Damit liegt das Ergebnis nur noch knapp über der Nulllinie. Nach neun Monaten steht ein Gewinn von rund 1,22 Milliarden Euro bei 42 Milliarden Euro Umsatz. Auch das bedeutet einen deutlichen Rückgang.

Audi senkt wegen des schwachen Quartals die Erwartungen für das Gesamtjahr. Finanzchef Jürgen Rittersberger machte zugleich Hoffnung auf eine bessere Entwicklung zum Jahresende. Er sagte, aus der neuen Prognose lasse sich ableiten, dass das vierte Quartal wieder stärker ausfallen dürfte.

Die Belastungen kommen aus mehreren Richtungen. Audi verweist auf den schwachen Markt in China, vor allem bei Verbrennern. Hinzu kommen schärferer Wettbewerb, zunehmender Exportdruck chinesischer Hersteller in Europa, höhere Energiekosten im Zusammenhang mit der Lage im Nahen Osten sowie US-Zölle. Besonders hart trifft Audi auch, dass das Unternehmen kein eigenes Werk in den Vereinigten Staaten betreibt.

Kostendruck und Standortdebatte

Finanzchef Rittersberger sieht bei Audi erheblichen Reformbedarf. „Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub“, sagte er. Das Umfeld habe sich besonders im dritten Quartal weiter verschlechtert. Audi wolle deshalb stärker auf Kosten achten, Abläufe vereinfachen und Strukturen effizienter machen.

Was das konkret für die deutschen Standorte bedeutet, bleibt offen. Audi verweist auf die im vergangenen Jahr geschlossene Zukunftsvereinbarung. Darauf aufbauend sollen weitere Schritte mit dem Gesamtbetriebsrat besprochen werden, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung langfristig zu sichern. Die Vereinbarung umfasste bereits den Abbau Tausender Stellen in Deutschland.

Der Sparkurs dürfte damit weitergehen. Bei Audi wird über zusätzliche Einsparungen verhandelt. Auch die Zukunft des Standorts Neckarsulm steht in der Debatte. Anfang Oktober zog das Unternehmen eine sogenannte Schlechtwetterklausel. Diese Regelung aus dem Jahr 2019 verpflichtet Geschäftsführung und Betriebsrat zu Gesprächen über Sparmaßnahmen, wenn sich zentrale wirtschaftliche Bedingungen deutlich verschlechtern.

Kritik an Döllners US-Auftritt

Neben den Geschäftszahlen beschäftigt Audi derzeit auch der Auftritt von Vorstandschef Gernot Döllner in den USA. Am Freitag kommt der Aufsichtsrat zu einer außerplanmäßigen Sitzung zusammen. Dabei dürfte auch Döllners Teilnahme an einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump Thema sein.

Hintergrund sind Gespräche über ein mögliches Audi-Werk im US-Bundesstaat Georgia. Trump stellte die Pläne bei einer Veranstaltung öffentlich vor und holte Döllner auf die Bühne. Der Audi-Chef dankte dem Präsidenten für dessen Unterstützung. Der Auftritt erfolgte kurz vor den US-Zwischenwahlen am 3. November und löste Kritik bis hin zu Rücktrittsforderungen aus.

Im Mittelpunkt der Kritik steht weniger die Fabrik selbst. Ein US-Werk gilt angesichts der Zollpolitik und des wichtigen amerikanischen Marktes als naheliegender Schritt. Umstritten ist vielmehr die politische Bühne, auf der Döllner auftrat. Kritiker werfen ihm vor, gegen interne Regeln verstoßen zu haben, die solche Auftritte ausschließen sollen. Döllner verteidigte sein Verhalten als Entscheidung im Unternehmensinteresse. Im Rahmen der Gespräche sei Audi gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem US-Präsidenten vorzustellen.

Belastung für den Volkswagen-Konzern

Die Probleme bei Audi fügen sich in eine schwierige Lage des Mutterkonzerns Volkswagen ein. Der Konzern hatte für das dritte Quartal einen Verlust nach Steuern von 5,82 Milliarden Euro gemeldet. Im Vorjahreszeitraum lag das Minus bei rund 1,07 Milliarden Euro. Besonders schwer wog eine Abschreibung von 6,4 Milliarden Euro auf Porsche.

Porsche leidet ebenfalls unter dem schwachen China-Geschäft und der US-Zollpolitik. Damit zeigen sich in mehreren Teilen des Konzerns ähnliche Probleme: sinkende Nachfrage in wichtigen Märkten, hoher Preisdruck, teure Umstellungen der Modellpalette und politische Risiken im Welthandel. Audi trifft diese Mischung nun besonders sichtbar.