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Stündlich aktualisiert

Politik · Bundeswehr an der Küste

Marine plant Ausbau an Nord- und Ostsee

Die Deutsche Marine soll in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Dafür sind neue Häfen, modernisierte Stützpunkte und Milliardeninvestitionen an mehreren Küstenstandorten vorgesehen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Marinestützpunkt an der Küste steht für den geplanten Ausbau der Bundeswehr zur See.
Symbolbild: Ein Marinestützpunkt an der Küste steht für den geplanten Ausbau der Bundeswehr zur See. KI-generiert

Die Deutsche Marine bereitet sich auf einen deutlichen Ausbau vor. Nach Angaben der Marine umfasst die Flotte derzeit 47 Schiffe und zwei Tanker, dazu kommen 15.900 Soldatinnen und Soldaten. Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht angesichts wachsender Aufgaben zusätzlichen Bedarf bei Personal, Schiffen und Infrastruktur. Geplant sind neue Einheiten, moderne Waffensysteme, unbemannte Technik und der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Der Ausbau betrifft zahlreiche Standorte an Nord- und Ostsee.

Neuer Hafen in Emden

Das größte Vorhaben entsteht voraussichtlich in Emden. Dort soll bis Anfang der 2030er Jahre ein neuer Marinehafen an der Emsmündung gebaut werden. Die vorgesehene Fläche entspricht etwa 630 Fußballfeldern. Künftig sollen dort bis zu 2.000 Soldatinnen und Soldaten sowie Versorgungs- und Unterstützungsschiffe stationiert werden.

Wilhelmshaven bleibt zugleich der wichtigste Standort an der Nordseeküste. Der Stützpunkt Heppenser Groden ist der größte Marinestandort in Deutschland. Dort arbeiten rund 10.000 militärische und zivile Beschäftigte. Neben Fregatten, Einsatzgruppenversorgern und Tankern gehören auch ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum zum Standort. Weil die Zahl großer Einheiten von 15 auf 20 steigen soll, entstehen zusätzliche Gebäude.

Auch Bremerhaven wird ausgebaut. Der Hafen und der Flughafen Bremen sollen im Verteidigungsfall als wichtiges Drehkreuz für Personal und Material verbündeter Streitkräfte dienen. Der Bund plant dafür Investitionen von rund 1,35 Milliarden Euro. Vorgesehen sind mehr als 40 Einzelmaßnahmen, darunter zusätzliche Schwerlastflächen, neue Brücken, tiefere Hafenbecken sowie bessere Straßen- und Bahnverbindungen. Die Arbeiten sollen bis 2031 beendet sein.

Optionen an der Nordseeküste

Cuxhaven spielt bislang keine feste Rolle in der aktuellen Stationierungsplanung. Der frühere Marinestützpunkt wurde Anfang der 1990er Jahre aufgegeben. Oberbürgermeister Uwe Santjer sieht derzeit keine ausreichenden Kapazitäten für eine Reaktivierung. Zugleich hält er es für denkbar, dass der Hafen im Ernstfall als Ausweichstandort dient, falls Bremerhaven oder Emden nicht nutzbar sein sollten. Dafür wären nach seinen Angaben weitere Investitionen nötig.

In Nordholz liegt das einzige Marinefliegerkommando. Dort sind etwa 2.500 Soldatinnen und Soldaten stationiert. Der Standort an der Wurster Nordseeküste soll für 400 Millionen Euro modernisiert werden und nach den Plänen der Bundeswehr zu einem besonders leistungsfähigen Luftlandeplatz in Europa werden. Parallel werden die fliegenden Systeme erneuert. Vorgesehen sind 18 Mehrzweckhubschrauber, 31 Bordhubschrauber und acht Seefernaufklärer.

Kiel, Eckernförde und Rostock

An der Ostsee ist Kiel der größte Stützpunkt. Dort sind unter anderem das einzige Minensuchgeschwader, das Unterstützungsgeschwader und die Einsatzflottille 1 angesiedelt. Hinzu kommt ein Nato-Zentrum für Einsätze in flachen und engen Küstengewässern. Rund 4.000 Dienstposten gibt es bereits, mindestens 1.500 weitere sollen entstehen. Das bislang in Eckernförde beheimatete Seebataillon soll nach Kiel wechseln. Teile eines früheren Marinefliegergeländes in Holtenau sollen wieder an die Bundeswehr gehen; der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet. Außerdem will die Marine den Hafen ausbauen und den benachbarten Scheerhafen übernehmen.

Eckernförde bleibt zentral für die U-Boot-Flotte und die Spezialkräfte der Marine. Dort liegen die sechs deutschen U-Boote, außerdem befindet sich dort die Ausbildung für künftige U-Boot-Besatzungen. Insgesamt arbeiten am Standort etwa 3.000 militärische und zivile Beschäftigte. Die U-Boot-Flotte soll um Boote des Typs 212CD ergänzt werden, die in Kiel für Deutschland und Norwegen gebaut werden. Kanada soll als weiterer Partner hinzukommen. Pistorius stellte Investitionen von 500 Millionen Euro in Aussicht, vor allem für Wasserbau.

Rostock hat in den vergangenen Jahren zusätzlich an Gewicht gewonnen. Seit 2012 sitzt dort das Marinekommando, die höchste Führungsebene der Teilstreitkraft. Am Standort sind rund 1.800 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 300 zivile Beschäftigte tätig. Dazu gehört auch Warnemünde mit dem 1. Korvettengeschwader und einer Werft zur Wartung von Marineschiffen.

Strategischer Hintergrund

Die Ausbaupläne fallen in eine Phase, in der die Bundeswehr ihre Einsatzbereitschaft und Verteidigungsfähigkeit stärken soll. Für die Marine bedeutet das nicht nur mehr Schiffe, sondern auch neue Liegeplätze, Werkstätten, Verkehrsflächen, Ausbildungsbereiche und Unterkünfte. Der geplante Aufwuchs verändert damit viele Küstenorte zugleich militärisch, wirtschaftlich und infrastrukturell.