Politik · Künstliche Intelligenz
Regierung verschärft Regeln gegen KI-Deepfakes
Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt beschlossen und nimmt dabei besonders sexualisierte KI-Fälschungen in den Blick. Künftig soll bereits die unerlaubte Herstellung solcher Bilder und Videos strafbar sein, nicht erst ihre Verbreitung. Parallel verschärft China die Kontrolle über den Export von KI-Technik, während Konzerne Milliarden in Rechenzentren und Hardware stecken. Die Debatte über künstliche Intelligenz dreht sich damit zunehmend um Verbote, Durchsetzung und die Kosten der nötigen Infrastruktur.
Strafbarkeit schon bei der Herstellung
Im Zentrum des deutschen Vorhabens steht eine Reform des Paragrafen 184k im Strafgesetzbuch. Erfasst werden sollen KI-erzeugte und reale Aufnahmen, die den Eindruck vermitteln, eine Person nackt oder bei sexuellen Handlungen zu zeigen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig spricht von „passgenauen Regeln“.
Der Entwurf betrifft nicht nur manipulierte Bilder und Videos aus KI-Systemen. Auch heimliche Aufnahmen, etwa in sexualisierten Situationen im öffentlichen Raum, können darunterfallen. Als Strafrahmen werden bis zu drei Jahre Haft genannt. Das könnte auch Fälle einschließen, in denen unauffällige Kameratechnik oder KI-Brillen genutzt werden.
Betroffene sollen zudem leichter gegen mutmaßliche Täter vorgehen können. Vorgesehen ist, dass Provider Daten von Verdächtigen sichern müssen, damit sie später in Strafverfahren verwendet werden können. In der Regel soll dafür eine richterliche Entscheidung nötig sein. Auch das Sperren oder Löschen von Accounts und Inhalten kann beantragt werden. Zuständig wäre dabei ein Landgericht, was Kosten für Gericht und anwaltliche Vertretung auslösen kann.
Aus der Justiz kommt zugleich Sorge vor zusätzlicher Belastung. Richterinnen, Richter und viele Anwältinnen und Anwälte rechnen mit zahlreichen Verfahren. Die Gerichte gelten bereits in vielen Bereichen als stark beansprucht.
Exportkontrollen und Machtfragen
Auch international werden KI-Regeln enger gefasst. China will die Ausfuhr bestimmter Schlüsseltechnologien stärker kontrollieren. Betroffen sind unter anderem KI-Agenten und Verfahren für große Modelle. Ein Teil der Technik soll nur noch mit Genehmigung exportiert werden dürfen, anderes gar nicht mehr. Der Zugriff über Anwendungen und Webseiten soll weiter möglich bleiben, ebenso die Nutzung bereits öffentlich verfügbarer Technik.
Peking begründet den Schritt mit Sicherheitsrisiken. KI könne für Angriffe auf kritische Infrastruktur verwendet werden. Die neuen Vorgaben sollen nicht nur für den Handel mit den USA gelten, sondern weltweit. Damit wird KI-Technologie noch stärker zu einem Instrument der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik.
Der Handelskonflikt wirkt sich bereits auf Hardware aus. Chinesische Internet- und Technologiekonzerne haben zusammen mehr als sechs Millionen gedrosselte Nvidia-Grafikkarten bestellt, weil ihnen der Zugang zu leistungsfähigeren Chips aus den USA versperrt ist. Für 2027 wird mit deutlich geringeren Liefermengen gerechnet, als die Nachfrage erwarten lässt. China treibt deshalb eigene Hardwareprojekte voran.
Milliarden für Rechenleistung
Während Regierungen Regeln verschärfen, wächst der Investitionsdruck. Amazon will 2027 in Deutschland 16 Milliarden Euro investieren. Ein großer Teil ist für Cloud- und KI-Infrastruktur der Tochter AWS vorgesehen. Die Rechenzentren sollen rund um Frankfurt am Main entstehen. Geplant sind außerdem mehr Robotik in Logistikzentren, zusätzliche Stellen und ein Satellitenprojekt für Internetzugänge.
Auch Nvidia arbeitet daran, den Aufbau großer KI-Rechenzentren zu beschleunigen. Das Unternehmen hat ein Referenzdesign für vorgefertigte Containeranlagen vorgestellt. Die Systeme sollen Rechentechnik, Netzwerktechnik, Stromverteilung und Flüssigkeitskühlung enthalten und vor der Auslieferung getestet werden. Erste Anlagen sollen Anfang 2027 verfügbar sein. Nach Unternehmensangaben könnte sich die Installationszeit an vorbereiteten Standorten von mehreren Monaten auf wenige Wochen verkürzen.
Gleichzeitig bleibt die Stromversorgung ein Engpass. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur verbrauchten Rechenzentren 2025 weltweit rund 485 Terawattstunden Strom. Bis 2030 erwartet die Organisation knapp 950 Terawattstunden. Für speziell auf KI ausgelegte Anlagen rechnet sie sogar mit einer Verdreifachung des Bedarfs. Mehr als die Hälfte des Stroms für Rechenzentren stammt demnach weiterhin aus Kohle und Erdgas.
Nvidia verweist auf neue Steuerungssoftware, die den Stromverbrauch bei Engpässen vorübergehend senken soll. In Tests wurden Reduzierungen von bis zu 40 Prozent genannt, während wichtige Anwendungen weiterliefen. Weitere Technik soll Rechenleistung innerhalb eines festen Strombudgets besser verteilen. Solche Effizienzgewinne können Betreiber entlasten, ermöglichen aber auch den Betrieb zusätzlicher Systeme.
Zwischen Risiko und Nutzen
Die politische Auseinandersetzung über KI verläuft damit auf mehreren Ebenen. Es geht um den Schutz einzelner Menschen vor digitalen Übergriffen, um staatliche Kontrolle über strategische Technik und um die Frage, wer die nötige Infrastruktur finanziert. Digitalexperte Sascha Lobo widerspricht pauschalen Untergangsszenarien und sieht hinter manchen Warnungen auch wirtschaftliche Interessen.
Für die kommenden Jahre zeichnet sich ab, dass KI nicht allein über abstrakte Ethikregeln verhandelt wird. Entscheidend werden konkrete Straftatbestände, Exportauflagen, Rechenzentren, Chips und Stromanschlüsse. Die Regulierung der Technologie rückt damit näher an klassische Industrie-, Sicherheits- und Rechtspolitik heran.