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Stündlich aktualisiert

Politik · US-Wahlkampf

Trump verschärft Ton vor den Kongresswahlen

Donald Trump attackiert Norwegen wegen des Friedensnobelpreises und macht Einwanderung zum Wahlkampfthema. Umfragen zeigen zugleich wachsende Probleme für die Republikaner.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Wahlkampfauftritt in den USA vor den Kongresswahlen.
Symbolbild: Ein Wahlkampfauftritt in den USA vor den Kongresswahlen. KI-generiert

US-Präsident Donald Trump geht kurz vor den Kongresswahlen mit schärferen Angriffen in den Wahlkampf. Bei einem Auftritt in Port Huron im Bundesstaat Michigan beschimpfte er Norwegen wegen des Friedensnobelpreises und verband die Kritik mit Aussagen zur Einwanderung. Zugleich zeigen Erhebungen des Pew Research Centers deutliche Schwächen für die Republikaner: Trumps Zustimmung ist seit Beginn seiner zweiten Amtszeit stark gefallen, und frühere Unterstützergruppen wenden sich teilweise ab.

Angriff auf Norwegen

Trump reagierte in Michigan erneut verärgert darauf, dass er den Friedensnobelpreis nicht erhalten hat. Norwegen nannte er in diesem Zusammenhang ein „shit house country“. Außerdem sagte er, er wolle wegen der ausgebliebenen Auszeichnung keine Menschen aus Norwegen in den USA willkommen heißen. Hinweise auf eine tatsächliche Änderung der Einwanderungspolitik gibt es bisher nicht.

In derselben Rede sprach Trump über Unruhen in Frankreich und stellte einen Zusammenhang zur Migration her. Er erklärte, die USA sollten Einwanderer nur aus ausgewählten Ländern aufnehmen. Der Angriff auf Norwegen reiht sich in frühere abwertende Äußerungen Trumps über andere Staaten ein. Ähnliche Formulierungen hatte er bereits für Haiti, Libyen, Somalia und den Jemen verwendet.

Trump hatte die Entscheidung gegen ihn bereits Anfang Oktober als schweren Makel für Norwegen bezeichnet. Die Mitglieder des norwegischen Nobelkomitees werden vom Parlament bestimmt, entscheiden über die Vergabe des Preises aber unabhängig. In diesem Jahr erhielt die südafrikanische Juristin und Menschenrechtlerin Navanethem „Navi“ Pillay den Friedensnobelpreis. Sie wurde für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht geehrt.

Umfragen belasten Republikaner

Parallel zu Trumps verschärfter Rhetorik verschlechtert sich die Lage seiner Partei in den Umfragen. Das Pew Research Center hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Februar 2025 noch 47 Prozent Zustimmung für Trump gemessen. Im Oktober 2026 liegt dieser Wert nur noch bei 30 Prozent.

Auch die Werte für die Kongresswahlen sind für die Republikaner schwierig. Nach der jüngsten Erhebung wollen 36 Prozent der Befragten bei der Wahl zum Repräsentantenhaus republikanische Kandidaten unterstützen. 44 Prozent nennen demokratische Kandidaten. 15 Prozent sind noch unentschieden, fünf Prozent tendieren zu unabhängigen oder anderen Bewerberinnen und Bewerbern.

Auffällig ist dabei die Rolle Trumps selbst. Nur 19 Prozent der Befragten verstehen ihre Wahlentscheidung als Unterstützung für ihn. 44 Prozent sehen ihre Stimme ausdrücklich als Votum gegen den Präsidenten. Unter Menschen mit demokratischer Wahlabsicht ist die Ablehnung besonders stark: 84 Prozent von ihnen verbinden ihre Entscheidung mit einem Nein zu Trump.

Verluste bei neuen Wählergruppen

Trumps Wahlsieg 2024 beruhte nicht nur auf der Mobilisierung klassischer republikanischer Milieus. Er konnte damals auch in Gruppen zulegen, die traditionell eher demokratisch wählen. Dazu gehörten Latinos, in kleinerem Umfang Schwarze sowie junge Männer unterschiedlicher Herkunft. Er gewann 2024 zudem die Mehrheit der abgegebenen Stimmen: 77,3 Millionen Stimmen entfielen auf ihn, 75 Millionen auf Kamala Harris.

Gerade in diesen hinzugewonnenen Wählergruppen ist die Enttäuschung nun besonders sichtbar. Bei Latinos hatte Trump seinen Rückstand über mehrere Wahlen hinweg stark verkleinert. 2016 lag Hillary Clinton in dieser Gruppe 38 Prozentpunkte vor ihm, 2020 hatte Joe Biden noch 25 Punkte Vorsprung. 2024 schrumpfte der Abstand auf drei Punkte. Aktuell wollen jedoch nur noch 24 Prozent der Latinos im November republikanisch wählen.

Für diese Gruppe spielten 2024 wirtschaftliche Themen, Inflation und Migration eine wichtige Rolle. Viele hofften auf Entlastung bei Preisen und Lebenshaltungskosten. Nun belasten weiter gestiegene Preise und schmalere Haushaltsbudgets Trumps Rückhalt. Auch bei jüngeren Wählerinnen und Wählern hatte er 2024 Boden gutgemacht, vor allem unter jungen Männern. Die aktuellen Werte deuten jedoch auf erneute Distanz hin.

Zwischenwahl als Stimmungstest

Die Kongresswahlen werden damit zu einem zentralen Test für Trumps zweite Amtszeit. Für die Republikaner geht es um die Mehrheit im Repräsentantenhaus und möglicherweise auch um die Kräfteverhältnisse im Senat. Trump versucht, die Wahl eng mit seiner Person zu verknüpfen, obwohl er selbst nicht auf dem Stimmzettel steht.

Diese Strategie kann seine Anhängerschaft mobilisieren, birgt aber zugleich Risiken. Die Umfragen zeigen eine starke Gegenmobilisierung gegen den Präsidenten. Seine Angriffe auf Norwegen und die harte Sprache in der Migrationsdebatte schärfen zwar sein Profil im Wahlkampf. Ob sie über die eigene Basis hinaus Stimmen bringen, ist angesichts der aktuellen Zahlen ungewiss.