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Politik · Ukraine-Diplomatie

Moskau signalisiert neue Gespräche mit Kiew und USA

Nach einem Treffen Putins mit US-Gesandtem Steve Witkoff stellt Russland Verhandlungen mit der Ukraine und den USA in Aussicht. Kiew fordert direkte Beteiligung und europäische Einbindung.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Diplomatische Gespräche über ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges.
Symbolbild: Diplomatische Gespräche über ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges. KI-generiert

Russland zeigt sich nach einem Treffen von Kremlchef Wladimir Putin mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in Sankt Petersburg offen für neue Gespräche mit der Ukraine und den USA. Nach Angaben von Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow könnten solche Verhandlungen im kommenden Monat wieder aufgenommen werden. Im Mittelpunkt soll ein Sicherheitsrahmen für die Zeit nach einem möglichen Ende des Krieges stehen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verlangt zugleich, dass Kiew an allen Verhandlungen beteiligt wird und auch europäische Staaten einbezogen werden.

Witkoff trifft Putin in Sankt Petersburg

Witkoff war am Mittwochmorgen zu einem rund dreistündigen Gespräch mit Putin in den Konstantinpalast nach Sankt Petersburg gekommen. Der US-Sondergesandte überbrachte nach eigenen Angaben neue Vorschläge. Anschließend war im Kreml von möglichen Fortschritten bei Bemühungen um eine Beilegung des Krieges die Rede.

Uschakow erklärte, bei möglichen Verhandlungen solle es vor allem um Sicherheitsgarantien für Russland und die Ukraine nach einem Ende der Kämpfe gehen. Witkoff bewertete die Lage als günstig für Schritte hin zu einem Kriegsende. Konkrete Vereinbarungen wurden zunächst nicht bekannt.

Bereits am Dienstag hatte Witkoff Selenskyj und europäische Partner in Oslo getroffen. Für Mittwochabend war ein weiteres Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten in Norwegen vorgesehen. Damit pendelt der Gesandte zwischen Moskau, Kiew und westlichen Verbündeten, während Washington den Druck auf beide Kriegsparteien erhöht.

Kiew will Waffenruhe entlang der Front

Selenskyj erklärte in einem Interview, die Ukraine sei zu einer Friedenslösung bereit, bei der die aktuelle Frontlinie zunächst eingefroren würde. Er beschrieb einen Waffenstillstand als realistischen Einstieg, um das Töten zu stoppen. Zugleich machte er deutlich, dass Russland aus Sicht Kiews mindestens einer solchen Feuerpause zustimmen müsse.

Der ukrainische Präsident widerspricht damit dem Vorwurf von US-Präsident Donald Trump, Kiew wolle keinen Frieden. Selenskyj betont vielmehr, dass ohne ukrainische Beteiligung keine tragfähige Lösung entstehen könne. Auch die Europäer sollen nach seiner Forderung mit am Tisch sitzen, weil sie die Ukraine militärisch, finanziell und politisch unterstützen.

Auf Kiew lastet zusätzlicher Druck. Die Drosselung des Satelliteninternets Starlink für ukrainische Streitkräfte und Verzögerungen bei bereits von europäischen Staaten bezahlten US-Waffenlieferungen verschärfen die Lage. Besonders Luftabwehrmunition und Abfangraketen gelten für die Ukraine als entscheidend, um russische Angriffe abzuwehren.

Russland sucht auch Gespräch mit China und USA

Parallel bereitet Moskau ein mögliches Dreiertreffen mit den USA und China vor. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, auf allen drei Seiten gebe es grundsätzlich Interesse an einem Austausch. Angestrebt wird ein Treffen am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft im chinesischen Shenzhen im November. Putin traf in Sankt Petersburg bereits mit dem chinesischen Premier Li Qiang zusammen.

Neben den diplomatischen Signalen kündigte Moskau erste Diesellieferungen in die USA an. Der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Nowak sprach von einem Tanker mit 40.000 Tonnen Diesel. Beobachter halten die Menge allerdings für zu gering, um spürbare Auswirkungen auf Preise zu haben.

Zudem wurde die Freilassung des US-Bürgers Stephen Hubbard bekannt. Der 74-Jährige war in Russland zu mehr als sechseinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt worden, nachdem ihm ein Einsatz als Söldner für die Ukraine vorgeworfen worden war. Russische Soldaten hatten ihn zuvor in der Ukraine festgenommen. Zugleich meldete der russische Inlandsgeheimdienst FSB die Festnahme eines deutschen Staatsbürgers, der nach russischer Darstellung aktives Mitglied der ukrainischen Streitkräfte gewesen sein soll.

Frontlage prägt Verhandlungsspielraum

Die Gespräche fallen in eine Phase intensiver Kämpfe im Osten der Ukraine. Nach Einschätzung des Institute for the Study of War hat die ukrainische Armee mit der Operation Vivaldi russische Pläne zur vollständigen Eroberung des Donbass vorerst behindert. Die Operation begann im Mai und führte demnach dazu, dass russische Einheiten aus Gebieten bei Lyman zurückgedrängt wurden.

Ukrainische Truppen sollen das Gebiet westlich des Flusses Scherebez weitgehend geräumt und Vorstöße von teils mehr als 20 Kilometern erzielt haben. Die zurückgewonnene Fläche wird mit bis zu 300 Quadratkilometern angegeben. Strategisch gilt vor allem das Zurückdrängen russischer Kräfte hinter den Fluss als bedeutsam, weil damit eine wichtige russische Angriffslinie gestoppt wurde.

Für mögliche Waffenstillstandsverhandlungen ist die Frontlage zentral. Russland stellt sich weiterhin als militärisch vorrückend dar. Die Ukraine versucht, dem eigene Geländegewinne entgegenzusetzen. Seit September soll Kiew mehr Gebiet zurückerobert haben, als es an Russland verlor. Das stärkt die ukrainische Position, ändert aber nichts daran, dass ein belastbarer Waffenstillstand von politischen Zusagen Moskaus, Kiews und Washingtons abhängt.