Politik · Krieg in der Ukraine
Mindestens 26 Tote nach Angriff bei Saporischschja
Bei einem russischen Luftangriff auf ein Hilfszentrum in der südukrainischen Region Saporischschja sind nach ukrainischen Angaben mindestens 26 Menschen getötet worden. Getroffen wurde demnach eine Schule im Dorf Komyschuwacha, in der humanitäre Hilfe ausgegeben wurde. Unter den Toten sind auch zwei Rettungskräfte und vier Polizisten. Mindestens fünf weitere Menschen wurden verletzt. In den Trümmern wird weiter gesucht; ukrainische Angaben nennen mindestens 25 bis 27 Menschen, die noch vermisst werden oder unter den Resten des Gebäudes vermutet werden.
Angriff auf eine Ausgabestelle
Das betroffene Schulgebäude diente nach Angaben ukrainischer Rettungsdienste als Ort für die Verteilung von Hilfsgütern. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dort hätten verbliebene Einwohnerinnen und Einwohner regelmäßig Unterstützung erhalten. Der Angriff traf damit einen Ort, an dem sich Zivilpersonen wegen humanitärer Versorgung versammelt hatten.
Selenskyj warf Russland vor, die Einrichtung bewusst angegriffen zu haben. Nach seiner Darstellung schlugen die Geschosse in zwei Wellen ein. Die erste Attacke habe die Menschen während der Ausgabe von Hilfsgütern getroffen. Eine weitere Salve sei erfolgt, als Einsatzkräfte bereits nach Opfern suchten. Der Präsident sprach von Vorgehen nach terroristischem Muster.
Nach ukrainischen Angaben kamen bei dem Angriff zehn gelenkte Bomben in dem Gebiet nieder. Neben der als Hilfszentrum genutzten Schule befand sich dort auch eine nahegelegene Notunterkunft. Selenskyj erklärte, Russland habe wissen müssen, dass an diesem Ort jede Woche humanitäre Hilfe verteilt werde.
Suche in den Trümmern dauert an
Die Rettungsarbeiten konzentrieren sich auf die Reste des zerstörten Gebäudes. Einsatzkräfte suchen nach Menschen, die verschüttet sein könnten. Der regionale Militärverwalter Mychajlo Semikin nannte 27 Vermisste. Rettungsdienste gingen zudem davon aus, dass sich noch mindestens 25 Menschen unter den Trümmern befinden könnten.
Die Zahl der Todesopfer kann sich deshalb weiter erhöhen. Zu den bislang bestätigten Toten zählen neben Zivilpersonen auch Angehörige der Polizei und des Rettungsdienstes. Gerade der Tod von Einsatzkräften weist darauf hin, dass der zweite Einschlag nach Beginn der Bergungsarbeiten erfolgt sein soll.
Selenskyj forderte eine deutliche internationale Reaktion. Er schrieb, Russland wolle keine Deeskalation. Mit dem Angriff habe Moskau ein Signal gesetzt, das auf weitere Gewalt hinauslaufe. Wörtlich erklärte er: „Russland zählt auf weitere Morde.“
Ort nahe der Frontlinie
Komyschuwacha liegt rund 25 Kilometer östlich der Stadt Saporischschja und gut ein Dutzend Kilometer von der Front entfernt. Die Lage macht den Ort besonders anfällig für Angriffe. Viele Menschen sind aus frontnahen Gebieten geflohen, andere bleiben trotz der Gefahr in ihren Gemeinden und sind auf Hilfslieferungen angewiesen.
Die Region Saporischschja wird seit Monaten immer wieder angegriffen. Mitte Oktober starben bei einer Attacke auf die Großstadt Saporischschja 23 Menschen, darunter vier Minderjährige. Auch Lagergebäude und andere zivile Infrastruktur in der Umgebung wurden wiederholt getroffen.
Der jüngste Angriff verschärft die Lage für die Bevölkerung in der Nähe der Front. Wenn Orte der Versorgung beschädigt oder zerstört werden, fehlen nicht nur Lebensmittel, Wasser oder medizinische Güter. Auch die Verteilung weiterer Hilfe wird schwieriger. Für Rettungsdienste und Polizei steigt zugleich das Risiko, selbst Ziel weiterer Einschläge zu werden, während sie nach Verschütteten suchen oder Verletzte versorgen.