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Stündlich aktualisiert

Politik · Krieg in der Ukraine

Kiew kämpft nach Raketenangriffen mit Ausfällen

Russische Raketen haben Kiew und das Umland getroffen. Die Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme ist angespannt, zugleich streiten Selenskyj und Klitschko über Verantwortung.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ausfälle bei Strom, Wasser und Wärme belasten Kiew nach russischen Angriffen auf Energieanlagen.
Symbolbild: Ausfälle bei Strom, Wasser und Wärme belasten Kiew nach russischen Angriffen auf Energieanlagen. KI-generiert

Russland hat Kiew und das Umland in mehreren Wellen mit Raketen angegriffen. In der Hauptstadt sind Strom, Wasser und Fernwärme teils stark beeinträchtigt, Wohnhäuser und ein Kindergarten wurden beschädigt. Parallel verschärft sich ein Streit zwischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und Bürgermeister Vitali Klitschko über die Vorbereitung der Stadt auf den Winter.

Infrastruktur unter Beschuss

In der Nacht und am frühen Morgen waren in Kiew zahlreiche Detonationen zu hören. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko gab es Einschläge oder Explosionen sowohl im Zentrum als auch in Randbezirken. Er erklärte auf Telegram, Russland habe auch ballistische Raketen eingesetzt. Diese gelten wegen ihrer hohen Geschwindigkeit als besonders schwer abzufangen.

Die ukrainische Militärverwaltung meldete Schäden an mehreren Wohnhäusern und an einem Kindergarten. Bei der Zahl der Verletzten gehen die Angaben auseinander: Die Verwaltung nannte zwei Verletzte, Klitschko sprach später von fünf Verletzten, darunter ein 14-jähriges Kind. Außerdem wurde nach seinen Angaben eine wichtige Dnipro-Querung beschädigt, die die westlichen und östlichen Teile der Stadt verbindet.

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe richteten sich die Angriffe gegen Wärmekraftwerke und ein Umspannwerk. Russland nimmt seit Wochen wieder häufiger Energieanlagen in der Ukraine ins Visier. Die Folgen sind vielerorts Stromabschaltungen, Probleme bei der Wasserversorgung und Ausfälle der Heizung.

Versorgung in Kiew angespannt

Klitschko beschrieb die Lage bei der Elektrizität in Kiew als äußerst schwierig. Auch Wasser und Fernwärme seien betroffen. Für die Millionenstadt bedeutet das eine zusätzliche Belastung zu Beginn der kalten Jahreszeit. In der Ukraine leben wegen der Angriffe bereits zahlreiche Menschen immer wieder ohne stabile Versorgung mit Strom, Wärme oder Wasser.

Besonders kritisch ist die Lage, wenn Pumpen und technische Anlagen ohne Strom ausfallen. Vor Ort wird versucht, die Versorgung mit kleinen Kraftwerken, größeren Generatoren und Notbrunnen abzusichern. Dadurch sollen Wasserausfälle begrenzt und gesundheitliche Risiken durch mangelnde Hygiene verringert werden.

Präsident Selenskyj hatte bereits am Freitagabend vor weiteren russischen Angriffen auf Energieanlagen und auf Brücken über den Dnipro gewarnt. Kurz darauf trafen neue Raketen die Hauptstadtregion.

Selenskyj und Klitschko streiten offen

Die Versorgungskrise hat auch einen innenpolitischen Konflikt sichtbar gemacht. Selenskyj warf der Stadtführung in Kiew vor, Vorgaben zur Vorbereitung auf die Heizperiode nicht ausreichend umgesetzt zu haben. Die Folgen seien nun in der Hauptstadt besonders gravierend, schrieb er auf Telegram. Zugleich sprach er von einer russischen Operation gegen die ukrainische Energiewirtschaft.

Klitschko wies die Kritik zurück. Er fragte, wie Kiew einer russischen Operation gegen die Energieinfrastruktur hätte vorbeugen sollen. Zudem verwies er darauf, dass seit dem 16. Oktober Fernwärme in der Hauptstadt geliefert werde. Vertreter der Stadt seien nach seiner Darstellung nicht zu den Beratungen eingeladen worden, auf die sich Selenskyj bezogen hatte.

Der Bürgermeister verschärfte den Ton und nannte die Vorwürfe „Manipulation“ und „Lüge“. Er stellte sich hinter die Einsatzkräfte, die unter gefährlichen Bedingungen rund um die Uhr an Reparaturen arbeiteten. Klitschko forderte, in der akuten Lage nicht nach Schuldigen zu suchen, sondern Behörden, Fachleute und Versorger zusammenarbeiten zu lassen.

Weitere Hilfe und wenig Hoffnung auf Ruhe

Selenskyj kündigte zusätzliche Unterstützung für Betroffene der Stromausfälle an. Mit Deutschland und Spanien gebe es neue Vereinbarungen über Lieferungen von Generatoren, Kabeln und weiterer Ausrüstung. Probleme bestehen demnach nicht nur in Kiew, sondern auch in Dnipro, Charkiw, Odessa und deren Umgebung sowie in mehreren Regionen, darunter Schytomyr, Sumy, Tscherkassy, Poltawa und Winnyzja.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zeigte sich mit Blick auf geplante Gespräche der USA, Russlands und der Ukraine in Abu Dhabi zurückhaltend. Eine Waffenruhe hänge vor allem von Russlands Präsident Wladimir Putin und dem Vorgehen von US-Präsident Donald Trump ab. Die vergangenen Monate gäben wenig Anlass zur Erwartung, dass rasch ein Waffenstillstand oder Frieden erreicht werde.

Die Angriffe auf Energieanlagen sind für die Ukraine militärisch und gesellschaftlich besonders belastend. Sie treffen nicht nur die Stromerzeugung, sondern auch Wasser, Wärme, Verkehr und Krankenversorgung. Deshalb wird die Stabilität der Energieinfrastruktur im Winter zu einem zentralen Faktor für das Durchhaltevermögen des Landes.