Politik · Asienreise des Kanzlers
Merz wirbt in Seoul für Handel und Koreas Einheit
Bundeskanzler Friedrich Merz hat zum Abschluss seiner fünftägigen Asienreise in Südkorea die innerkoreanische Grenzzone besucht und die Hoffnung auf eine friedliche Annäherung der beiden koreanischen Staaten formuliert. Zugleich warb der CDU-Politiker am Freitag in Seoul für engere Handels- und Sicherheitspartnerschaften mit Staaten im Indopazifik. Die Reise führte ihn zuvor nach Singapur und Japan.
Besuch an der innerkoreanischen Grenze
Merz nutzte den Aufenthalt in der entmilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea für einen Verweis auf die deutsche Geschichte. In Südkorea sei er häufig nach den deutschen Erfahrungen mit Teilung und Wiedervereinigung gefragt worden, sagte der Kanzler. Deutschland müsse eine solche Trennung seit 36 Jahren nicht mehr erleben. Für die koreanische Halbinsel äußerte er die Hoffnung, dass auch dort eines Tages staatliche Einheit möglich werde.
An der Demarkationslinie werde besonders deutlich, wie stark ein Land unter einer dauerhaften Trennung stehe, sagte Merz sinngemäß. Die Grenze wird von Soldaten der Vereinten Nationen überwacht. Auch Angehörige der Bundeswehr sind dort eingesetzt. Die UN-Mission soll den Waffenstillstand absichern, der den Koreakrieg 1953 beendete. Einen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea gibt es bis heute nicht.
Die politische Lage auf der Halbinsel hat sich in den vergangenen Jahren weiter verhärtet. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erklärte Anfang 2024 eine friedliche Annäherung an Südkorea für nicht mehr erreichbar. Ein Gremium, das Wege zu einer Wiedervereinigung prüfen sollte, wurde aufgelöst. Später wurden Hinweise auf eine mögliche Einheit aus der nordkoreanischen Verfassung gestrichen. Zudem kappte Pjöngjang historische Straßen- und Bahnverbindungen zwischen beiden Staaten und ließ Grenzanlagen weiter ausbauen.
Handel mit gleichgesinnten Partnern
Neben Sicherheitspolitik stand Wirtschaft im Mittelpunkt der Reise. Bei der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Seoul warb Merz für ein weltweites Netzwerk von Staaten, die offene Märkte und verbindliche internationale Regeln stützen. Die Europäische Union solle dabei eine führende Rolle übernehmen.
Mit Singapur, Japan und Südkorea bestehen bereits Freihandelsabkommen der EU. Merz will darüber hinaus eine breitere Zusammenarbeit mit Partnern im Indopazifik vorantreiben. Ziel ist eine größere Unabhängigkeit bei Lieferketten und Rohstoffen. Perspektivisch setzt sich der Kanzler auch für ein Abkommen zwischen der EU und den Asean-Staaten ein.
Die drei Stationen der Reise haben aus Sicht der Bundesregierung ähnliche Ausgangspunkte: starke Industrie, enge Einbindung in den Welthandel, Rohstoffabhängigkeit und sicherheitspolitische Bindungen an die USA. Zugleich stehen die Staaten unter dem Eindruck wachsender Spannungen mit Russland, China oder Nordkorea. Merz sieht darin einen Grund, die Zusammenarbeit demokratischer Industrie- und Handelsnationen enger zu organisieren.
Sicherheitspolitische Signale
In Japan vereinbarte Merz eine engere Zusammenarbeit in Verteidigungs- und Wirtschaftsfragen. Auch mögliche Kooperationen in Rüstungsprojekten spielten eine Rolle. Während der Reise wurde zudem über neue Formen sicherheitspolitischer Abstimmung gesprochen. In Südkorea verständigten sich beide Seiten auf mehr Austausch zu Verteidigung und Sicherheitsfragen.
Besonders im Blick steht Nordkoreas Nähe zu Russland. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine unterstützt Pjöngjang Moskau nach westlichen und südkoreanischen Einschätzungen mit Munition, Raketen und Soldaten. Der südkoreanische Geheimdienst geht von etwa 15.000 nordkoreanischen Soldaten aus, die Russland verstärken sollten. Für Merz ist das ein Beleg dafür, dass Konflikte in Asien direkte Folgen für Europa haben können. „Sicherheit ist nicht mehr teilbar“, sagte der Kanzler.
Zu den jüngsten Spannungen zählt auch der Abschuss mehrerer ballistischer Raketen durch Nordkorea in Richtung Japanisches Meer. Für Südkorea, Japan und Deutschland verstärkt dies den Druck, Verteidigung, Informationsaustausch und wirtschaftliche Resilienz zusammenzudenken.
Einordnung
Merz verbindet seine Asienreise mit dem Anspruch, Deutschland stärker als Partner im Indopazifik zu positionieren. Dabei geht es nicht nur um Exportmärkte, sondern auch um politische Ordnung, Lieferketten, Rohstoffe und Verteidigung. Die Station in Südkorea gab der Reise zusätzlich eine historische Dimension: Die deutsche Wiedervereinigung dient dort als Bezugspunkt, während die koreanische Teilung weiter ungelöst bleibt. Für Freitagabend ist die Rückreise des Kanzlers nach Deutschland vorgesehen.