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Stündlich aktualisiert

Politik · Satelliteninternet im Krieg

Musk wirft Kiew offensive Nutzung von Starlink vor

Elon Musk beschuldigt das ukrainische Militär, Starlink für Angriffe genutzt zu haben. Zugleich meldet Kiew wieder stabile Verbindungen an der Front.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Satelliteninternet ist für Kommunikation und Logistik an der Front von großer Bedeutung.
Symbolbild: Satelliteninternet ist für Kommunikation und Logistik an der Front von großer Bedeutung. KI-generiert

Elon Musk hat dem ukrainischen Militär vorgeworfen, das Satelliteninternet Starlink entgegen den Regeln für offensive Drohnenangriffe genutzt zu haben. Der SpaceX-Gründer schrieb auf X, Starlink sei ein ziviler kommerzieller Dienst und dürfe nicht für Angriffe eingesetzt werden, die Menschen töten sollten. Belege, konkrete Fälle oder Zeiträume nannte Musk nicht. Nach seinen Angaben wurde die entsprechende Möglichkeit in der vergangenen Woche unterbunden. Zugleich erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Samstag, Starlink und Starshield liefen wieder mit der benötigten Geschwindigkeit.

Musk zieht Grenze zwischen Starlink und Starshield

Starlink gehört zum Raumfahrtunternehmen SpaceX und stellt Internetverbindungen über Satelliten bereit. Nach Musks Darstellung ist der Dienst für zivile Zwecke sowie für die Verteidigung vorgesehen, nicht aber für militärische Offensiven. Den militärischen Ableger Starshield grenzte Musk davon ab: Über dessen Einsatz entscheide die US-Regierung.

Musk schrieb, das ukrainische Militär habe gegen die Nutzungsbedingungen von Starlink verstoßen. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung des Systems für die Ukraine. Ohne Starlink würde die ukrainische Frontlinie nach seiner Einschätzung sofort zusammenbrechen. Das sei keine Drohung, sondern eine Tatsachenbeschreibung, erklärte er.

Der Unternehmer verwies außerdem darauf, dass Starlink nach seiner Darstellung in den ersten Kriegswochen eine zentrale Rolle gespielt habe, weil andere Kommunikationswege durch Russland zerstört oder gestört worden seien. SpaceX habe mehr zur Verteidigung der Ukraine beigetragen als jedes andere private Unternehmen, schrieb Musk. In demselben Beitrag griff er nicht näher benannte Befürworter einer fortgesetzten Kriegsführung scharf an und schrieb: „Möget ihr in der Hölle schmoren.“

Kiew meldet wieder ausreichende Geschwindigkeit

In den Tagen zuvor hatte die Ukraine über Einschränkungen bei dem Satelliteninternet geklagt. Wer die Drosselung veranlasste, ist unklar. US-Präsident Donald Trump hatte zunächst gesagt, Musk habe die Beschränkung aufgehoben. Später erklärte Trump, er habe nicht mit Musk gesprochen. Er habe gehört, das Problem sei behoben; falls nicht, werde er mit Musk sprechen.

Selenskyj sagte am Samstag, die Verbindung über Starlink und Starshield funktioniere wieder wie vor den Einschränkungen. Die Geschwindigkeit sei nun so, wie die Ukraine sie brauche. Das sei entscheidend für die Logistik an der Front und den Schutz vor russischen Raketenangriffen, erklärte der Präsident.

Zuvor hatte der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara mitgeteilt, das System laufe wieder. Er nannte die Verbindung wichtig für die Front, das Militär, Drohneneinsätze, Logistik und Kommunikation. Die Wiederherstellung wertete er als Ergebnis direkten Dialogs und einer entschlossenen Haltung Selenskyjs auf höchster Ebene.

Bedeutung für Luftverteidigung und Drohnen

Die ukrainischen Streitkräfte nutzen Satelliteninternet bei der Luftverteidigung gegen den russischen Angriffskrieg. Es unterstützt Kommunikation, Lageführung, Logistik und Drohneneinsätze. Gerade an der Front ist eine schwer zu störende Verbindung wichtig, weil klassische Kommunikationswege beschädigt, blockiert oder überwacht werden können.

Musk stellte Starlink als besonders widerstandsfähig dar. Nach seiner Aussage ist es derzeit das einzige System, das nicht gestört oder zerstört werden könne, zumindest vorerst. Diese Einschätzung unterstreicht, wie abhängig Teile der ukrainischen Verteidigung von privater Satellitentechnik geworden sind.

Die Debatte fällt in eine Phase, in der Kiew auch bei anderer Militärhilfe Druck auf Washington ausübt. Selenskyj beklagte zuletzt mehrfach, zugesagte und bezahlte Raketen aus den USA seien nicht geliefert worden. Die Ukraine fordert vor allem Flugabwehrraketen für Patriot-Systeme, um russische Angriffe mit ballistischen Raketen abzuwehren.

Politische Brisanz für die Ukraine

Der Streit um Starlink berührt ein Grundproblem westlicher Unterstützung: Die Ukraine ist auf technische Infrastruktur angewiesen, die teils von privaten Unternehmen bereitgestellt wird und zugleich sicherheitspolitische Grenzen hat. Musk unterscheidet scharf zwischen Verteidigung und offensiven Operationen. Kiew wiederum verweist auf die militärische Notwendigkeit stabiler Verbindungen in einem Krieg, in dem Drohnen, Raketenabwehr und schnelle Kommunikation eng zusammenhängen.

Mit Musks Vorwurf erhält die Debatte eine neue Schärfe. Bisher stand vor allem die eingeschränkte Leistung der Systeme im Vordergrund. Nun geht es zusätzlich um die Frage, wie weit die Nutzung ziviler Satellitendienste im Krieg reichen darf und wer darüber entscheidet. Für die Ukraine bleibt entscheidend, dass die Verbindung an der Front funktioniert. Für SpaceX und die US-Regierung steht zugleich die Kontrolle über eine Infrastruktur im Raum, die militärisch immer wichtiger wird.