Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Politik · Regeln für KI

Mehrheit fordert globale Regeln für Künstliche Intelligenz

Eine Forsa-Umfrage zeigt breite Zustimmung zu internationalen KI-Vorgaben. Auch Beschäftigte in MINT-Berufen verlangen klare Regeln, während KI Arbeitsprofile stark verändert.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Debatte über Künstliche Intelligenz verbindet politische Regulierung mit Fragen des digitalen Vertrauens.
Symbolbild: Die Debatte über Künstliche Intelligenz verbindet politische Regulierung mit Fragen des digitalen Vertrauens. KI-generiert

Eine sehr große Mehrheit der Menschen in Deutschland hält internationale Vorgaben für Künstliche Intelligenz für notwendig. In einer repräsentativen Forsa-Befragung bewerteten 89 Prozent der Teilnehmenden globale Regeln als wichtig oder sehr wichtig. Die Zahlen fallen in eine politische Debatte, in der es um den Umgang mit KI-Anwendungen, manipulierten Inhalten und mögliche Schutzvorgaben geht. Auch in der Arbeitswelt wächst der Wunsch nach klaren Leitlinien.

Breite Zustimmung zu Regulierung

Nach der Forsa-Erhebung sehen 70 Prozent der Befragten weltweit abgestimmte KI-Regeln als sehr wichtig an. Weitere 19 Prozent stufen solche Vorgaben als wichtig ein. Nur 9 Prozent halten eine internationale Regulierung für weniger wichtig oder gar nicht wichtig.

Für die Umfrage wurden am 9. und 12. Oktober insgesamt 1.000 Menschen befragt. Die Erhebung gilt als repräsentativ. Sie zeigt, dass der Wunsch nach gemeinsamen Regeln nicht nur eine Forderung einzelner politischer Gruppen ist, sondern in vielen Bevölkerungsgruppen verankert ist.

Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es bei der grundsätzlichen Zustimmung kaum Unterschiede. Männer bewerten globale KI-Vorgaben etwas seltener als sehr wichtig als Frauen. Bei Männern liegt dieser Wert bei 68 Prozent, bei Frauen bei 72 Prozent.

Jüngere gewichten das Thema anders

Deutlichere Unterschiede zeigen sich beim Alter. Unter den 18- bis 29-Jährigen halten 47 Prozent weltweite Regeln für KI für sehr wichtig, weitere 38 Prozent für wichtig. In den älteren Gruppen fällt die Einstufung als sehr wichtig höher aus. Bei den 30- bis 44-Jährigen sind es 70 Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen 79 Prozent. In der Gruppe ab 60 Jahren liegt der Wert bei 77 Prozent.

Auch der Bildungsabschluss spielt eine Rolle. Befragte mit Abitur bewerten internationale Regeln häufiger als sehr wichtig als Menschen mit anderen Abschlüssen. Der Anteil liegt hier bei 79 Prozent. Bei Personen mit Mittlerer Reife sind es 66 Prozent, bei Menschen mit Hauptschulabschluss 61 Prozent.

Nach Parteipräferenz fallen die Unterschiede besonders deutlich aus. Unter den Befragten mit Nähe zu den Grünen halten 93 Prozent weltweite KI-Regeln für sehr wichtig. Bei Anhängerinnen und Anhängern von CDU/CSU und SPD ist die Ablehnung besonders gering: Nur jeweils 1 Prozent bewertet solche Vorgaben als weniger wichtig oder gar nicht wichtig. Bei der AfD liegt dieser Anteil bei 26 Prozent; 49 Prozent der AfD-Anhängerinnen und -Anhänger stufen globale Regeln dennoch als sehr wichtig ein, 22 Prozent als wichtig.

KI verändert Berufe spürbar

Parallel zur politischen Debatte zeigen Daten aus der Arbeitswelt, wie stark KI bereits in berufliche Abläufe eingreift. Eine YouGov-Befragung unter 817 Erwerbstätigen aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik im Auftrag der Personalberatung SThree ergab: 38,4 Prozent berichten, dass in ihrem Team innerhalb eines Jahres Kolleginnen oder Kollegen aus KI-bezogenen Gründen das Unternehmen verlassen haben.

Als häufigsten Grund nennen Betroffene starke Veränderungen der Tätigkeiten. 52,2 Prozent derjenigen, die solche Abgänge beobachtet haben, verweisen darauf, dass sich die Arbeit grundlegend verändert habe. 46,5 Prozent nennen fehlende Entwicklungsmöglichkeiten. 36,9 Prozent geben eine nicht mehr tragbare Belastung als Grund an.

Besonders betroffen sind demnach Life Sciences, also Bereiche wie Biowissenschaften und Medizin. Dort berichten 56,8 Prozent von KI-bedingten Abgängen im Team. In der IT liegt der Wert bei 28,9 Prozent, im Ingenieurwesen bei 29,6 Prozent.

Wunsch nach Leitplanken

Die Beschäftigten bewerten KI nicht nur negativ. Unter den KI-Nutzerinnen und -Nutzern geben 66,8 Prozent an, ihr Team sei heute produktiver als vor zwei Jahren. Gewonnene Zeit fließt häufig in strategische Überlegungen, Weiterbildung oder zusätzliche Aufgaben.

Auch die emotionale Bewertung fällt überwiegend offen aus. Begriffe wie anregend, Neugier und spannend werden häufiger genannt als Druck oder Angst. Zugleich zeigen die Antworten, dass Beschäftigte mehr Orientierung erwarten. In offenen Antworten nennen sie vor allem Weiterbildung, klare Einsatzregeln und eine frühzeitige Einbindung durch Führungskräfte.

Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander: In der Bevölkerung gibt es große Zustimmung zu internationaler Regulierung, während Fachkräfte im Arbeitsalltag konkrete Regeln verlangen. Die Debatte über KI-Vorgaben betrifft daher nicht nur technische Risiken, sondern auch Vertrauen, Arbeitsorganisation und Verantwortlichkeiten.