Politik · Wechsel an der Spitze
Freuding rückt an die Spitze der Bundeswehr
Christian Freuding übernimmt Anfang Februar 2027 den höchsten militärischen Posten der Bundeswehr. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte die Personalentscheidung von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Der 55 Jahre alte Generalleutnant, derzeit Inspekteur des Heeres, folgt auf General Carsten Breuer. Breuer wechselt nach Brüssel, nachdem er im September zum Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses gewählt worden war.
Pistorius betont Führungsstärke
Pistorius verbindet die Personalie mit dem Umbau der Streitkräfte. Die Bundeswehr müsse in einer veränderten Sicherheitslage schneller, moderner und verteidigungsfähiger werden. Freuding bringe dafür aus Sicht des Ministers die nötige Erfahrung mit. Pistorius nannte ihn eine „starke, kluge und überzeugende Führungspersönlichkeit“.
Der Minister verwies auch auf die wachsende Rolle der Bundeswehr im Bündnis. Deutschland übernehme mehr Verantwortung in der Nato, zugleich werde die Truppe personell und organisatorisch ausgebaut. Freuding solle die Soldatinnen und Soldaten durch diese Phase führen. Pistorius sprach von einem „neuen Zeitalter“, in dem Deutschland sich besser schützen müsse als früher.
Mit dem Amt des Generalinspekteurs wird Freuding der ranghöchste Soldat der Bundeswehr. Die Position ist zentral für die militärische Führung der Streitkräfte und für die Beratung der politischen Leitung des Verteidigungsministeriums.
Erfahrung aus Ukraine-Stab und Heer
Freuding wurde in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Arbeit im Zusammenhang mit der Ukraine-Unterstützung bekannt. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 übernahm er im Verteidigungsministerium die Leitung des Sonderstabs Ukraine. Dort koordinierte er die deutsche militärische Hilfe für Kiew.
Von 2023 bis 2025 führte Freuding den neu eingerichteten Planungs- und Führungsstab des Ministeriums. Seit Oktober 2025 steht er an der Spitze des Heeres. In dieser Funktion trieb er nach Angaben des Ministeriums Reformen voran, die aus den Erfahrungen des Krieges in der Ukraine abgeleitet wurden.
Pistorius hob besonders hervor, dass Freuding die schnellen technologischen Veränderungen auf dem Gefechtsfeld ausgewertet habe. Daraus seien Folgerungen für die Bundeswehr gezogen worden, unter anderem beim Einsatz und bei der Abwehr unbemannter Systeme.
Drohnen werden wichtiger
Ein sichtbares Ergebnis dieser Auswertung ist der Aufbau des ersten Drohnenregiments im Heer. Drohnen spielen im Krieg in der Ukraine eine zentrale Rolle, sowohl bei Aufklärung als auch bei Angriffen und bei der Abwehr gegnerischer Systeme. Für die Bundeswehr bedeutet das eine Anpassung von Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzplanung.
Freuding gilt im Ministerium als Offizier, der Modernisierungsschritte zügig umsetzt. Sein Wechsel an die Spitze der Streitkräfte fällt in eine Phase, in der die Bundeswehr ihre Verteidigungsfähigkeit stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung ausrichtet. Dabei geht es nicht nur um neue Technik, sondern auch um Führungsstrukturen und die Einbindung in Nato-Planungen.
Der Generalleutnant ist studierter Politikwissenschaftler. In seiner Laufbahn war er unter anderem Brigadekommandeur. Zwischen 2017 und 2019 arbeitete er als Adjutant der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Auslandserfahrung sammelte er bei Einsätzen in Bosnien und Herzegowina sowie in Afghanistan.
Breuer geht zur Nato
Der Amtswechsel ist zugleich Teil einer größeren Personalverschiebung. Carsten Breuer gibt den Posten des Generalinspekteurs ab, weil er im Nato-Militärausschuss eine Spitzenfunktion übernimmt. Dieses Gremium ist die höchste militärische Instanz des Bündnisses.
Für die Bundeswehr kommt die Personalentscheidung zu einem Zeitpunkt, an dem der russische Krieg gegen die Ukraine weiter die sicherheitspolitische Debatte prägt. Die Bundesregierung sieht die Streitkräfte stärker gefordert als in den Jahrzehnten zuvor. Mit Freuding übernimmt nun ein Offizier, dessen jüngste Karriere eng mit den Lehren aus diesem Krieg und dem Umbau des Heeres verbunden ist.