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Politik · Wahl in Neuseeland

Neuseeland steuert auf schwierige Koalitionssuche zu

Konservative und Labour liegen nach der Parlamentswahl nahezu gleichauf. Die Opportunity Party könnte über die nächste Regierung in Wellington mitentscheiden.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: In Neuseeland zeichnet sich nach der Parlamentswahl eine schwierige Regierungsbildung ab.
Symbolbild: In Neuseeland zeichnet sich nach der Parlamentswahl eine schwierige Regierungsbildung ab. KI-generiert

Neuseeland steht nach der Parlamentswahl vor einer komplizierten Regierungsbildung. Als mehr als 90 Prozent der Wahlzettel erfasst waren, lagen die konservative National Party von Ministerpräsident Christopher Luxon und die sozialdemokratische Labour-Partei von Chris Hipkins jeweils bei etwa 29 Prozent. Eine klare Mehrheit zeichnet sich damit nicht ab. Entscheidend dürften kleinere Parteien werden, vor allem die Opportunity Party, die mit 5,9 Prozent voraussichtlich erstmals ins Parlament einzieht.

Große Parteien fast gleichauf

Die Wahllokale schlossen am Samstag um 19.00 Uhr Ortszeit, in Deutschland war es 7.00 Uhr. Rund 3,8 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Schon vor der Abstimmung hatten Umfragen ein enges Rennen erwarten lassen. Der Wahlabend bestätigte, dass weder Luxons bisheriges Lager noch Labour ohne zusätzliche Partner regieren dürfte.

Luxon führt seit 2023 eine Koalition aus seiner National Party, der rechtsliberalen ACT-Partei und New Zealand First. Er strebt eine weitere Amtszeit an. Sein Herausforderer Hipkins war 2023 nach dem Rücktritt von Jacinda Ardern bereits für mehrere Monate Regierungschef. Nach der Wahl sagte Hipkins vor Unterstützerinnen und Unterstützern: „Neuseeland hat heute Abend gesprochen. Aber es mag etwas länger dauern, bis wir genau verstehen, was es gesagt hat.“

Opportunity Party rückt in Schlüsselrolle

Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt nun die Opportunity Party. Sie überschreitet nach dem bisherigen Stand die Fünf-Prozent-Hürde und könnte mehrere Abgeordnete stellen. Damit kann sie in einem fragmentierten Parlament für beide politischen Lager relevant werden.

Parteichefin Qiulae Wong signalisiert Verhandlungsbereitschaft in beide Richtungen. Luxon hatte eine Zusammenarbeit mit ihrer Partei bislang jedoch abgelehnt. Als zentraler Streitpunkt gilt die Finanz- und Steuerpolitik der Opportunity Party. Sie wirbt unter anderem für eine Bodensteuer und ein bedingungsloses Grundeinkommen. Luxon lehnt beides ab.

Wong ist erst seit kurzer Zeit in der Spitzenpolitik. Die 38-Jährige arbeitete zuvor als Unternehmensberaterin und Nachhaltigkeitsexpertin. Im Jahr 2025 stieß sie auf eine Ausschreibung der Opportunity Party, die eine neue Vorsitzende suchte. Innerhalb kurzer Zeit rückte sie von einer weitgehend unbekannten Bewerberin zu einer möglichen Schlüsselfigur der Regierungsbildung auf.

Endergebnis erst Ende November

Die Sitzverteilung kann sich noch verändern. In den kommenden Wochen werden zahlreiche Sonderstimmen gezählt. Dazu gehören Voten aus dem Ausland sowie Stimmzettel von Menschen, die nicht in ihrem Heimatwahlkreis wählten. Das amtliche Endergebnis wird für den 27. November erwartet.

Hinzu kommt eine Besonderheit des Wahlsystems. Das Parlament hat normalerweise 120 Sitze. Durch Überhangmandate kann es jedoch größer werden, wenn Parteien mehr Wahlkreise gewinnen, als ihnen nach dem landesweiten Stimmenanteil zustehen. Nach bisherigen Berechnungen könnte die Zahl der Abgeordneten diesmal auf etwa 130 steigen. Dann wären für eine Mehrheit mindestens 66 Mandate nötig, nicht 61 wie in einem Parlament mit 120 Sitzen.

Frühe Berechnungen sahen Luxons bisherige Partner zusammen bei 65 Sitzen in einem vergrößerten Parlament. Labour und verbündete Parteien kamen demnach auf 58 Mandate. Wegen der ausstehenden Stimmen und der knappen Abstände gelten solche Werte aber nur als Zwischenstand.

Wirtschaft dominierte den Wahlkampf

Der Wahlkampf war stark von Alltagssorgen geprägt. Viele Haushalte leiden unter hohen Preisen, teurem Kraftstoff und einer schwächeren Wirtschaftslage. Auch Arbeitslosigkeit, Inflation und der Zustand des Gesundheitswesens spielten eine Rolle. Die Regierung stand deshalb unter Druck, Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger in Aussicht zu stellen.

Die Abstimmung wurde zudem von Unwettern begleitet. Besonders betroffen war Auckland auf der Nordinsel. Politisch dürfte Neuseeland nun vor Wochen intensiver Gespräche stehen. Ob Luxon weiterregieren kann oder Hipkins eine Mehrheit findet, hängt vom endgültigen Ergebnis und von der Bereitschaft kleinerer Parteien zu Bündnissen ab.