Politik · Krieg in der Ukraine
Ukraine meldet 14 Tote nach Angriff auf Bahnhof in Dnipro
Bei einem russischen Drohnenangriff auf den Bahnhof der ukrainischen Großstadt Dnipro sind nach Angaben der Regionalbehörden mindestens 14 Menschen getötet worden. Der Gebietsgouverneur Olexander Hanscha teilte mit, dass zudem mindestens 13 bis 14 Menschen verletzt worden seien. Unter den Verletzten soll auch ein Kind sein. Die Opferzahl war zunächst niedriger angegeben und später nach oben korrigiert worden.
Drohne schlägt am Bahnsteig ein
Nach ukrainischen Angaben traf die Drohne einen Bahnsteig, an dem sich ein Nahverkehrszug und ein regulärer Passagierzug befanden. Die Verbindung führte demnach von Dnipro nach Saporischschja. Die ukrainische Eisenbahn erklärte, es habe sich um eine Drohne mit Düsenantrieb gehandelt. Am Bahnsteig warteten zu diesem Zeitpunkt Fahrgäste, obwohl zuvor eine erhöhte Gefahr gemeldet worden war.
Das ukrainische Militär erklärte, drei von vier angreifenden Drohnen seien abgefangen worden. Eine weitere Drohne habe den Bahnhof erreicht. Bürgermeister Borys Filatow sprach von einer Tragödie und betonte, der getroffene Zug sei zivil genutzt worden.
Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Angriff als „schrecklich“ und forderte die westlichen Partner erneut zu mehr Druck auf Russland auf. Sanktionen gegen Moskau dürften aus seiner Sicht nicht gelockert werden, solange der Krieg andauere. Selenskyj sprach sich außerdem für schärfere Strafmaßnahmen der Europäischen Union, der USA und der G7 aus.
Dnipro ist eine der größten Städte im Osten der Ukraine und liegt an einer wichtigen Verkehrsachse. Bahnhöfe und Züge sind für die Ukraine seit Beginn der russischen Invasion von großer Bedeutung, weil sie der Versorgung, Evakuierung und dem zivilen Verkehr dienen.
Weitere Angriffe in mehreren Regionen
Neben Dnipro meldeten ukrainische Behörden weitere russische Angriffe mit Toten und Verletzten. In Krementschuk im Gebiet Poltawa kamen nach Angaben des Militärverwaltungschefs Witalij Djakiwnytsch drei Menschen ums Leben. Elf weitere seien in Krankenhäuser gebracht worden. Eine Drohne sei in ein mehrstöckiges Wohnhaus eingeschlagen.
Auch im Gebiet Saporischschja wurde ein Todesopfer gemeldet. Im Dorf Bilenke sei ein Mann bei einem russischen Angriff getötet worden, erklärte Militärgouverneur Mychajlo Semikin. Drei weitere Männer seien verletzt worden.
In Tschernihiw im Norden der Ukraine wurden nach Angaben der regionalen Militärverwaltung zwei 15 Jahre alte Mädchen getötet. Elf Menschen seien dort verletzt worden. Die Behörden machten einen Marschflugkörper des Typs „Banderol“ für den Einschlag verantwortlich. In der Stadt brachen demnach Feuer aus; Geschäfte und Fahrzeuge wurden beschädigt.
Die Ukraine meldete zudem mehr als 100 russische Drohnen, die in der Nacht auf ukrainisches Gebiet abgefeuert worden seien. Russland wiederum erklärte, die eigene Luftabwehr habe in derselben Nacht mehr als 1.200 ukrainische Drohnen abgefangen. Allein in der Region Moskau seien Hunderte Drohnen registriert worden. An mehreren Flughäfen rund um die russische Hauptstadt kam es zu Einschränkungen.
Waffenruhe in Oleschky hält an
Während die Angriffe andernorts weitergingen, hielt in der von Russland kontrollierten Frontstadt Oleschky im Gebiet Cherson eine lokale Feuerpause an. Dort arbeiten Vertreter beider Seiten an einem humanitären Korridor. Ziel ist es, Minen zu räumen und den verbliebenen Einwohnerinnen und Einwohnern Hilfe oder eine Ausreise zu ermöglichen.
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez erklärte, die Vorbereitungen für Hilfslieferungen liefen. Auch die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa berichtete von anhaltender Waffenruhe. In Oleschky sollen Schätzungen zufolge noch etwa 1.500 bis 2.000 Menschen leben, darunter Dutzende Kinder. Vor dem Krieg hatte die Stadt rund 24.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Russlands Präsident Wladimir Putin machte die Ukraine für die Lage in Oleschky verantwortlich. Er warf Kiew vor, Zugänge vermint und dadurch eine humanitäre Krise verursacht zu haben. Die Ukraine weist russische Darstellungen zur Verantwortung für die Folgen des Krieges regelmäßig zurück.
Zivilbevölkerung stark betroffen
Der Angriff auf Dnipro reiht sich in eine Phase intensiver russischer Luftangriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur ein. Nach UN-Angaben wurden von Juli bis September 8.330 Zivilistinnen und Zivilisten in der Ukraine getötet oder verletzt. Das waren nahezu doppelt so viele wie im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.
Seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion am 24. Februar 2022 wurden nach diesen Angaben mindestens 73.451 ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten getötet oder verletzt. Die Zahlen zeigen, wie stark der Krieg weiterhin Menschen außerhalb unmittelbarer Kampfhandlungen trifft.