Politik · Krieg in der Ukraine
Evakuierung aus Oleschky weitgehend beendet
Die Evakuierung von Zivilistinnen und Zivilisten aus der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky ist weitgehend abgeschlossen. Nach Angaben der ukrainischen und russischen Menschenrechtsbeauftragten wurden Busse, Krankenwagen und Hilfstransporte eingesetzt. Möglich wurde die Aktion durch eine örtliche Feuerpause, die seit Dienstagmorgen hält und bis einschließlich Sonntag vorgesehen ist. In der Frontstadt sollen zuletzt noch rund 2.000 Menschen ausgeharrt haben.
Konvoi erreicht die Krim
Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa teilte am Freitag in einer Videobotschaft mit, die Fahrzeugkolonne sei in Armjansk auf der von Russland annektierten Krim angekommen und werde dort aufgeteilt. Ein Teil der Evakuierten solle weiter in nicht besetzte Gebiete der Ukraine gebracht werden, andere würden nach Russland fahren.
Der ukrainische Unterhändler David Arachamia erklärte über Telegram, eine Gruppe sei auf dem Weg in den russischen Schwarzmeerort Anapa. Von dort sollten die Menschen demnach nach Belarus fliegen und anschließend per Bus in die Ukraine zurückkehren. Die ukrainische Delegation begleite die Einwohnerinnen und Einwohner auf dieser Route.
Für die Evakuierung standen nach übereinstimmenden Angaben aus der Ukraine und Russland 25 Busse bereit, insgesamt mit mehr als 750 Plätzen. Zusätzlich begleiteten neun Krankenwagen die Kolonne, damit auch bettlägerige Menschen transportiert werden konnten. Nach Darstellung Lantratowas wurde den Menschen die Wahl gelassen, ob sie in russisches Gebiet oder in von Kiew kontrollierte Teile der Ukraine gebracht werden wollen. Auch kurzfristig Entschlossene hätten die Möglichkeit zur Ausreise erhalten. Für Haustiere sei ein gesonderter Transport organisiert worden.
Feuerpause schützt Transporte
Oleschky liegt am Dnipro in der Region Cherson, in unmittelbarer Nähe der Front. Russland nahm die Stadt 2022 ein. Vor dem Krieg lebten dort etwa 24.000 Menschen, zuletzt sollen es nur noch rund 2.000 gewesen sein. Frühere Bewohnerinnen und Bewohner schilderten, dass die Versorgung in der Stadt extrem angespannt gewesen sei.
Die begrenzte Feuerpause gilt für Oleschky und das Umland. Sie erleichtert auch Bewegungen in der gegenüberliegenden Gebietshauptstadt Cherson. An gewöhnlichen Kriegstagen erschweren Drohnenangriffe, Minen und Blindgänger jede Fahrt in die Stadt oder hinaus. Vor Beginn der Evakuierung wurde die vorgesehene Strecke nach Angaben der Beteiligten von Minen und nicht detonierter Munition geräumt.
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez war nach eigenen Angaben mit einer Delegation über Belarus und Russland in Richtung Oleschky gereist. Er erklärte, die Zusammenarbeit mit Lantratowa habe gezeigt, dass solche Absprachen Menschen konkret helfen könnten. Beide Seiten verfolgten den Ablauf gemeinsam. Die russische Seite dankte Melania Trump für Vermittlung und Organisation der Waffenruhe. Lantratowa und Lubinez appellierten zudem an sie, sich weiter für Menschen in Kriegsgebieten einzusetzen.
Hilfsgüter für die Frontstadt
Parallel zur Evakuierung sollten humanitäre Lieferungen nach Oleschky gelangen. Geplant waren Dutzende Tonnen Güter, vor allem Lebensmittel wie Mehl, Getreide, Zucker, Speiseöl sowie Konserven. Auch Hygieneartikel und Treibstoff für Notstromgeräte sollten geliefert werden. Das zentrale Krankenhaus sollte Medikamente erhalten, darunter Antibiotika und Insulin.
Ein Teil der Hilfsgüter wurde nach Angaben Lantratowas von ihrem Team zusammengestellt, ein weiterer Teil vom Russischen Roten Kreuz. Die Ausgabe sollte gemeinsam mit Lubinez erfolgen. Damit wurde nicht nur die Ausreise von Bewohnerinnen und Bewohnern organisiert, sondern auch die Versorgung derjenigen verbessert, die vorerst in der Stadt bleiben.
Ausnahme im festgefahrenen Krieg
Die Evakuierung gilt als seltene humanitäre Absprache zwischen den Kriegsparteien. Der Kreml bezeichnete die Waffenruhe für Oleschky als Ausnahme und bremste Erwartungen, daraus könnten sich rasch Fortschritte bei Friedensbemühungen ergeben. Die Feuerpause ist räumlich eng begrenzt und zeitlich befristet.
Die Ukraine verteidigt sich seit Februar 2022 gegen die großangelegte russische Invasion. Besonders die Region Cherson ist seit Langem schwer umkämpft. Oleschky steht dabei exemplarisch für Orte, in denen Zivilistinnen und Zivilisten zwischen Frontlinien, Besatzung, zerstörter Infrastruktur und unsicherer Versorgung ausharren.