Politik · Bayern trauert
Hubert Aiwanger stirbt mit 55 Jahren in Berlin
Hubert Aiwanger, bayerischer Wirtschaftsminister, stellvertretender Ministerpräsident und Bundesvorsitzender der Freien Wähler, ist im Alter von 55 Jahren gestorben. Er wurde am Mittwoch in einem Hotel in Berlin leblos aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft Berlin kündigte Ermittlungen an, um die Todesursache und den Ablauf der Ereignisse zu klären sowie ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen.
Termin in Berlin abgesagt
Aiwanger sollte am Mittwoch in der Hauptstadt an der Eröffnung eines Berliner Büros der Freien Wähler teilnehmen. Dort war ein Auftritt des Parteichefs vorgesehen. Er sagte den Termin jedoch aus gesundheitlichen Gründen ab und ließ sich vertreten. Später war er nicht mehr erreichbar. Schließlich wurde er in seinem Zimmer gefunden.
Zu den genauen Umständen seines Todes lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor. Die Ermittlungsbehörden wollen nun feststellen, wie es zu dem Tod kam. Hinweise auf ein Ergebnis der Untersuchungen gab es am Mittwochabend zunächst nicht.
Aiwanger hielt als Bundesvorsitzender und Landesvorsitzender der Freien Wähler zentrale Ämter in seiner Partei. In Bayern gehörte er seit Jahren zu den bekanntesten Regierungsmitgliedern. Sein Tod trifft die Landespolitik kurz nach einem öffentlichen Termin, bei dem er selbst hätte auftreten sollen.
Söder spricht von Tragödie
Ministerpräsident Markus Söder reagierte am Mittwochabend mit großer Bestürzung. Er nannte Aiwangers Tod auf X eine „absolute Tragödie“. Die Gedanken seien bei der Familie und den Kindern des Verstorbenen, schrieb Söder weiter.
Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner äußerte sich betroffen. Sie sprach von großer Bestürzung und Fassungslosigkeit. Der unerwartete Tod sei ein schwerer Verlust für den Landtag und die Politik in Bayern.
Aus den Freien Wählern kamen ebenfalls Beileidsbekundungen. Christian Zöpfchen, Landesvorsitzender der Partei in Rheinland-Pfalz, würdigte Aiwanger als politischen Kopf, den er persönlich geschätzt habe. Er beschrieb ihn als überzeugten und geradlinigen Politiker.
Weitere Reaktionen kamen aus verschiedenen Parteien. Der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schrieb, Bayern verliere einen Politiker mit klaren Überzeugungen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir bezeichnete Aiwanger als streitbaren Politiker. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki hob Aiwangers unkonventionelle und volksnahe Art hervor. SPD-Politiker Karl Lauterbach schrieb, Aiwanger sei nicht einfach gewesen, habe aber leidenschaftlich für sein Land gearbeitet.
Aufstieg der Freien Wähler
Aiwanger wurde am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach in Niederbayern geboren. Er wuchs mit zwei Geschwistern auf dem Bauernhof seiner Eltern auf. Seit 2006 führte er die Freien Wähler in Bayern. Zwei Jahre später zog er mit der Partei erstmals in den bayerischen Landtag ein und übernahm den Fraktionsvorsitz. 2010 wurde er Bundesvorsitzender der Freien Wähler.
Nach der Landtagswahl 2018 bildeten CSU und Freie Wähler eine Koalition. Aiwanger wurde Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Diese Ämter behielt er auch nach der Landtagswahl 2023. Damit prägte er über Jahre die Regierungsarbeit im Freistaat mit.
In Bayern konnten die Freien Wähler unter seiner Führung zuletzt Erfolge verbuchen, unter anderem bei Kommunalwahlen. Auf Bundesebene blieb der Partei dagegen der Einzug in den Bundestag verwehrt.
Aiwanger hinterlässt seine Lebensgefährtin Tanja Schweiger, Landrätin und Politikerin der Freien Wähler, sowie zwei Söhne. Sein Tod reißt eine Lücke in die bayerische Staatsregierung und stellt seine Partei vor eine Zäsur.