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Stündlich aktualisiert

Politik · Bahnkatastrophe in Spanien

Mindestens 68 Tote nach Zugkollision in Spanien

Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Sevilla sind zwei Züge zusammengestoßen. Ermittlungen richten sich auf eine mögliche Fehlentscheidung in der Leitstelle.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke in Spanien steht nach dem schweren Zugunglück im Mittelpunkt der Ermittlungen.
Symbolbild: Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke in Spanien steht nach dem schweren Zugunglück im Mittelpunkt der Ermittlungen. KI-generiert

Mindestens 68 Menschen sind bei einer Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien ums Leben gekommen. Mehr als 100 weitere wurden verletzt. Der Unfall ereignete sich am Mittwochmorgen nahe Urda in der Provinz Toledo auf der Verbindung zwischen Madrid und Sevilla. Nach ersten Angaben fuhr ein Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf. Die Suche nach weiteren Opfern dauerte in der Nacht zum Donnerstag an.

Suche in den Wracks geht weiter

Einsatzkräfte arbeiteten in der Nacht mit Flutlicht an der Unglücksstelle, rund 130 Kilometer südlich von Madrid. Drei Kräne sollten zwei besonders stark beschädigte Wagen anheben. Behörden schlossen nicht aus, dass sich noch weitere Menschen in den Trümmern befinden. Viele Angehörige suchten weiter nach Vermissten. Zur Identifizierung wurden DNA-Proben in Madrid, Toledo, Córdoba und Sevilla entnommen.

In den beiden Zügen befanden sich insgesamt mehr als 540 Fahrgäste. Nach Behördenangaben reisten im Iryo-Zug 146 Passagiere und ein Kleinkind, im Renfe-Zug 397 Menschen. Mehrere Wagen stürzten nach dem Zusammenstoß einen Bahndamm hinunter, weitere entgleisten. Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beiden Richtungen gestoppt.

Zu den Verletzten lagen am Mittwoch unterschiedliche Angaben vor. Die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha meldete mehr als 100 Verletzte, 53 Menschen wurden demnach weiter in Krankenhäusern behandelt. Verkehrsminister Óscar Puente sprach von 58 Verletzten in Kliniken, darunter 15 in kritischem Zustand. Krankenhäuser in Madrid und Kastilien-La Mancha bereiteten zusätzliche Intensivbetten und Operationssäle vor. Zudem wurde zu Blutspenden aufgerufen.

Leitstelle im Fokus der Ermittlungen

Die Ermittlungen richten sich auf die Abläufe nach einer technischen Störung. Nach Angaben des Verkehrsministers war gegen 8.30 Uhr das automatische Zugsicherungssystem ausgefallen. Dieses System überwacht auf der Strecke die Fahrt der Züge und kann bei Gefahr automatisch eingreifen. Bei größeren Störungen übernimmt die Leitstelle eine zentrale Rolle.

Nach ersten Erkenntnissen standen nach dem Ausfall zunächst mehrere Züge. Der Iryo-Zug befand sich demnach rund 25 Kilometer vor dem Renfe-Zug auf der Strecke. Trotzdem erhielt der Renfe-Zug offenbar die Freigabe zur Weiterfahrt. Puente nannte diese Entscheidung „unerklärlich“ und „falsch“. Ob tatsächlich menschliches Fehlverhalten vorlag, soll die Untersuchung klären.

Nach den bisherigen Angaben war das Signal für den Renfe-Zug rot. Dennoch durfte er weiterfahren und erreichte den stehenden Zug etwa 17 Minuten später. Unter den Bedingungen eines ausgefallenen Sicherungssystems wären strenge Vorgaben für langsames Fahren und Sichtfahrt maßgeblich gewesen. Polizei und die unabhängige Unfalluntersuchungsbehörde befragten bereits den zuständigen Mitarbeiter. Die Behörde mahnte zugleich, es sei zu früh für endgültige Aussagen zur Ursache.

Staatstrauer und politischer Druck

Ministerpräsident Pedro Sánchez rief eine dreitägige Staatstrauer bis Samstag aus. An der Unglücksstelle versprach er umfassende Aufklärung. Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, werde dies ans Licht kommen, sagte Sánchez. Für Spanien seien zwei schwere Unfälle mit Hochgeschwindigkeitszügen innerhalb eines Jahres nicht akzeptabel. Vorrang hätten nun die Versorgung der Verletzten und die Betreuung der Angehörigen.

Am Mittwochabend gedachten Menschen in vielen Städten der Opfer. Vor Rathäusern im ganzen Land gab es eine Schweigeminute, unter anderem in Madrid, Barcelona, Valencia und Saragossa. Auch aus Deutschland und von der EU kamen Beileidsbekundungen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, er sei „tief betroffen“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb, Europa trauere mit Spanien.

Die Katastrophe trifft Spanien in einer politisch angespannten Lage. Einen Monat vor der vorgezogenen Parlamentswahl warf die Opposition der Regierung Versagen vor. In Madrid kam es vor dem Verkehrsministerium zu Protesten, bei denen es nach Angaben staatlicher Stellen zu Spannungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei kam.

Zweites schweres Unglück in diesem Jahr

Der Unfall weckt Erinnerungen an das Zugunglück von Adamuz in Andalusien im Januar. Damals stießen ein entgleister Iryo-Zug und ein entgegenkommender Renfe-Zug zusammen. 46 Menschen starben, mehr als 120 wurden verletzt. Danach sagte die Regierung zusätzliche Mittel von 1,8 Milliarden Euro für Maßnahmen im Bahnnetz zu, darunter Wartungsarbeiten in den Jahren 2026 bis 2030.

Spaniens Hochgeschwindigkeitsnetz gilt als eines der größten weltweit. Es umfasst fast 4.000 Schienenkilometer und verbindet Madrid mit zahlreichen Regionen, darunter Barcelona, Valencia, Málaga, Alicante sowie Städte im Norden. Mehr als 40 Millionen Fahrgäste nutzen das Netz jährlich. Nach den beiden Katastrophen steht nun die Sicherheit dieses Systems erneut im Zentrum der politischen Debatte.