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Politik · Künstliche Intelligenz

KI-Deepfake belastet Wahlkampf in Spanien

Ein von der konservativen PP verbreitetes KI-Video über Personen aus dem Umfeld von Pedro Sánchez löst Empörung aus. Kritiker warnen vor Täuschung im Wahlkampf.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: KI-generierte Inhalte im politischen Umfeld können echte Aussagen vortäuschen.
Symbolbild: KI-generierte Inhalte im politischen Umfeld können echte Aussagen vortäuschen. KI-generiert

Ein KI-generiertes Wahlkampfvideo der konservativen Volkspartei Partido Popular sorgt in Spanien für heftige Kritik. Der Clip zeigt künstlich erzeugte Darstellungen mehrerer Personen aus dem Umfeld des linken Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, darunter seine Ehefrau Begoña Gómez. Kurz vor der Parlamentswahl Ende November entfacht der Fall eine Debatte darüber, wie politische Parteien mit Deepfakes umgehen dürfen und wie deutlich solche Inhalte gekennzeichnet werden müssen.

Künstliche Aussagen im Wahlkampf

Das Video wurde über soziale Netzwerke verbreitet. Zu sehen ist zunächst eine digital nachgebildete Person, die Begoña Gómez ähnelt und scheinbar direkt in die Kamera spricht. In dem Clip wird ihr eine Aussage zugeschrieben, die wie ein Eingeständnis wirken kann. Sie spielt auf laufende Ermittlungen an, die von rechten Kreisen angestoßen wurden. Gómez hat ein Fehlverhalten bislang zurückgewiesen.

Auch weitere Personen aus dem Umfeld von Sánchez werden in dem Video künstlich dargestellt. Der Clip erweckt den Eindruck, sie würden sich zu schweren Vorwürfen äußern, etwa zu Bestechung oder zur Beauftragung gewalttätiger Helfer. Die Aussagen stammen jedoch nicht von den realen Personen, sondern sind Teil einer KI-Produktion.

Am unteren Rand des Videos befindet sich ein Hinweis darauf, dass der Inhalt mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Nach Kritikern ist diese Kennzeichnung allerdings kaum wahrnehmbar. Sie beanstanden, dass ein politischer Clip mit täuschend echten Darstellungen die Grenze zwischen satirischer Zuspitzung und Irreführung verwische.

Regierung spricht von Täuschung

Die Sozialistische Partei von Ministerpräsident Sánchez reagierte scharf. Óscar López, Spaniens Minister für digitale Transformation, warf der konservativen Partei vor, mit dem Video eine massive Unwahrheit zu verbreiten. Eine Partei tue dies über ihre eigenen Kanäle, sagte López am Freitag. Das sei für ihn nicht hinnehmbar.

Der Minister warnte außerdem vor der Wirkung auf Menschen, die mit KI-Technik nicht vertraut sind. Für sie könne ein solcher Clip leicht wie echtes Bildmaterial aussehen. López bezeichnete den Vorgang als äußerst gravierend. Seine Kritik richtet sich damit nicht nur gegen den konkreten Inhalt, sondern auch gegen die Art der Kennzeichnung.

Medienberichten zufolge hat eine der in dem Video künstlich nachgebildeten Personen rechtliche Schritte gegen die Partido Popular eingeleitet. Welche Folgen eine solche Klage haben könnte, ist offen. Der Fall zeigt aber, dass politische Deepfakes nicht nur ein kommunikatives Problem sind, sondern auch juristische Auseinandersetzungen auslösen können.

PP weist Vorwürfe zurück

Die konservative Partei verteidigt das Video. Parteivertreter Borja Sémper erklärte, es wäre problematisch, wenn die Absicht bestanden hätte, die dargestellten Figuren als real auszugeben. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen. Aus Sicht der PP sei erkennbar, dass digitale Mittel verwendet worden seien. Das Video solle nach Darstellung der Partei die politische Haltung der Sozialisten angreifen.

Kritik kommt auch aus der Wissenschaft. Der Politikwissenschaftler José Javier Olivas Osuna, der zu Populismus, Verschwörungstheorien und Voreingenommenheiten künstlicher Intelligenz forscht, bezeichnete den Einsatz von KI-generierten Deepfakes im Wahlkampf einer Regierungspartei in spe als bedauerlich. Er kritisierte besonders, dass ein offizieller Parteiauftritt solche Inhalte verbreitet.

Streit über Regeln für KI-Inhalte

Der Vorgang fällt in eine Phase, in der KI-Werkzeuge immer leichter verfügbar sind. Digitale Stimmen, Gesichter und Bewegungen können dadurch täuschend echt wirken, auch wenn sie vollständig künstlich erzeugt wurden. Im politischen Wettbewerb verschärft das die Frage, wie Wählerinnen und Wähler zwischen echten Aussagen und manipulierten Darstellungen unterscheiden sollen.

In Spanien ist der Streit nun Teil des Wahlkampfs. Im Mittelpunkt steht nicht nur der konkrete Angriff auf Sánchez und sein Umfeld, sondern auch die grundsätzliche Verantwortung politischer Akteure. Eine kaum sichtbare Kennzeichnung reicht Kritikern nicht aus, wenn ein Video den Eindruck echter Aussagen erzeugt. Die Debatte dürfte deshalb über den einzelnen Clip hinausreichen.