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Stündlich aktualisiert

Politik · Krieg in der Ukraine

Russland greift Energieanlagen und Kliniken in der Ukraine an

Russland hat die Ukraine erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen. Betroffen sind Energieanlagen, Wohngebiete und medizinische Einrichtungen in mehreren Regionen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Russische Angriffe auf die Energieversorgung verschärfen die Lage in ukrainischen Städten vor dem Winter.
Symbolbild: Russische Angriffe auf die Energieversorgung verschärfen die Lage in ukrainischen Städten vor dem Winter. KI-generiert

Russland hat die Ukraine am Dienstag mit einer neuen schweren Angriffswelle überzogen. Nach Angaben aus Kiew wurden Ziele in zehn Regionen getroffen, darunter Energieanlagen und medizinische Einrichtungen. Besonders betroffen waren Charkiw, Dnipro, Winnyzja und Schytomyr. In mehreren Landesteilen fiel zeitweise der Strom aus, auch in der Hauptstadtregion Kyjiw gab es Einschränkungen.

Krankenhaus in Charkiw getroffen

In Charkiw schlug nach ukrainischen Angaben ein russisches Geschoss in ein städtisches Krankenhaus ein. Die regionale Staatsanwaltschaft meldete mindestens 73 Verletzte. Mehr als 220 Patientinnen und Patienten mussten in andere Einrichtungen gebracht werden. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, eine kardiologische Abteilung sei beschädigt worden.

Auch Dnipro wurde angegriffen. Nach Angaben des Gouverneurs Olexander Hanscha wurde dort ebenfalls eine medizinische Einrichtung beschädigt, in der rund 100 Menschen behandelt wurden. Zunächst wurden ein Toter und 17 Verletzte gemeldet.

Schwer ist auch die Lage in Komyschuwacha in der Region Saporischschja. Dort war bereits am Montag ein Gebäude getroffen worden, das als Ausgabestelle für Hilfsgüter genutzt wurde. Die Angaben zur Zahl der Todesopfer schwanken zwischen 31 und 33. Rund 50 Menschen werden noch vermisst oder unter Trümmern befürchtet. Rettungskräfte berichteten, unter den Getöteten seien auch Helfer und Polizisten gewesen, die nach einem ersten Einschlag vor Ort waren.

Drei Kraftwerke außer Betrieb

Die Angriffe richteten sich erneut gegen die Energieversorgung. Das ukrainische Energieunternehmen DTEK teilte mit, drei Wärmekraftwerke hätten nach mehreren Angriffswellen die Stromproduktion einstellen müssen. Aus Sicherheitsgründen nannte das Unternehmen keine Standorte.

In der Region Schytomyr waren am Morgen nach Angaben des Gouverneurs Witalij Bunetschko mehr als 180.000 Haushalte ohne Strom. Betroffen waren demnach etwa 130 Orte. Auch in Kyjiw und der umliegenden Region wird Strom nach festen Plänen zugeteilt. In einzelnen Stadtteilen gibt es Elektrizität nur für wenige Stunden am Tag.

Die ukrainische Luftwaffe meldete den Einsatz mehrerer ballistischer Raketen, darunter Iskander-M und Zirkon, sowie 59 Marschflugkörper und 289 Kampfdrohnen. Abgefangen worden seien drei Raketen, 49 Marschflugkörper und 257 Drohnen. Die ukrainische Flugabwehr steht seit Monaten unter Druck, weil wichtige Abwehrraketen knapp sind.

Moskau erklärte, Wärmekraftwerke in den Gebieten Winnyzja, Dnipropetrowsk und Charkiw sowie Umspannwerke seien angegriffen worden. Zugleich meldete Russland ukrainische Drohnenangriffe in großer Zahl. Die Angaben reichen von fast 500 bis 856 abgefangenen Drohnen. Nahe Jaroslawl wurde nach Behördenangaben eine Raffinerie getroffen; dort gab es zwei Verletzte. In Moskau wurde der Betrieb an den Flughäfen zeitweise wegen Drohnenalarms unterbrochen.

Berlin kündigt weitere Unterstützung an

Selenskyj traf am Dienstag in Berlin Bundeskanzler Friedrich Merz. Im Mittelpunkt standen nach ukrainischen Angaben die Luftabwehr und Hilfe für die beschädigte Energieversorgung. Merz sagte der Ukraine weitere Unterstützung für den Winter zu. Die zusätzliche Hilfe soll 200 Millionen Euro umfassen.

Der Kanzler erklärte, Deutschland werde die Ukraine weiter unterstützen. Zugleich forderte er mehr Engagement anderer europäischer Staaten. „Alle Europäer tragen Verantwortung“, sagte Merz. Er verwies auf eine in der NATO vereinbarte militärische Unterstützung von 70 Milliarden Euro für das Jahr 2026.

Für den 19. November kündigte Merz ein Treffen der sogenannten Koalition der Willigen in Berlin an. Dort sollen nach seinen Angaben auch Vereinbarungen für die Unterstützung im Jahr 2027 vorbereitet werden. Eine ernsthafte Bereitschaft Russlands zu Verhandlungen sieht Merz bislang nicht.

Sorge vor einem harten Winter

Die jüngsten Angriffe verstärken die Sorge vor einem schwierigen Kriegswinter. Der Kiewer Katastrophenschutz bereitet nach eigenen Angaben mobile Hilfsstellen vor, falls Stromausfälle mehrere Tage andauern. Dort könnten Menschen sich aufwärmen oder Telefone laden. Derzeit werden solche Stellen noch nicht vorsorglich geöffnet.

Der Militäranalyst Iwan Stupak sieht eine veränderte russische Angriffstaktik. Nach seiner Einschätzung geraten zunehmend zivile Infrastruktur, Logistik, Energieversorgung und wirtschaftliche Einrichtungen ins Visier. Die Nationalbank der Ukraine hat ihre Prognose für 2026 auf minus 0,4 Prozent reales Wirtschaftswachstum gesenkt und verweist dabei auch auf die Folgen der verstärkten Angriffe.

Für den 10. und 11. November kündigte der US-Sondergesandte Steve Witkoff Gespräche zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands und der USA in Abu Dhabi an. Selenskyj nannte eine Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen und kritische Infrastruktur als Priorität. Weitere Themen sollen Getreidetransporte über das Schwarze Meer und ein umfassender Gefangenenaustausch sein.