Politik · AfD und Parteikurs
Interne Mails zeigen Weidels früheren Kurs gegen Rechtsaußen
Nach einem Hackerangriff auf Server der AfD sind interne E-Mail-Verläufe im Internet aufgetaucht, die ein früheres Bild von Alice Weidels Positionierung in der Partei zeichnen. Medienberichten zufolge distanzierte sich die heutige Parteichefin zwischen 2015 und 2017 intern wiederholt deutlich vom Rechtsaußen-Lager. Die Mails stehen damit im Kontrast zu Weidels heutiger Rolle an der Spitze der Partei und rücken erneut die Entwicklung der AfD seit ihrer frühen Bundestagsphase in den Mittelpunkt.
Warnungen vor politischer Verschiebung
Weidel gehörte in der genannten Zeit dem AfD-Bundesvorstand an. In den E-Mails soll sie vor einem Kurs gewarnt haben, der die Partei aus ihrer damaligen Perspektive politisch beschädigen könne. Sie sah demnach die Gefahr, dass die AfD die bürgerliche Mitte verliere. Auch eine Erwähnung im Bericht des Verfassungsschutzes soll sie als mögliches Risiko benannt haben.
Die Formulierungen in den Mails deuten auf erhebliche interne Spannungen hin. Weidel beschrieb demnach die Richtung, in die sich die Partei bewege, als zunehmend schwer kontrollierbar. An andere Mitglieder des Bundesvorstands richtete sie laut den Berichten den Appell: „Wacht endlich auf!“
Kritik an Höcke und Gedeon
In den E-Mail-Verläufen soll Weidel auch namentlich führende und damalige AfD-Politiker kritisiert haben. Den thüringischen AfD-Landeschef Björn Höcke habe sie wegen rassistischer Äußerungen beanstandet. Auch den damaligen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon soll sie wegen antisemitischer Aussagen kritisiert haben.
Höcke zählt seit Jahren zu den prägenden Figuren des rechten Parteispektrums. Gedeon stand ebenfalls wegen antisemitischer Positionen in der Kritik. Dass Weidel die beiden intern angesprochen haben soll, zeigt, wie umstritten der Umgang mit dem Rechtsaußen-Flügel bereits in den Jahren nach dem Aufstieg der AfD war.
Die bekannt gewordenen Mails betreffen eine Phase, in der die Partei ihren Kurs neu sortierte. Nach der Gründung als eurokritische Partei verschoben sich die Schwerpunkte zunehmend in Richtung Migration, Identitätspolitik und scharfe Abgrenzung vom politischen Establishment. Innerhalb der AfD wurde dabei immer wieder über Radikalisierung, Abgrenzung und strategische Ausrichtung gestritten.
Bedeutung für die heutige Partei
Für Weidel sind die internen Nachrichten politisch heikel, weil sie einen früheren Ton dokumentieren, der sich deutlich von ihrer heutigen öffentlichen Position unterscheidet. Als Parteichefin steht sie inzwischen an der Spitze einer AfD, in der der frühere Konflikt zwischen gemäßigteren und rechtsaußen orientierten Kräften anders verteilt ist als in den Jahren 2015 bis 2017.
Die Veröffentlichung fällt in eine Zeit, in der die AfD bundespolitisch stark polarisiert. Debatten über Beobachtung durch den Verfassungsschutz, Abgrenzung zu extrem rechten Strömungen und die Rolle einzelner Landesverbände begleiten die Partei seit Jahren. Die E-Mails liefern dazu einen weiteren Einblick in frühere interne Auseinandersetzungen.
Hintergrund des Datenlecks
Die E-Mail-Verläufe sollen nach einem Angriff auf AfD-Server online verfügbar geworden sein. Dadurch wurden interne Kommunikationsstränge öffentlich, die ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Inhaltlich geht es vor allem um parteiinterne Bewertungen, Warnungen und strategische Einschätzungen aus Weidels Zeit im Bundesvorstand.
Der Vorgang zeigt auch, wie stark digitale Sicherheitsvorfälle politische Debatten beeinflussen können. Interne Nachrichten, die Jahre zurückliegen, können in aktuellen Macht- und Richtungsfragen neue Bedeutung erhalten. Im Fall der AfD lenken die Mails den Blick auf die Frage, wie sich Positionen und Bündnisse innerhalb der Partei seit ihrer frühen bundespolitischen Phase verändert haben.