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Stündlich aktualisiert

Politik · Bahnverkehr in Spanien

Spanien verschärft Bahnsicherheit nach Zugunglück

Nach dem Zugunglück bei Urda mit 69 Toten reagiert die Regierung in Madrid mit neuen Sicherheitsvorgaben und Hilfen für Angehörige.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Spanien verschärft nach dem Zugunglück die Sicherheitsvorgaben im Bahnverkehr.
Symbolbild: Spanien verschärft nach dem Zugunglück die Sicherheitsvorgaben im Bahnverkehr. KI-generiert

Nach dem schweren Zugunglück südlich von Madrid hat die spanische Regierung neue Vorgaben für den Bahnverkehr beschlossen. Der Ministerrat billigte knapp eine Woche nach der Kollision bei Urda ein Hilfspaket über 30 Millionen Euro für Betroffene und Hinterbliebene. Zugleich soll der Betrieb auf der Verbindung Madrid-Sevilla vorerst eingeschränkt werden, bis ein moderneres europäisches Sicherungssystem genutzt wird. Die Behörden haben inzwischen alle 69 Todesopfer identifiziert.

Weniger Verkehr auf betroffener Strecke

Bei dem Unfall am vergangenen Mittwoch waren nahe der Gemeinde Urda zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe prallte von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo. Der Unfallort liegt etwa 130 Kilometer südlich von Madrid auf der wichtigen Achse in Richtung Sevilla.

Verkehrsminister Óscar Puente kündigte an, die Zahl der Züge zwischen Madrid und Sevilla zu verringern. Diese Einschränkung soll gelten, bis auf dem Abschnitt das europäische Zugsicherungssystem ERTMS in Betrieb ist. Die Regierung will damit das Risiko auf der Strecke senken, solange noch das bisherige System LZB maßgeblich ist.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen der Ausfall dieses Sicherungssystems und mögliche Fehlentscheidungen im Kontrollzentrum des Infrastrukturbetreibers Adif. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte ein Beschäftigter nach dem Ausfall des Leitsystems unzutreffende Anweisungen gegeben haben. Eine endgültige Bewertung der Ursache liegt damit noch nicht vor.

Vier-Augen-Prinzip bei Störungen

Die neuen Vorgaben betreffen besonders Situationen, in denen das LZB-System ausfällt. In solchen Fällen soll künftig eine zweite Person im Kontrollzentrum die Anweisungen an Lokführerinnen und Lokführer kontrollieren und freigeben. Damit soll verhindert werden, dass Züge auf unsichere Streckenabschnitte geschickt werden oder trotz unklarer Lage weiterfahren.

Zusätzlich plant die Regierung mehr Personal in den Leitstellen. Auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten dort sollen verbessert werden. Details zur Umsetzung wurden zunächst nicht genannt, die Maßnahmen zielen aber auf mehr Kontrolle und geringere Belastung in sicherheitskritischen Situationen.

Für Reisende beschloss Madrid außerdem Preisgrenzen bei Ersatzangeboten während der Sperrung der Unfallstrecke. Damit sollen stark steigende Kosten für alternative Verkehrsmittel vermieden werden, solange Verbindungen ausfallen oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

Hilfen für Opfer und Angehörige

Das Hilfspaket umfasst mehrere Formen staatlicher Unterstützung. Vorgesehen sind direkte Zahlungen, Vorschüsse auf spätere Entschädigungen und höhere Leistungen aus der gesetzlichen Fahrgastversicherung. Diese Versicherungsleistungen sollen verdoppelt werden.

Betroffene Familien sollen über besondere Anlaufstellen betreut werden. Für Verletzte ist zudem eine Sonderregelung vorgesehen, wenn sie vorübergehend nicht arbeiten können. Von den rund 200 Verletzten werden nach Behördenangaben weiterhin 37 in Krankenhäusern behandelt.

Die Identifizierung der Toten ist abgeschlossen. Unter den 69 Opfern waren 40 Männer und 29 Frauen. Minderjährige und deutsche Staatsangehörige sind nach den Angaben der Behörden nicht darunter. 54 Tote kamen aus Spanien, vier aus den USA, je zwei aus Japan und Australien. Weitere Opfer stammten aus Kanada, Frankreich, Tschechien, Portugal, Argentinien, Mexiko und Tunesien.

Politischer Druck vor der Wahl

Der Unfall von Urda ist bereits das zweite schwere Zugunglück in Spanien innerhalb dieses Jahres. Im Januar waren in Adamuz in Andalusien zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen. Damals starben 46 Menschen. Bei diesem früheren Unglück gilt unter anderem ein Gleisbruch als mögliche Ursache.

Für die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez kommt die neue Krise in einer angespannten politischen Phase. In knapp vier Wochen soll in Spanien vorgezogen gewählt werden. Die Opposition verlangt nach dem erneuten schweren Unfall personelle Konsequenzen.

Die Regierung versucht nun, mit technischen und organisatorischen Änderungen Vertrauen in den Hochgeschwindigkeitsverkehr zurückzugewinnen. Entscheidend wird sein, welche Ergebnisse die Ermittlungen zu Urda liefern und wie schnell die angekündigten Sicherheitsmaßnahmen auf der Strecke Madrid-Sevilla greifen.