Politik · Krieg in der Ukraine
Tote nach Angriff bei Saporischschja steigen weiter
Die Zahl der Todesopfer nach einem russischen Luftangriff auf Komyschuwacha in der Region Saporischschja ist weiter gestiegen. Ukrainische Stellen nannten zuletzt mindestens 26 Tote, nach weiteren Angaben aus der Gebietsverwaltung waren es 29. Fünf Menschen wurden verletzt. Die Angaben zu Vermissten reichen von 27 bis 48 Personen. Auch in Charkiw trafen russische Angriffe ein Krankenhaus: Mehr als 60 Menschen wurden verletzt, 226 Patientinnen und Patienten mussten verlegt werden.
Angriff bei Hilfsausgabe
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, der Angriff in Komyschuwacha habe eine Schule getroffen, die für humanitäre Hilfe genutzt worden sei. Dort seien Einwohnerinnen und Einwohner versorgt worden. Selenskyj warf Russland vor, den Ort bewusst angegriffen zu haben. Die Siedlung sei mehrfach bombardiert worden; insgesamt sollen mehr als zehn Bomben abgeworfen worden sein.
Komyschuwacha liegt etwa 25 Kilometer östlich der Stadt Saporischschja und nur gut ein Dutzend Kilometer von der Front entfernt. Die Region wird seit Monaten immer wieder aus der Luft angegriffen. Rettungskräfte suchten nach dem jüngsten Angriff weiter in den Trümmern nach möglichen weiteren Opfern.
Selenskyj warnte zugleich vor weiteren schweren Angriffen in den kommenden Tagen. Er verwies auf ukrainische Geheimdiensterkenntnisse und sagte, Russland könne die internationale Aufmerksamkeit für die US-Kongresswahlen ausnutzen. Die Ukraine habe weiter Probleme bei der Luftverteidigung, insbesondere bei Patriot-Raketen.
Krankenhaus in Charkiw getroffen
In Charkiw im Nordosten der Ukraine wurden nach Angaben der regionalen Behörden bei einem russischen Angriff auf eine medizinische Einrichtung mehr als 60 Menschen verletzt. Gouverneur Oleh Synjehubow teilte mit, 226 Patientinnen und Patienten müssten in andere Krankenhäuser gebracht werden. Durch die Explosionen seien am Klinikgebäude und an umliegenden Häusern rund 1.000 Fenster beschädigt worden.
Bürgermeister Ihor Terechow hatte zuvor vor Angriffen mit ballistischen Raketen und Gleitbomben gewarnt. Charkiw ist nach Kiew die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Sie liegt nahe der Grenze zu Russland und nicht weit von der Frontlinie entfernt.
Weitere russische Angriffe richteten sich gegen Energieanlagen in den Regionen Charkiw, Winnyzja und Dnipropetrowsk. Das russische Verteidigungsministerium erklärte außerdem, Hafenanlagen in der Schwarzmeerregion Odessa sowie dort liegende Schiffe angegriffen zu haben.
Drohnenangriffe auf Russland
Auch Russland meldete in der Nacht einen umfangreichen ukrainischen Drohnenangriff. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin flogen fast 500 Drohnen in Richtung der Hauptstadt. Die meisten seien in größerer Entfernung abgefangen worden, weitere seien beim Anflug auf Moskau zerstört worden. Ob es Einschläge gab, blieb zunächst unklar.
In Jaroslawl, rund 250 Kilometer nordöstlich von Moskau, wurde nach Angaben regionaler Behörden eine Ölraffinerie beschädigt. Gouverneur Michail Jewrajew teilte mit, zwei Beschäftigte seien verletzt worden. Auf dem Gelände brach demnach ein Feuer aus.
Daneben bestätigte Selenskyj einen ukrainischen Gegenangriff im Cyberraum. Zunächst war die ukrainische Warn-App für Luftangriffe manipuliert worden. Nutzerinnen und Nutzer erhielten falsche Meldungen über angebliche atomare Angriffe. Wenige Stunden später verschickte auch eine russische Zivilschutz-App gefälschte Warnungen. Selenskyj sagte, die Ukraine habe auf einen russischen Cyberangriff reagiert.
Gespräche in Abu Dhabi geplant
Trotz der neuen Angriffe sollen Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA in der kommenden Woche zu Gesprächen zusammenkommen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff kündigte Verhandlungen auf Arbeitsebene für Dienstag und Mittwoch in Abu Dhabi an. Die USA wollen demnach moderieren.
Nach Witkoffs Angaben sollen Sicherheitsvereinbarungen für die Ukraine, Deeskalation, humanitäre Hilfe und weitere Schritte in Richtung Frieden beraten werden. Vorher sind Gespräche in Brüssel mit Vertreterinnen und Vertretern europäischer Staaten, der EU und der Nato vorgesehen. In dem Format mit den USA, Russland und der Ukraine hatte es zuletzt im Februar Gespräche in Genf gegeben, davor fanden zwei Runden in Abu Dhabi statt. Konkrete Fortschritte wurden damals nicht erzielt.