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Politik · Ukraine-Diplomatie

Ukraine unterstützt US-Gespräche trotz neuer Angriffe

Kiew spricht sich für dreiseitige Verhandlungen mit Russland und den USA aus. Zugleich treffen Raketen die ukrainische Hauptstadt, während Moskau Drohnenangriffe meldet.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Diplomatische Gespräche über den Ukraine-Krieg stehen neuen Angriffen gegenüber.
Symbolbild: Diplomatische Gespräche über den Ukraine-Krieg stehen neuen Angriffen gegenüber. KI-generiert

Die Ukraine unterstützt einen US-Vorschlag für Gespräche mit Russland und den Vereinigten Staaten auf Ebene von Unterhändlern. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte diese Haltung am Mittwoch. Zugleich hält der militärische Druck an: Am Donnerstagmorgen schlugen Raketen in Kiew ein, während die Ukraine Moskau mit Drohnen angriff. Parallel bereiten mehrere Staaten ein Außenministertreffen in Istanbul vor, bei dem auch ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs beraten werden soll.

Angriffe trotz Gesprächssignal

Die jüngsten Entwicklungen zeigen die Gleichzeitigkeit von Diplomatie und Eskalation. Während Kiew seine Bereitschaft zu einem dreiseitigen Format unter Einbeziehung der USA betont, setzen beide Seiten ihre Angriffe fort. In der ukrainischen Hauptstadt kam es am Donnerstagmorgen zu Raketeneinschlägen. Die Ukraine griff ihrerseits Ziele in Moskau mit Drohnen an.

Damit bleibt offen, ob der Vorschlag für Gespräche kurzfristig zu einer Entlastung führt. Selenskyj stellte die Unterstützung für das Format am Mittwoch heraus. Vorgesehen wären demnach Beratungen auf Unterhändlerebene zwischen der Ukraine, Russland und den USA. Ein solches Format würde die Vereinigten Staaten enger in mögliche Verhandlungen einbinden, ohne dass zunächst Staats- oder Regierungschefs direkt beteiligt wären.

Die Angriffe verdeutlichen zugleich, wie fragil jede Annäherung bleibt. Militärische Aktionen gegen Hauptstädte haben hohe politische Wirkung, selbst wenn sie nicht automatisch eine Änderung der Verhandlungslage bedeuten. Für die Menschen in Kiew bleibt der Krieg unmittelbar spürbar, während in Moskau die Drohnenangriffe ebenfalls zeigen, dass die ukrainische Seite militärischen Druck ausübt.

Istanbul als diplomatische Bühne

Am Freitag soll in Istanbul ein Außenministertreffen mehrerer Staaten stattfinden. Nach Angaben des türkischen Außenministeriums stehen dabei mehrere Konflikt- und Krisenthemen auf der Tagesordnung. Genannt werden die Palästina-Frage, die Lage in der Straße von Hormus, die Entwicklungen im Jemen sowie die Suche nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs.

Eingeladen sind die sogenannten E3-Staaten Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Für Deutschland wird Außenminister Johann Wadephul erwartet. Außerdem sollen die Türkei, Saudi-Arabien, Pakistan und Ägypten teilnehmen. Diese vier Staaten haben sich in diesem Jahr zur Gruppe R4 zusammengeschlossen.

Die Zusammensetzung des Treffens zeigt, dass es nicht allein um die Ukraine geht. Die Beratungen bündeln mehrere internationale Krisen, die jeweils eigene regionale Dynamiken haben. Zugleich erhält der Ukraine-Krieg in Istanbul einen Platz in einem breiteren außenpolitischen Format. Die Türkei tritt dabei als Gastgeber auf und bringt Staaten aus Europa, dem Nahen Osten und Südasien an einen Tisch.

US-Vorschlag im Zentrum

Der von Selenskyj unterstützte US-Vorschlag zielt auf ein dreiseitiges Gesprächsformat. Damit würden Washington, Kiew und Moskau gemeinsam an einem Tisch sitzen, zunächst auf Ebene von Beauftragten oder Unterhändlern. Für die Ukraine ist die Einbindung der USA sicherheitspolitisch zentral, weil Washington seit Beginn des russischen Angriffskriegs eine entscheidende Rolle bei Unterstützung und Vermittlungsversuchen spielt.

Welche konkreten Themen in einem solchen Unterhändlerformat zuerst behandelt würden, ist offen. Naheliegend ist, dass es um Bedingungen für weitere Gespräche, mögliche Schritte zur Eindämmung der Kämpfe und die politische Rahmung eines Prozesses gehen könnte. Entscheidend bleibt aber, ob Russland sich auf ein solches Format einlässt und ob die laufenden Angriffe reduziert werden.

Der Zeitpunkt ist auffällig: Während über Gesprächsformate gesprochen wird, setzen beide Kriegsparteien auf militärische Mittel. Diese Parallelität ist für den Krieg nicht neu, erschwert aber jede diplomatische Bewegung. Verhandlungen können vorbereitet werden, während die Front und die Angriffe weiterlaufen. Genau dieser Widerspruch prägt die aktuelle Lage.

Einordnung

Die Ereignisse verbinden zwei Ebenen: einerseits neue diplomatische Aktivität, andererseits fortgesetzte Angriffe auf symbolisch wichtige Ziele. Kiew signalisiert Bereitschaft zu einem US-gestützten Gesprächsformat. Istanbul wird am Freitag Schauplatz von Beratungen, bei denen der Ukraine-Krieg neben anderen internationalen Krisen auf der Agenda steht.

Für eine politische Bewegung reicht Gesprächsbereitschaft allein jedoch nicht aus. Solange Raketen und Drohnen weiter eingesetzt werden, bleibt der Abstand zwischen diplomatischen Signalen und militärischer Realität groß. Ob aus dem US-Vorschlag ein belastbarer Prozess entsteht, hängt nun davon ab, ob die beteiligten Seiten die Gespräche tatsächlich aufnehmen und welche Rolle die in Istanbul versammelten Staaten dabei spielen können.