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Stündlich aktualisiert

Politik · US-Zwischenwahlen

Trump verschärft den Ton im Midterm-Wahlkampf

Vor den US-Zwischenwahlen am 3. November häufen sich harte Angriffe, Skandale und enge Senatsrennen. Donald Trump setzt auf Konfrontation.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leerer Wahlkampfauftritt in den USA mit Absperrungen und angespannter Atmosphäre.
Symbolbild: Ein leerer Wahlkampfauftritt in den USA mit Absperrungen und angespannter Atmosphäre. KI-generiert

Donald Trump treibt den Wahlkampf vor den US-Zwischenwahlen weiter in Richtung Konfrontation. Bei einem Auftritt in South Carolina kam es zu Tumulten, als ein Zuschauer Störer angriff; Trump begrüßte die Gewalt gegen die Unterbrecher. Zugleich unterstützt der US-Präsident mehrere umstrittene republikanische Bewerber und attackiert politische Gegner scharf. In mehreren Senatsrennen entscheiden knappe Umfragen darüber, welche Partei künftig in Washington mehr Spielraum bekommt.

Tumulte bei Wahlkampfauftritt

Der Vorfall in South Carolina passt zu einem ohnehin aufgeheizten Wahlkampf. In Videoaufnahmen des Auftritts sind unruhige Szenen zu sehen, nachdem ein Zuschauer gegen Störer vorging. Trump stellte die Attacke nicht als Warnsignal dar, sondern als Anlass für Zustimmung. Damit verschärft er einen Ton, der schon seit Wochen von persönlichen Angriffen, harten Werbespots und hohen Ausgaben geprägt ist.

Am 3. November wählen die USA unter anderem neue Mitglieder des Kongresses. Besonders die Rennen um Sitze im Senat stehen im Mittelpunkt. In mehreren Bundesstaaten liegen Kandidatinnen und Kandidaten nahezu gleichauf. Parteien und Unterstützergruppen investieren deshalb Dutzende Millionen Dollar, um Gegner zu schwächen und die eigene Basis zu mobilisieren.

Umstrittene Republikaner unter Druck

In Texas zählt Ken Paxton zu den auffälligsten Kandidaten der Republikaner. Der 63 Jahre alte Generalstaatsanwalt will den Bundesstaat künftig im US-Senat vertreten und wird von Trump unterstützt. In Umfragen liegt er derzeit knapp hinter dem Demokraten James Talarico.

Paxton ist seit Jahren mit Vorwürfen konfrontiert. Dazu gehören eine Betrugsklage aus seiner Zeit als Abgeordneter, der Vorwurf eines Diebstahls eines rund 1.000 Dollar teuren Kugelschreibers sowie Anschuldigungen früherer Mitarbeiter. Diese warfen ihm Bestechlichkeit und Einschüchterung vor und wandten sich an die Bundespolizei FBI. 2023 führte das zu einem Amtsenthebungsverfahren in Texas. Eine Untersuchungskommission des Parlaments kam zu dem Schluss, Paxton habe Beschäftigte unter Druck gesetzt, um einem Freund und Geldgeber zu helfen.

Auch Paxtons Privatleben spielt im Wahlkampf eine Rolle. Seine Ehefrau reichte 2025 die Scheidung ein. Zudem stößt seine Haltung zum Abtreibungsrecht auf Kritik. Nach der Entscheidung des Obersten Gerichts, das landesweite Recht auf Schwangerschaftsabbruch zu beenden, gewährte Paxton seinen Beschäftigten einen freien Tag.

Für Paxton könnten lateinamerikanisch geprägte Wählergruppen entscheidend werden. Seine harte Linie in der Einwanderungspolitik und seine Behauptungen über Latino-Organisationen belasten ihn dort. Sollte Talarico gewinnen, wäre er der erste demokratische Senator aus Texas seit mehr als drei Jahrzehnten.

Enge Rennen in Kansas und Michigan

Auch in Kansas steht ein Republikaner unter Druck. Roger Marshall, Gynäkologe und amtierender Senator, muss seinen Sitz gegen den demokratischen Pastor Adam Hamilton verteidigen. Der Bundesstaat gilt traditionell als schwierig für Demokraten; seit 1932 hat dort kein Demokrat mehr einen Senatssitz gewonnen. Dennoch liegt Marshall derzeit nur etwa gleichauf mit Hamilton.

Marshall wird von Vorwürfen aus seiner früheren Tätigkeit als Arzt eingeholt. Patientinnen berichteten, er habe bei jährlichen Ratenzahlungen hohe Zinsen verlangt. Medienberichten zufolge verklagte er zahlreiche Patientinnen, die Rechnungen nicht begleichen konnten. Teilweise seien Konten gepfändet worden, in mehreren Fällen kam es demnach zu Festnahmen wegen Zahlungsrückständen. Demokraten nutzen diese Vorwürfe in Wahlwerbung gegen ihn. Hinzu kommt Unmut über höhere Treibstoffpreise und die Folgen von Trumps Zollpolitik für Landwirte.

In Michigan richtet sich Trumps Angriff besonders gegen Abdul El-Sayed. Der Demokrat ist Epidemiologe, Muslim und politisch progressiv. Trump bezeichnete ihn mehrfach als Dschihadisten. Sein republikanischer Gegner Mike Rogers griff eine ähnliche Linie auf und deutete in einer Fernsehdebatte an, Angehörige El-Sayeds stünden unter Beobachtung staatlicher Stellen.

Trotz breiter Zustimmung für El-Sayeds Forderung nach medizinischer Grundversorgung bleibt das Rennen knapp. Die Ausgaben werden auf etwa 250 Millionen Dollar geschätzt. Damit zählt Michigan zu den teuersten Senatswahlkämpfen des Jahres.

Wahlkampf als Belastungstest

Auch bei den Demokraten gibt es belastete Kandidaturen. In Alaska tritt Mary Peltola für einen Sitz im Senat an. Frühere Mitarbeiter werfen ihr vor, einen Beschäftigten geschubst und andere beleidigt zu haben. Ihr Wahlkampfteam wies die Vorwürfe nur teilweise zurück und verwies auf hohen persönlichen und beruflichen Druck nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes.

Die Zwischenwahlen werden damit nicht nur zu einer Abstimmung über politische Programme. Sie zeigen auch, wie stark persönliche Skandale, aggressive Rhetorik und negative Kampagnen die US-Politik prägen. Trump setzt dabei sichtbar auf Zuspitzung: mit Unterstützung für umstrittene Verbündete, scharfen Angriffen auf Gegner und öffentlicher Zustimmung zu einem gewaltsamen Zwischenfall im Wahlkampf.