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Stündlich aktualisiert

Politik · Cyberangriffe im Krieg

Falsche Alarme nach Angriffen auf Warn-Apps

In der Ukraine und in Russland sind amtliche Warn-Apps angegriffen worden. Nutzerinnen und Nutzer erhielten falsche Meldungen, unter anderem zu Strahlung in Kiew.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Manipulierte Warnmeldungen auf Smartphones können in Krisengebieten erhebliche Verunsicherung auslösen.
Symbolbild: Manipulierte Warnmeldungen auf Smartphones können in Krisengebieten erhebliche Verunsicherung auslösen. KI-generiert

In der Ukraine und in Russland sind am späten Sonntagabend und in der Nacht zum Montag staatlich genutzte Warnanwendungen Ziel von Cyberangriffen geworden. In beiden Ländern erschienen nach Behördenangaben falsche Meldungen auf Smartphones. In der Ukraine betraf dies unter anderem einen Alarm wegen angeblicher radioaktiver Strahlung in Kiew. Die ukrainische Luftwaffe gab Entwarnung; ein tatsächliches Strahlenrisiko bestand demnach nicht.

Falsche Warnung in Kiew

Die ukrainische Luftwaffe erklärte auf Telegram, die App Air Alert könne durch den Gegner manipuliert worden sein. Das ukrainische Zentrum für strategische Kommunikation machte Russland für den Angriff verantwortlich. Über die Anwendung sollen neben der Strahlenmeldung auch Hinweise auf angebliche Chemiewaffenangriffe und drohende Straßenkämpfe erschienen sein.

In manchen Regionen sollen am späten Sonntagabend zudem Sirenen ausgelöst worden sein. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, innerhalb der App keine Links anzuklicken. Die fehlerhaften Anzeigen verschwanden kurze Zeit später wieder. Offiziellen Angaben zufolge wurde Air Alert vorübergehend außer Betrieb genommen.

Andere Warnwege blieben nach ukrainischen Angaben funktionsfähig. Dazu zählten weitere Systeme zur Information der Bevölkerung sowie die Luftschutzsirenen. Für die Menschen in der Ukraine sind solche Warnungen besonders wichtig, weil sie bei Luftangriffen häufig über den Gang in Schutzräume entscheiden.

Russland meldet ebenfalls Angriff

Kurz nach den Vorfällen in der Ukraine berichtete auch das russische Zivilschutzministerium von einem schweren Cyberangriff auf die eigene Warn-App. Den Angreifern sei es gelungen, falsche Inhalte über das System zu verbreiten. Wer hinter der Attacke stehen könnte, nannte die russische Behörde nicht.

Parallel war die Internetseite des zuständigen Ministeriums in der Nacht zeitweise nicht erreichbar. Welche Art von Falschmeldungen in Russland versendet wurde, teilte das Ministerium nicht mit. Auch zu möglichen Schäden an der technischen Infrastruktur gab es keine weiteren Angaben.

Ob die Angriffe auf die ukrainische und die russische Anwendung miteinander verbunden sind, blieb offen. Die zeitliche Nähe löste Spekulationen über einen möglichen Gegenschlag nach dem Vorfall in der Ukraine aus. Eine gesicherte Zuordnung wurde jedoch nicht bekannt.

Kritische Systeme im Alltag

Warn-Apps gehören in Kriegs- und Krisengebieten zur zivilen Schutzinfrastruktur. Sie informieren schnell über Luftangriffe, Raketenbeschuss oder andere akute Gefahren. Werden solche Systeme manipuliert, kann dies Verunsicherung auslösen und die Glaubwürdigkeit behördlicher Warnungen schwächen.

In der Ukraine ist diese Infrastruktur seit Beginn der russischen Großinvasion im Februar 2022 Teil des Alltags. Russland greift das Land seit mehr als viereinhalb Jahren aus der Luft, am Boden und auf See an. Bei größeren Angriffen auf Kiew suchen viele Menschen Schutz in U-Bahn-Stationen.

Cyberoperationen begleiten den Krieg ebenfalls. Sie stehen seltener im Mittelpunkt als Drohnen- oder Raketenangriffe, können aber direkt zivile Abläufe treffen. Der Angriff auf Warn-Apps zeigt, dass auch digitale Alarmkanäle selbst zu Zielen werden können. Für Behörden entsteht dadurch eine doppelte Aufgabe: Sie müssen vor realen Gefahren warnen und zugleich die Vertrauenswürdigkeit ihrer technischen Systeme sichern.