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Stündlich aktualisiert

Politik · KI im Wahlkampf

Netanjahu setzt KI-Atompilz im Wahlkampf ein

Kurz vor der Wahl in Israel verbreitet Benjamin Netanjahu ein KI-Bild einer Atomexplosion über Tel Aviv. Die Opposition wirft ihm Angstkampagne vor.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: KI-generierte Bilder werden im politischen Wahlkampf zunehmend zum Streitpunkt.
Symbolbild: KI-generierte Bilder werden im politischen Wahlkampf zunehmend zum Streitpunkt. KI-generiert

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat im Endspurt des Wahlkampfs ein mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Bild eines Atompilzes über Tel Aviv verbreitet. Der Likud-Chef warnte damit vor Iran und verband die Botschaft mit dem Aufruf, ihn und seine Partei zu wählen. Sein wichtigster Rivale Gadi Eisenkot reagierte mit scharfer Kritik und sprach von „Lügen und Angstmache“.

KI-Bild als politisches Warnsignal

Die Veröffentlichung erfolgte zwei Tage vor der Parlamentswahl am Dienstag. Netanjahu stellte die Gefahr einer iranischen Atombombe als zentrale Sicherheitsfrage dar. In seinem Beitrag griff er Aussagen des IT-Unternehmers Yuval Bloomberg auf, der vor einer existenziellen Bedrohung durch Iran warnte, falls das Land Atomwaffen erhalte.

Netanjahu machte deutlich, dass er innenpolitische Konflikte im Vergleich zu diesem Szenario für zweitrangig hält. Debatten über Katar, die ultraorthodoxe Bevölkerung oder die Wehrpflicht beschrieb er als Themen, die von der aus seiner Sicht entscheidenden Frage ablenkten. Er verwies außerdem auf die Einschätzung, Israel habe unter US-Präsident Donald Trump noch zwei Jahre Zeit, um der Bedrohung durch Iran zu begegnen.

Teheran bestreitet, an einer militärischen Nutzung seines Atomprogramms zu arbeiten. Netanjahu hatte nach gemeinsamen Angriffen Israels und der USA auf iranische Atomanlagen in diesem Jahr bereits erklärt, die nukleare Gefahr durch das Regime in Teheran sei beseitigt.

Opposition spricht von Angstmache

Eisenkot, früherer Militärchef und Politiker der Mitte-Partei Jaschar, warf Netanjahu vor, erneut auf Einschüchterung zu setzen. Er bezeichnete den Regierungschef als hysterisch und schrieb, dieser greife wie in früheren Wahlkämpfen zu bekannten Methoden. „Lügen und Angstmache“, formulierte Eisenkot.

Zugleich hielt Eisenkot Netanjahu vor, die militärischen Ziele gegenüber Iran nicht erreicht zu haben. Die Drohung mit massiver Zerstörung diene nun dazu, die israelische Bevölkerung zu verunsichern. Eisenkot erklärte, Netanjahu sei gescheitert und werde nach der Wahl abgelöst.

Deepfakes verschärfen politische Debatten

Der Fall zeigt, wie KI-generierte Bilder in Wahlkämpfen eingesetzt werden können, um politische Botschaften zuzuspitzen. Das veröffentlichte Motiv bildet kein reales Ereignis ab, sondern simuliert ein Katastrophenszenario. Gerade im Umfeld von Sicherheits- und Kriegsthemen können solche Darstellungen starke emotionale Wirkung entfalten.

Die Debatte über künstlich erzeugte Inhalte hat sich dadurch weiter verschärft. Gefordert werden strengere Regeln gegen politische KI-Fälschungen und sexualisierte Deepfakes. Im politischen Raum geht es dabei vor allem um die Frage, wie Wählerinnen und Wähler erkennen können, ob Bilder, Audios oder Videos reale Vorgänge zeigen oder technisch erzeugt wurden.

Unklare Mehrheiten vor der Wahl

Netanjahu kämpft in einem stark polarisierten Land um den Machterhalt. Umfragen sehen sein rechtsreligiöses Lager bei etwa 50 Sitzen in der Knesset. Für eine Mehrheit wären 61 der 120 Mandate nötig. Das Oppositionslager kommt demnach auf 52 bis 56 Sitze.

Arabische Parteien könnten mit 14 bis 16 Mandaten eine wichtige Rolle einnehmen. Eine klare Mehrheit für eines der Lager zeichnet sich bisher nicht ab. Die KI-Darstellung des Atompilzes steht damit auch für einen Wahlkampf, in dem Sicherheitsfragen, Angst vor Iran und der Umgang mit digitalen Manipulationen eng miteinander verbunden sind.