Politik · KI und Kapital
Fink fordert mehr KI-Investitionen in Deutschland
Blackrock-Chef Larry Fink erhöht vor dem Investorengipfel der Bundesregierung den Druck auf Deutschland. „Deutschland investiert nicht genug in KI“, sagte Fink. Zugleich sieht er für die Bundesrepublik finanzpolitischen Spielraum: Mit einer Schuldenquote von rund 64 Prozent stehe Deutschland besser da als viele andere Volkswirtschaften. Entscheidend sei nun, ob der Staat konkrete Vorhaben anschiebe und damit privates Kapital mobilisiere.
Bundesregierung wirbt um Investoren
Der Investorengipfel in Berlin steht im Zeichen der Frage, wie Deutschland mehr internationales Kapital anziehen kann. Fink will daran teilnehmen. Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters verbindet seine Zuversicht für den Standort mit klaren Erwartungen an die Politik. Investoren wollten nicht nur Ankündigungen sehen, sondern umsetzbare Projekte.
Nach Finks Einschätzung kann staatliches Geld eine Hebelwirkung entfalten. Wenn die öffentliche Hand in konkrete Infrastruktur investiere, könne privates Kapital in großem Umfang folgen. Deutschland brauche mehr Wachstum. Dieses Wachstum gelinge aber nur, wenn zusätzliches privates Kapital freigesetzt werde.
Fink verweist dabei auf die vergleichsweise solide Haushaltslage Deutschlands. Die Schuldenquote liege bei etwa 64 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das verschaffe der Bundesrepublik nach seiner Einschätzung mehr Handlungsmöglichkeiten als vielen anderen Ländern. Für die Politik bedeutet das eine doppelte Aufgabe: Sie soll investieren, ohne Vertrauen in die langfristige Stabilität zu beschädigen.
KI als Standortfrage
Die Warnung vor zu geringen KI-Investitionen trifft eine Debatte, in der technologische Wettbewerbsfähigkeit zunehmend als Voraussetzung für Wachstum gilt. Finks Aussage richtet den Blick auf eine Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung. Deutschland wirbt um Kapital, muss Investoren aber zugleich zeigen, dass digitale Zukunftsfelder nicht nur politisch benannt, sondern auch praktisch finanziert werden.
Blackrock verwaltet nach eigenen Angaben Billionen an Altersvorsorgegeldern. Fink betont deshalb die langfristige Perspektive von Anlegerinnen und Anlegern. Politische Konflikte spielten zwar eine Rolle, dürften aber nicht allein über Investitionsentscheidungen bestimmen. Sein Unternehmen investiere seit Jahrzehnten in Deutschland, weil es von den Perspektiven des Landes überzeugt sei.
Als Begründung verweist Fink auf Erfahrungen der vergangenen 25 Jahre. In dieser Zeit habe es viele Krisen gegeben. Wer kontinuierlich an Aktienmärkten investiert geblieben sei, habe dennoch attraktive Renditen erzielt. Wer aus Angst vor politischen Ereignissen ausgestiegen sei, habe Nachteile erlitten. Genannt werden unter anderem der Brexit und Regierungswechsel in den USA.
Regulierung entscheidet mit
Die Frage nach Kapital für Zukunftstechnologien hängt auch mit verlässlichen Regeln zusammen. Das zeigt sich derzeit in einem anderen digitalen Markt: Die Sparkassen starten an diesem Montag schrittweise den Handel mit Kryptowährungen über ihre bestehende App. Zunächst machen einzelne Institute mit, jeden Monat sollen 30 bis 40 weitere Häuser hinzukommen.
Geplant sind zum Start unter anderem Bitcoin, Ethereum, Ripple, Solana und Polygon. Das Angebot wird vom Wertpapieranbieter Dekabank bereitgestellt. Die Verwahrung erfolgt durch die Dekabank in Zusammenarbeit mit der Börse Stuttgart. Einen einheitlichen bundesweiten Termin gibt es nicht. Jede Sparkasse entscheidet selbst, wann sie beginnt.
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband begründet den Schritt unter anderem mit Kundennachfrage und einem verlässlichen europäischen Rechtsrahmen. Eine Beratung oder breite aktive Werbung ist nicht vorgesehen. Zugleich verweist der Verband ausdrücklich auf starke Kursschwankungen und das Risiko eines Totalverlusts. Für die langfristige Vermögensbildung sollen Wertpapieranlagen, Sparpläne und Beratung im Vordergrund bleiben.
Druck auf die Politik
Für die Bundesregierung verdichten sich damit mehrere Aufgaben. Sie will internationales Kapital gewinnen, muss Investitionen in Infrastruktur anschieben und zugleich zeigen, dass digitale Märkte in einem berechenbaren Rahmen wachsen können. Bei KI steht die Investitionsfrage besonders im Vordergrund. Finks Kritik macht deutlich, dass große Kapitalgeber von Deutschland mehr Tempo erwarten.
Die politische Einordnung fällt nüchtern aus: Deutschland besitzt nach Finks Darstellung finanziellen Spielraum und bleibt für langfristige Investoren interessant. Ob daraus zusätzliches Wachstum entsteht, hängt jedoch davon ab, ob konkrete Projekte folgen. Für KI, Infrastruktur und regulierte digitale Angebote wird damit dieselbe Grundfrage entscheidend: Wie schnell gelingt es, Vertrauen in Regeln und Umsetzungskraft zu schaffen?