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Stündlich aktualisiert

Politik · US-Zwischenwahlen

Trumps Mehrheit wackelt vor den Midterms

Die USA wählen am Dienstag große Teile des Kongresses neu. Für Präsident Donald Trump geht es um Mehrheiten, für die Demokraten auch um ihre Richtung.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Wahllokal in den USA vor wichtigen Kongresswahlen.
Symbolbild: Ein Wahllokal in den USA vor wichtigen Kongresswahlen. KI-generiert

In den USA stimmen Wählerinnen und Wähler am Dienstag über die Machtverhältnisse in Washington ab. Neu vergeben werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Mandate im Senat. Für Präsident Donald Trump steht auf dem Spiel, ob seine Republikaner den Kongress weiter kontrollieren. Zugleich rücken umstrittene Wahlkreiszuschnitte, besonders enge Rennen und innerparteiliche Konflikte bei den Demokraten in den Mittelpunkt.

Knappe Mehrheiten im Kongress

Im Repräsentantenhaus ist der Vorsprung der Republikaner sehr schmal. Sie halten derzeit 218 Sitze, die Demokraten kommen auf 214. Zwei Mandate sind vakant, ein Abgeordneter ist nach seinem Austritt aus der republikanischen Fraktion parteilos. Umfragen und Wahlanalysen sehen für die Demokraten Chancen, die Kammer zu übernehmen.

Im Senat ist die Ausgangslage für die Opposition schwieriger. Die Republikaner verfügen dort über 53 Sitze. Die Demokraten halten 45 Mandate und können mit zwei parteilosen Senatoren rechnen. Bei den Midterms werden 22 republikanische und 13 demokratische Sitze neu bestimmt. Damit Trumps Partei ihre Mehrheit verliert, müssten die Demokraten den Republikanern netto vier Sitze abnehmen. Kommt es zu einem Patt, kann Vizepräsident JD Vance bei Abstimmungen zugunsten der Republikaner entscheiden.

Besonders aufmerksam werden mehrere Senatsrennen verfolgt. In Michigan tritt der Demokrat Abdul El-Sayed gegen den Republikaner Mike Rogers an. El-Sayed war Leiter einer Gesundheitsbehörde, setzt auf eine staatliche Krankenversicherung für alle und könnte bei einem Sieg der erste muslimische Senator der USA werden. Michigan gilt als politisch umkämpfter Bundesstaat, weshalb das Ergebnis auch als Test für den linken Flügel der Demokraten gilt.

Umkämpfte Rennen und Streit um Einfluss

In Texas wollen die Demokraten erstmals seit fast 40 Jahren wieder ein Senatsrennen gewinnen. Ihr Kandidat James Talarico tritt gegen den republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton an. Talarico, ein früherer Lehrer und angehender presbyterianischer Pfarrer, verbindet seinen Glauben mit progressiven Forderungen. Im Wahlkampf verspricht er höhere Löhne und ein Vorgehen gegen Unternehmen, die Preise treiben. Beim Schwangerschaftsabbruch spricht er sich für einen legalen Zugang aus.

Auch Alaska steht im Fokus. Dort tritt neben dem republikanischen Amtsinhaber Dan S. Sullivan und der Demokratin Mary Peltola ein weiterer Kandidat mit fast identischem Namen an: Dan J. Sullivan. Republikaner werfen den Demokraten vor, auf Verwechslungen zu setzen. Die Trump-Regierung griff die Sorge vor Stimmverlusten ebenfalls auf. Eine Klage zu dem Rennen wurde inzwischen abgewiesen.

Ein weiterer Faktor ist die Neuzeichnung von Wahlkreisen. In Kalifornien, Texas, North Carolina, Ohio und New York wurden Grenzen verändert. Solche Zuschnitte können die Zusammensetzung der Wählerschaft in einzelnen Wahlkreisen verschieben. Da in den USA meist die relative Mehrheit genügt, können wenige Linien über Mandate entscheiden.

Demokraten ohne gemeinsame Linie

Für die Demokraten sind die Midterms nicht nur ein Kampf um Sitze. Die Partei sucht nach der Niederlage bei der Präsidentenwahl weiter nach Orientierung und möglichen Figuren für 2028. Ein einheitliches Programm für diese Kongresswahl gibt es nicht. Kandidierende bauen eigene Unterstützernetzwerke auf und setzen je nach Bundesstaat unterschiedliche Akzente.

Das zeigt sich besonders in der Gesundheits- und Sozialpolitik. El-Sayed wirbt in Michigan für eine umfassende staatliche Krankenversicherung. Andere Demokraten bevorzugen vorsichtigere Reformen des bestehenden Systems. In Texas versucht Talarico, christliche Sprache mit linker Wirtschafts- und Sozialpolitik zu verbinden. Gemeinsam ist vielen Kandidierenden vor allem die Ablehnung Trumps und das Versprechen, den Alltag für Bürgerinnen und Bürger bezahlbarer zu machen.

Auch Gouverneurswahlen können die politische Landkarte verändern. Wenn die Demokraten mindestens zwei Gouverneursposten hinzugewinnen, würden sie erstmals seit 2010 wieder mehr Bundesstaatenchefs stellen als die Republikaner. In Ohio tritt die Demokratin Amy Acton gegen den Republikaner Vivek Ramaswamy an. In Wisconsin kämpft der gemäßigte Demokrat David Crowley gegen den Republikaner Tom Tiffany.

Ergebnisse können Tage dauern

Viele Stimmen sind bereits abgegeben. Bis Sonntagnachmittag Ortszeit registrierte das Election Lab der University of Florida gut 54 Millionen vorzeitige Stimmabgaben. Am Dienstag öffnen die Wahllokale je nach Bundesstaat morgens und schließen zwischen 18.00 und 21.00 Uhr Ortszeit.

Die Auszählung kann sich verschieben, weil viele Staaten Briefwahlunterlagen erst nach den Stimmen aus den Wahllokalen verarbeiten. Erste belastbare Tendenzen werden in der Nacht zum Mittwoch mitteleuropäischer Zeit erwartet. Bei engen Rennen kann es mehrere Tage dauern, bis Sieger feststehen. Amtlich bestätigt werden die Resultate später durch lokale Wahlbehörden oder die zuständigen Stellen der Bundesstaaten. Der neue Kongress tritt am 3. Januar 2027 zusammen.