Politik · Ukraine-Diplomatie
Trump stellt baldigen Ukraine-Gipfel in Aussicht
US-Präsident Donald Trump hat ein baldiges Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj in Aussicht gestellt. Vor Journalisten sprach Trump von einem Termin „sehr bald“ und erklärte, er sehe Chancen auf „große Fortschritte“ bei den Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs. Einen Ort oder ein konkretes Datum nannte er nicht.
Gespräche in Abu Dhabi als Vorstufe
Der angekündigte Gipfel würde in eine Phase neuer diplomatischer Bewegung fallen. Der Kreml hatte zuletzt direkte Gespräche zwischen russischen und ukrainischen Unterhändlern unter Vermittlung der USA für die erste Novemberhälfte in Abu Dhabi angekündigt. Selenskyj bestätigte die Pläne am Freitag und rief dazu auf, gemeinsam mit den USA, Europa und weiteren Partnern auf die tatsächliche Durchführung der Treffen hinzuarbeiten.
Zuletzt hatten Russland, die Ukraine und die USA im Februar miteinander verhandelt, ohne einen Durchbruch zu erzielen. Nach ukrainischen Angaben sollen in Abu Dhabi mehrere konkrete Punkte besprochen werden. Dazu gehört eine mögliche Feuerpause bei Angriffen auf Energieanlagen beider Seiten. Außerdem soll ausgelotet werden, ob es eine Waffenruhe im Schwarzen Meer geben kann, um dort die Schifffahrt wieder sicherer zu machen.
Selenskyj verbindet mit diesen Gesprächen die Hoffnung, Voraussetzungen für ein späteres Treffen auf Präsidentenebene zu schaffen. Aus seiner Sicht können zentrale Hindernisse auf dem Weg zu einem Frieden nur direkt zwischen ihm, Trump und Putin ausgeräumt werden. Putin hatte ein persönliches Treffen mit Selenskyj bislang abgelehnt. Zugleich erklärte der Kremlchef, Russland sei bereit, die von den USA vermittelten Gespräche im kommenden Monat wieder aufzunehmen. Er verlangt Sicherheitsgarantien für beide Staaten sowie eine umfassendere Sicherheitsordnung für Europa.
Krieg geht trotz Diplomatie weiter
Parallel zu den neuen Gesprächssignalen setzt Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Selenskyj erklärte, Moskau habe innerhalb von zwei Wochen mehr als 100 ballistische Raketen auf Kiew und das Umland abgefeuert. Er beklagte erneut deutliche Verzögerungen bei westlichen Flugabwehrlieferungen. Besonders dringend benötige die Ukraine weitere Munition für Patriot-Systeme, die gegen ballistische Raketen eine wichtige Rolle spielen.
In Kiew wurde nach Angaben der dortigen Behörden bei jüngsten russischen Angriffen eine Frau getötet, mehr als ein Dutzend Menschen wurden verletzt. Die strategisch wichtige Südbrücke über den Dnipro wurde nach einem Raketenangriff geschlossen. Auch ein Universitätsgelände war betroffen; unter den Verletzten waren nach ukrainischen Angaben Studierende und Beschäftigte der Hochschule.
In Charkiw meldeten die Behörden nach einem russischen Drohnenangriff fünf Verletzte, darunter ein vierjähriges Kind. Die Stadt im Nordosten der Ukraine liegt nahe der Front und wird immer wieder mit Drohnen, Artillerie und Raketen angegriffen.
Lokale Feuerpause in Oleschky
Ein begrenzter humanitärer Schritt läuft derzeit in der russisch besetzten Stadt Oleschky im Süden der Ukraine. Dort gilt eine mehrtägige Waffenruhe, damit Lebensmittel und Medikamente zu den Bewohnerinnen und Bewohnern gelangen können. Zudem soll ein Korridor entstehen, über den Menschen die Region in Richtung ukrainisch kontrollierter Gebiete oder nach Russland verlassen können.
Die Stadt gilt als stark vermint. Nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms wurden viele Minen durch die Fluten verlagert, was Räumarbeiten erschwert. In Oleschky sollen noch etwa 1.500 bis 2.000 Menschen leben, darunter Dutzende Kinder. Einschließlich umliegender Orte könnten bis zu 6.000 Menschen auf Hilfe angewiesen sein.
Die Feuerpause geht auf eine Initiative des Weißen Hauses zurück. Melania Trump hatte nach US-Angaben zwischen Moskau und Kiew für eine lokale Einstellung der Kämpfe vermittelt. Auch Papst Leo XIV. hatte Putin in einem Telefonat um Unterstützung für die Menschen in Oleschky gebeten. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sieht in einem Gelingen der Aktion eine mögliche vertrauensbildende Maßnahme für weitere Schritte.
Europäer pochen auf Beteiligung
In Europa wächst zugleich der Druck, bei möglichen Friedensverhandlungen nicht an den Rand gedrängt zu werden. Bundeskanzler Friedrich Merz mahnte, die Ukraine dürfe nicht Objekt von Absprachen zwischen Großmächten werden. Sobald es um Sicherheitsgarantien nach einem Waffenstillstand oder einem Kriegsende gehe, seien die europäischen Staaten unmittelbar betroffen.
Auch die Gespräche Finnlands und Norwegens mit Putin zeigen, wie schwierig ein gemeinsames europäisches Vorgehen bleibt. Die Initiative war nicht mit allen Partnern abgestimmt und stieß auf Kritik. Zugleich wurde deutlich, dass viele europäische Regierungen eigene Kanäle nach Moskau und eine klarere Rolle in künftigen Verhandlungen suchen.
Der Krieg dauert seit mehr als viereinhalb Jahren an. Frühere Gesprächsrunden brachten keine tragfähige Lösung. Ob die nun angekündigten Treffen über einzelne humanitäre Schritte hinausführen, hängt vor allem davon ab, ob Russland und die Ukraine zu verbindlichen Zugeständnissen bereit sind und welche Sicherheitsgarantien die USA und Europa unterstützen.