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Stündlich aktualisiert

Politik · Proteste in Frankreich

Frankreich mobilisiert 70.000 Kräfte bei Protesten

In Frankreich begleitet ein großes Sicherheitsaufgebot neue Proteste. Nach Krawallen in der Vorwoche wurden Demonstrationen verboten oder verlegt.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: In Frankreich sichern Behörden und Geschäftsleute Innenstädte vor möglichen Ausschreitungen.
Symbolbild: In Frankreich sichern Behörden und Geschäftsleute Innenstädte vor möglichen Ausschreitungen. KI-generiert

Frankreich reagiert auf eine neue Protestwelle mit einem massiven Polizeieinsatz. Das Innenministerium hatte für Samstag landesweit 70.000 Polizisten und Gendarmen angekündigt, 10.000 mehr als in der Woche zuvor. Dennoch kam es am Rand mehrerer Demonstrationen erneut zu Gewalt und Sachbeschädigungen. Bis Sonntagmorgen registrierten die Behörden mehr als 1.300 kurzzeitige Festnahmen. Die Nacht sei nach Angaben des Innenministeriums ruhig geblieben.

Demonstrationen eingeschränkt oder verlegt

Zu den Protesten hatten Gewerkschaften und weitere Gruppen aufgerufen. Nach schweren Ausschreitungen am 17. Oktober reagierten lokale Behörden mit Verboten und Auflagen. In mehreren Städten, darunter Lyon, Grenoble und Nantes, durften angekündigte Demonstrationen nicht stattfinden. In Marseille wurde ein zunächst verhängtes Verbot am Freitag wieder aufgehoben.

In Paris wurde der Protestzug nicht wie erwartet im Zentrum geführt. Die Route wurde an den südöstlichen Rand der Hauptstadt verlegt, zwischen Porte d’Italie und Porte de Vincennes. Rund um die Place de la Bastille waren am Samstagmorgen bereits früh Einsatzkräfte zu sehen. Dort war das Demonstrieren und Versammeln untersagt, ein bloßer Aufenthalt aber nicht vollständig ausgeschlossen.

Die Behörden wollten nach den Verwüstungen der Vorwoche verhindern, dass sich Plünderungen und Straßenkrawalle wiederholen. Am 17. Oktober waren in Paris zahlreiche Geschäfte beschädigt worden. Allein in der Hauptstadt wurden 451 Läden genannt, die von sogenannten Randalierern angegriffen wurden.

Geschäftsleute schützen ihre Läden

Im Umfeld der Bastille bereiteten sich viele Ladeninhaberinnen und Ladeninhaber auf mögliche Ausschreitungen vor. Zahlreiche Schaufenster waren mit Holzplatten gesichert. Einige Geschäfte blieben zwar geöffnet, hatten aber Vorkehrungen getroffen, um bei Bedarf schnell schließen zu können.

Ein Schuster in der Rue du Faubourg Saint-Antoine berichtete, er wolle sein Geschäft zunächst offenhalten und sich später mit Holzplatten im Laden schützen. Am 17. Oktober habe er weitergearbeitet, bis Rauch unter der Tür hindurchgezogen sei. Ein anderer Ladeninhaber, dessen Geschäft in der Vorwoche beschädigt worden war, wollte trotz des Risikos vor Ort bleiben. Er sagte, andernfalls hätten die Angreifer gewonnen.

Die Stimmung in der Umgebung blieb angespannt. Anwohnerinnen, Beschäftigte und Ladenbesitzer beschrieben die Lage als dauerhafte Belastung. Zugleich wurde deutlich, dass die Proteste selbst nicht einheitlich bewertet werden. Einige unterstützten die Bewegung, hielten die Sicherheitslage aber für unberechenbar. Andere verlangten ein härteres Vorgehen der Polizei.

Regierung unter Druck

Die Proteste richten sich gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron und greifen zugleich soziale Spannungen auf. In Gesprächen vor Ort ging es unter anderem um hohe Lebenshaltungskosten, steigende Mieten und das Gefühl, sich das Leben in Paris kaum noch leisten zu können. Die Sicherheitsmaßnahmen haben die politische Lage zusätzlich verschärft, weil Demonstrationsrechte, öffentliche Ordnung und Schutz von Geschäften miteinander in Konflikt geraten.

Nach Einschätzung vieler Beteiligter verläuft der Großteil der Kundgebungen friedlich. Die Eskalationen entstehen vor allem an den Rändern der Demonstrationszüge. Dort treten Gruppen auf, die gezielt Sachschäden verursachen oder Geschäfte angreifen. Für Polizei und Behörden bleibt deshalb die Herausforderung, Proteste zu ermöglichen und zugleich neue Ausschreitungen zu verhindern.

Die hohe Zahl an Einsatzkräften zeigt, wie ernst die Regierung die Lage bewertet. Mit 70.000 Sicherheitskräften erreicht der Einsatz eine Größenordnung, die über die Maßnahmen der Vorwoche hinausgeht. Ob das genügt, um weitere Gewalt einzudämmen, bleibt politisch entscheidend: Neue Verbote könnten die Wut verstärken, zu geringe Kontrolle könnte das Vertrauen von Geschäftsleuten und Anwohnerinnen weiter schwächen.