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Politik · Digitale Politik

Trump will Begriff KI aus US-Dokumenten verbannen

US-Präsident Donald Trump will die Bezeichnung AI/Artificial Intelligence offiziell untersagen. Sicherheitsberichte zeigen zugleich Risiken digitaler Werbenetze.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Digitale Technologien und politische Kommunikation geraten stärker in den Fokus der Regulierung.
Symbolbild: Digitale Technologien und politische Kommunikation geraten stärker in den Fokus der Regulierung. KI-generiert

US-Präsident Donald Trump will den etablierten englischen Begriff für Künstliche Intelligenz aus offiziellen Unterlagen der US-Regierung drängen. Statt „AI“ oder „Artificial Intelligence“ soll nach seinem Willen künftig „Superintelligenz“ verwendet werden. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der digitale Technologien politisch stärker umkämpft sind und Sicherheitsforschende zugleich auf Missbrauchsmöglichkeiten personalisierter Online-Werbung hinweisen.

Trump setzt auf „Superintelligenz“

Trump kündigte auf seiner Plattform Truth Social an, die Nutzung der Bezeichnungen „AI“ und „Artificial Intelligence“ solle demnächst in maßgeblichen Dokumenten und darüber hinaus offiziell untersagt werden. Er treibt damit eine sprachpolitische Auseinandersetzung voran, die er seit Wochen führt.

Nach seiner Darstellung lasse der bisherige Begriff die Technologie „fake“ wirken. Trump hatte bereits zuvor erklärt, das Weiße Haus werde Personen, die weiter von KI sprechen, als Gegner betrachten. Mehrere Führungskräfte aus Technologieunternehmen haben öffentlich schon die von ihm bevorzugte Bezeichnung übernommen.

Der Streit ist mehr als eine Frage der Wortwahl. Wenn eine Regierung Begriffe in amtlichen Dokumenten ändert, kann das Folgen für Regulierung, Förderprogramme, Verwaltungsvorgaben und öffentliche Kommunikation haben. Gerade bei digitalen Technologien entscheidet Sprache mit darüber, welche Risiken benannt und welche politischen Ziele hervorgehoben werden.

Werbenetze als Einfallstor

Parallel zu dieser Debatte haben Untersuchungen von Sicherheitsforschenden gezeigt, wie Infrastruktur für personalisierte Online-Werbung zweckentfremdet werden kann. Das Citizen Lab der Universität Toronto machte Mitte Oktober auf Fälle aufmerksam, in denen Werbetechnik systematisch für Angriffe mit Spionagesoftware genutzt worden sein soll. Als Verbindung zwischen Werbeindustrie und Anbietern solcher Überwachungswerkzeuge nannte das Institut das israelische Unternehmen Discover-Tech.

Eine weitere Auswertung von TrendAI beschreibt auffällige Aktivitäten eines Akteurs mit der Bezeichnung „Shadow-Earth-79“. Dieser soll in 49 Ländern der größte Käufer von Online-Werbeflächen insgesamt gewesen sein. In Ungarn und Israel lag der Anteil laut TrendAI sogar bei mehr als 90 Prozent. In Ägypten, Aserbaidschan, Venezuela und Katar wurden Werte zwischen 61 und 78 Prozent festgestellt.

Besonders auffällig ist der Fokus auf Starlink-Anschlüsse. Im Beobachtungszeitraum von 90 Tagen entfielen 12,9 Prozent der über Starlink ausgespielten Werbung auf „Shadow-Earth-79“. Der größte Käufer in diesem Segment kam auf mehr als 38 Prozent. Über einen längeren Zeitraum von Juni 2024 bis Juni 2026 soll „Shadow-Earth-79“ in 105 Ländern der führende Käufer von Werbung für Starlink-Nutzende gewesen sein. In Deutschland lag der Anteil demnach bei fast einem Drittel.

Daten aus Auktionen

Bei der Versteigerung digitaler Werbeplätze fallen zahlreiche technische Informationen an. Dazu gehören Standortdaten, IP-Adresse, Netzkennungen, Gerätetyp und Bildschirmauflösung. Werden solche Angaben mit Werbe-IDs, Klickverfolgung und Bewegungsdaten kombiniert, können detaillierte Nutzerprofile entstehen.

TrendAI beschreibt außerdem Funktionen in gesammelten Skripten, die mit Überwachungs- und Datensammelwerkzeugen vereinbar seien. Dazu zählen Möglichkeiten zur manuellen Einschleusung von Skriptbestandteilen und zur Aufhebung von Anonymität. In mehreren Ländern stellte TrendAI zudem eine Ausrichtung auf Regierungsdienste fest, deren Geräte über Starlink online gingen.

Damit rückt nicht nur der Inhalt digitaler Kommunikation in den Blick, sondern auch die technische Infrastruktur dahinter. Wer Werbung zielgenau einkauft, kann bestimmte Nutzergruppen erreichen oder Daten über sie sammeln. Das ist für Sicherheitsbehörden, Regulierer und politische Entscheidungsträger von Bedeutung.

Regulierung rückt näher

Die beiden Entwicklungen zeigen unterschiedliche Seiten derselben Debatte. Auf der einen Seite steht der Versuch, den politischen Rahmen für KI sprachlich neu zu setzen. Auf der anderen Seite wachsen die Hinweise, dass bestehende digitale Systeme für Überwachung und gezielte Ansprache missbraucht werden können.

Für Demokratien ist diese Kombination heikel. Offizielle Begriffe prägen Regeln und Zuständigkeiten. Werbenetze wiederum liefern technische Wege, um Menschen sehr präzise zu identifizieren, einzuordnen und anzusprechen. Deshalb dürfte die politische Auseinandersetzung über KI, Datenzugriff und Plattforminfrastruktur weiter an Bedeutung gewinnen.