Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Politik · Zugunglück in Spanien

Spanien bereitet Hilfen für Angehörige vor

Nach dem Zugunglück bei Urda will die spanische Regierung Entschädigungen ausweiten. Drei der 69 Todesopfer sind noch nicht abschließend identifiziert.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Leere Gleise stehen für die laufenden Ermittlungen nach dem schweren Zugunglück in Spanien.
Symbolbild: Leere Gleise stehen für die laufenden Ermittlungen nach dem schweren Zugunglück in Spanien. KI-generiert

Die spanische Regierung will nach dem schweren Zugunglück nahe Urda ein Hilfspaket für Betroffene und Hinterbliebene beschließen. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte an, das Kabinett solle am Dienstag über vorgezogene Zahlungen und höhere Entschädigungen entscheiden. Bei dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in der Provinz Toledo kamen 69 Menschen ums Leben. Drei Tote sind nach Angaben der Regionalbehörden von Kastilien-La Mancha weiterhin nicht zweifelsfrei identifiziert. 39 Verletzte werden noch in Kliniken behandelt, elf von ihnen liegen auf Intensivstationen.

Entschädigungen sollen steigen

Sánchez stellte neben schnellen finanziellen Hilfen in Aussicht, dass die gesetzlich vorgesehenen Leistungen für Fahrgäste in diesem Fall auf das Doppelte angehoben werden sollen. Damit reagiert die Regierung auf eines der schwersten Bahnunglücke Spaniens der vergangenen Jahre. Der Regierungschef versprach zudem eine „strenge und transparente Untersuchung“.

Die Behörden haben inzwischen bei 66 Todesopfern die Identität gesichert. Unter den Toten waren den Angaben zufolge 54 spanische Staatsangehörige und vier Menschen aus den Vereinigten Staaten. Weitere Opfer kamen aus Frankreich, Kanada, Tschechien, Japan, Portugal, Argentinien, Mexiko und Tunesien.

Bei den drei noch nicht abschließend identifizierten Toten gehen die Behörden davon aus, dass zwei aus Australien und eine Person aus Japan stammen. Die Angehörigen seien ausfindig gemacht worden. Für die abschließende Feststellung der Identität sollen sie persönlich nach Spanien reisen. Die sterblichen Überreste von 47 Todesopfern wurden bereits an Familien übergeben.

Ermittlungen an der Strecke laufen weiter

Das Unglück ereignete sich am Mittwoch nahe der Gemeinde Urda, rund 130 Kilometer südlich von Madrid. Nach bisherigen Angaben fuhr ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf. Die genaue Ursache steht noch nicht fest.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen unter anderem ein Ausfall des Zugsicherungssystems LZB sowie mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle in Madrid. Aufzeichnungen aus dem Funkverkehr deuten darauf hin, dass ein Lokführer die Anweisung erhielt, den regulären Betrieb fortzusetzen, obwohl die Sicherungstechnik noch nicht wieder funktionierte und sich ein weiterer Zug auf der Strecke befand.

LZB und ähnliche Systeme sollen verhindern, dass Züge bei überfahrenen Signalen oder zu hoher Geschwindigkeit ungebremst weiterfahren. Sie können Fahrzeuge automatisch abbremsen oder stoppen. Ob das System, menschliche Entscheidungen oder eine Kombination mehrerer Faktoren zu dem Zusammenstoß führte, ist Gegenstand der Ermittlungen.

An der Unfallstelle dauern Bergungs- und Untersuchungsarbeiten an. Sie werden auch während der Nacht fortgesetzt. Unter anderem sind 50 Spezialkräfte der Guardia Civil im Einsatz.

Zweites schweres Unglück in kurzer Zeit

Der Zusammenstoß bei Urda ist bereits das zweite schwere Zugunglück in Spanien innerhalb von neun Monaten. Im Januar waren bei Adamuz in Andalusien zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen. Damals starben 46 Menschen.

Die erneute Katastrophe erhöht den politischen Druck auf Regierung, Bahnunternehmen und Aufsichtsbehörden. Neben der Versorgung der Verletzten und der Unterstützung der Angehörigen rückt nun die Sicherheit im Hochgeschwindigkeitsverkehr in den Fokus. Die angekündigten Hilfen sollen kurzfristig finanzielle Belastungen abfedern. Die Aufklärung der Ursache dürfte jedoch entscheidend dafür sein, welche technischen oder organisatorischen Folgen das Unglück für den Bahnverkehr in Spanien hat.