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Stündlich aktualisiert

Politik · Nahost-Konflikt

Israel bereitet Abriegelung des Westjordanlands vor

Nach einem Schusswaffenangriff bei Hebron will Israels Regierung das Westjordanland abriegeln. Mehrere Israelis wurden verletzt, zwei mutmaßliche Angreifer getötet.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein gesperrter Kontrollpunkt steht für die angekündigte Abriegelung des Westjordanlands.
Symbolbild: Ein gesperrter Kontrollpunkt steht für die angekündigte Abriegelung des Westjordanlands. KI-generiert

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Sicherheitskräfte angewiesen, eine umfassende Sperrung des gesamten Westjordanlands vorzubereiten. Hintergrund ist ein Angriff nahe Hebron am Freitagmorgen, bei dem mehrere Israelis verletzt wurden, einige von ihnen schwer oder lebensgefährlich. Zwei mutmaßlich palästinensische Angreifer wurden nach israelischen Angaben getötet. Die Stadt Hebron soll bereits abgeriegelt werden.

Hebron soll sofort gesperrt werden

Das Büro des Ministerpräsidenten teilte nach einer Sicherheitsberatung mit, Netanjahu habe entsprechende Anweisungen an die Einsatzkräfte gegeben. An der Besprechung nahmen demnach auch Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Ejal Zamir teil. Neben der sofortigen Sperrung Hebrons sollen Vorbereitungen für eine Schließung des gesamten besetzten Westjordanlands getroffen werden. Gemeint ist, dass Übergänge in das Gebiet geschlossen werden.

Nach Angaben aus dem Umfeld der Regierung soll die umfassende Maßnahme ab Freitag vorbereitet werden. Eine genaue Dauer wurde nicht genannt. In der Region errichtete das Militär Straßensperren und schloss palästinensische Ortschaften im Umfeld von Hebron zeitweise ab.

Netanjahu erklärte, israelische Kräfte hätten einen schweren Anschlag verhindert. Außerdem seien umfangreiche Festnahmen im Gange. Er kündigte an, gegen Hamas-Mitglieder und deren Unterstützer weiter vorzugehen. Ob die beiden getöteten Verdächtigen tatsächlich der Hamas angehörten, war zunächst unklar.

Mehrere Verletzte nach Schüssen

Der Vorfall ereignete sich nahe Hebron im südlichen Westjordanland. Nach israelischen Angaben griffen zwei bewaffnete Männer an. Die Armee teilte mit, die beiden hätten ein M16-Gewehr und eine Pistole bei sich getragen. Zum mutmaßlichen Ziel des Angriffs wurden keine näheren Angaben gemacht.

Mindestens fünf Menschen wurden verletzt. Rettungskräfte brachten die Verletzten in israelische Krankenhäuser. Zwei Männer in ihren Zwanzigern erlitten demnach Schussverletzungen an den Beinen. Ein weiterer Verletzter war bewusstlos und schwer verletzt. Einsatzkräfte berichteten, sie seien am Ort eingetroffen, während noch geschossen worden sei.

Die Identität der Verletzten und der beiden getöteten Männer wurde zunächst nicht näher benannt. Israelische Stellen sprachen von mutmaßlich palästinensischen Tätern. Die Lage rund um Hebron blieb angespannt, nachdem Sicherheitskräfte zusätzliche Kontrollmaßnahmen einrichteten.

Wahlkampf unter Sicherheitsdruck

Der Angriff fällt in die letzten Tage vor der Parlamentswahl in Israel. Die Abstimmung ist für Dienstag geplant. Eine Sperrung des Westjordanlands vor Wahlen gilt in Israel nicht als ungewöhnlich. Die Regierung begründet solche Maßnahmen regelmäßig mit Sicherheitsrisiken.

Der Konflikt mit den Palästinensern spielt im Wahlkampf eine zentrale Rolle. Rechte Parteien setzen besonders auf Forderungen nach einem harten Vorgehen gegen palästinensische Gewalt. Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland stehen in diesem politischen Lager dagegen deutlich weniger im Mittelpunkt.

Für Netanjahu geht es bei der Wahl auch um seine politische Zukunft. Umfragen deuten darauf hin, dass weder sein Lager noch die Opposition sicher mit einer Mehrheit rechnen können. Damit könnte die Regierungsbildung schwierig werden.

Dauerhafte Spannung im Westjordanland

Das Westjordanland steht seit Jahrzehnten unter israelischer Besatzung. Israel kontrolliert zentrale Zugänge, Straßen und Sicherheitszonen. Abriegelungen treffen deshalb nicht nur mögliche Angreifer, sondern können auch den Alltag vieler Palästinenserinnen und Palästinenser stark einschränken, etwa bei Arbeit, Gesundheitsversorgung oder Wegen zwischen Städten.

Die geplante Sperrung folgt auf eine Phase anhaltender Gewalt. Israel verweist auf Anschläge und Sicherheitsgefahren. Palästinenserinnen und Palästinenser kritisieren Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Militäraktionen und Siedlergewalt. Der Angriff bei Hebron verschärft die Lage nun zusätzlich kurz vor der Wahl.