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Wirtschaft · Künstliche Intelligenz

Anthropic strebt Börsendebüt mit Billionenbewertung an

Der KI-Entwickler Anthropic hat bei der SEC Unterlagen für einen Nasdaq-Gang eingereicht. Im Raum stehen sehr hohe Bewertungen, starkes Wachstum und Milliardenverluste.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Der geplante Börsengang von Anthropic verbindet hohe Erwartungen an KI mit erheblichen finanziellen Risiken.
Symbolbild: Der geplante Börsengang von Anthropic verbindet hohe Erwartungen an KI mit erheblichen finanziellen Risiken. KI-generiert

Der US-KI-Entwickler Anthropic bereitet einen Börsengang an der Nasdaq vor und hat dafür Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das Unternehmen aus San Francisco könnte bereits im November an die Börse gehen. In Branchenkreisen wird über eine Bewertung von bis zu 2 Billionen Dollar gesprochen. Gleichzeitig zeigt der Börsenprospekt ein sehr schnelles Umsatzwachstum, aber auch hohe Verluste und umfangreiche Warnungen vor Risiken durch Künstliche Intelligenz.

Börsendebüt an der Nasdaq geplant

Anthropic will seine Aktien am Nasdaq Global Select Market handeln lassen. Vorgesehen ist das Kürzel „ANT“. Die genaue Zahl der angebotenen Aktien und der angestrebte Ausgabepreis stehen noch nicht fest. Diese Angaben sollen in einem späteren Nachtrag folgen. Platziert werden sollen sowohl neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung als auch Anteile bisheriger Eigentümer.

Federführend begleiten Goldman Sachs und Morgan Stanley die Emission. Das Werben um Investoren soll in der Woche ab dem 9. November beginnen. Als möglicher Starttermin für den Handel gilt die Woche ab dem 16. November. Die Unterlagen für den Börsengang waren bereits im Juni vertraulich eingereicht worden.

Das mögliche Volumen sorgt für besondere Aufmerksamkeit. In Branchenkreisen heißt es, Anthropic wolle den bisherigen Rekordbörsengang von SpaceX erreichen oder sogar übertreffen. Der Raumfahrtkonzern war bei seinem Börsendebüt im Juni zunächst mit knapp 1,8 Billionen Dollar bewertet worden. Bei Anthropics letzter privater Finanzierungsrunde im Mai lag die Bewertung noch bei 965 Milliarden Dollar. Auf der Prognoseplattform Polymarket wird für den Börsengang bis Ende November eine hohe Wahrscheinlichkeit gehandelt; dort liegt die meistdiskutierte Bewertungsspanne zwischen 1,5 und 1,75 Billionen Dollar.

Starkes Wachstum, hohe Verluste

Mit dem 333 Seiten umfassenden Prospekt legt Anthropic erstmals detailliertere Geschäftszahlen vor. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 16,3 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte er bei 1,2 Milliarden Dollar gelegen. Für das Gesamtjahr 2025 nennt das Unternehmen Erlöse von 4,6 Milliarden Dollar.

Dem Wachstum stehen deutliche Verluste gegenüber. Im ersten Halbjahr 2026 belief sich der Nettofehlbetrag auf 80,7 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte das Minus bei 13 Milliarden Dollar gelegen. Ein erheblicher Teil des jüngsten Verlusts hängt mit Neubewertungen verschiedener Finanzinstrumente zusammen. Im operativen Geschäft lag der Verlust im ersten Halbjahr bei 693 Millionen Dollar.

Für das dritte Quartal nannte Anthropic Investoren zuletzt einen Umsatz von 16,8 Milliarden Dollar. Damit übertraf das Quartal allein den gesamten Umsatz des ersten Halbjahres. Bereinigt um bestimmte Sondereffekte habe das Ergebnis positiv ausgesehen. Das Unternehmen weist zugleich darauf hin, dass sich das Umsatzwachstum mit der Zeit abschwächen dürfte.

Teure Rechenkapazität und Kundenrisiken

Anthropic ist vor allem für den KI-Assistenten Claude bekannt und richtet sein Geschäftsmodell stark auf Unternehmenskunden aus. Zu den Wettbewerbern zählen OpenAI mit ChatGPT sowie große Technologiekonzerne wie Google und Microsoft. Gegründet wurde Anthropic 2021 von einer Gruppe ehemaliger OpenAI-Beschäftigter um Dario Amodei, der heute Vorstandschef ist. Auch Daniela Amodei gehört als Präsidentin zur Unternehmensführung.

Der Ausbau leistungsfähiger KI-Modelle verlangt enorme Rechenkapazität. Anthropic hat dafür langfristige und teure Zusagen gemacht. Mit Google und Amazon bestehen Vereinbarungen über jeweils mehr als 110 Milliarden Dollar, die bis in das kommende Jahrzehnt reichen. Diese Verträge kann Anthropic nicht einseitig beenden; Zahlungen fallen unabhängig davon an, wie stark die Kapazitäten tatsächlich genutzt werden.

Hinzu kommt eine Abhängigkeit von großen Kunden. Die fünf wichtigsten Abnehmer machten zuletzt ein Viertel des Umsatzes aus. Viele bedeutende Kunden haben keine langfristig bindenden Verträge abgeschlossen und könnten ihre Ausgaben für Anthropic-Produkte verringern oder stoppen.

KI-Risiken prägen den Prospekt

Breiten Raum nehmen im Börsenprospekt Sicherheitsfragen ein. Anthropic benennt unter anderem Missbrauchsgefahren, etwa bei Cyberangriffen oder biologischen Waffen, den möglichen Verlust menschlicher Kontrolle, autoritäre Anwendungen wie umfassende Überwachung sowie wirtschaftliche Verwerfungen. Das Unternehmen warnt auch vor Modellen, die unerwartetes Verhalten zeigen oder Inhalte erzeugen könnten, die als Manipulation, Täuschung oder Nötigung verstanden werden.

Sollten KI-Systeme von Anthropic schwere Schäden verursachen, drohen dem Unternehmen Klagen, Regulierung und Haftungsansprüche, die über Versicherungsschutz hinausgehen könnten. Die Debatte über sichere KI-Systeme hat zuletzt an Schärfe gewonnen. Eine Serie von Angriffen, bei denen KI-Agenten selbständig handelten, verstärkte die Bedenken. OpenAI plant seinen eigenen Börsengang nicht mehr für 2026; Vorstandschef Sam Altman verwies dabei auf die Sicherheitsdiskussion rund um KI-Modelle.