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Politik · Bevölkerungsschutz

DRK eröffnet neues Zivilschutzzentrum in Luckenwalde

In Luckenwalde lagert das Deutsche Rote Kreuz künftig Material für große Krisenlagen. Der Bund will nach dem Start weitere Schutzzentren aufbauen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein großes Hilfsgüterlager steht für die Vorsorge bei Katastrophen und Krisen.
Symbolbild: Ein großes Hilfsgüterlager steht für die Vorsorge bei Katastrophen und Krisen. KI-generiert

Das Deutsche Rote Kreuz hat am Donnerstag in Luckenwalde in Brandenburg ein neues Bevölkerungsschutzzentrum eröffnet. Auf dem Gelände sollen Hilfsgüter, Fahrzeuge und technische Anlagen für Katastrophen und Krisen bereitstehen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt kündigte bei der Eröffnung an, dass der Bund weitere große Standorte dieser Art schaffen will. Das Zentrum gilt als bislang größter Standort seiner Art in Deutschland und soll im Ernstfall auch die Versorgung von bis zu 5.000 Menschen ermöglichen.

Material für große Schadenslagen

Das Gelände in Luckenwalde umfasst rund 34.000 Quadratmeter, also etwa 3,4 Hektar. Dort bündelt das DRK Hilfsgüter, die zuvor an verschiedenen Orten gelagert waren. Das bisherige zentrale Lager am Flughafen BER in Schönefeld reichte dafür nicht mehr aus.

In Luckenwalde stehen unter anderem mehr als 120 Fahrzeuge sowie mehrere hundert Tonnen Material bereit. Dazu gehören Zelte, Decken, Schlafsäcke, Feldbetten, Verbandsmaterial, Medikamente, Hygieneartikel, Babypakete und Ausrüstung für Notunterkünfte. Auch Küchentechnik, geländegängige Krankenwagen, große Stromerzeuger und Anlagen zur Sauerstoffversorgung zählen zu den Beständen.

Ein Teil der Ausstattung ist für Unterkünfte von rund 1.000 Familien vorgesehen. Insgesamt soll das System im Krisenfall modular eingesetzt werden können. Es umfasst Zelte, Container und technische Infrastruktur für Unterkunft, Verpflegung, medizinische Hilfe, Strom und Wasser. Das Material kann bei Hochwasser, größeren Evakuierungen, Waldbränden oder internationalen Hilfseinsätzen genutzt werden.

Bund plant weitere Standorte

Dobrindt bezeichnete Luckenwalde als Vorbild für den weiteren Ausbau des Zivilschutzes. Die Bundesregierung will bis zu zehn sogenannte Mobile Betreuungsmodule 5.000 beschaffen. Diese vom Bund finanzierte Ausstattung soll jeweils kurzfristig eine größere Zahl von Menschen versorgen können.

Der Innenminister sagte, der Bevölkerungsschutz gewinne stark an politischem Gewicht. Zivile Verteidigung sei wieder ein zentraler Begriff deutscher Sicherheitspolitik. Zugleich verwies er auf Bedrohungen unterhalb der Schwelle eines klassischen Krieges. Deutschland sei täglich Ziel hybrider Angriffe, sagte Dobrindt. Darauf müsse der Staat vorbereitet sein.

Das Zentrum dient nicht nur als Lager. Einsatzkräfte des DRK sollen dort auch mit Material und Abläufen trainieren können. Dadurch sollen die Module bei Bedarf schneller in Betrieb gehen. Dobrindt beschrieb das Konzept als bewegliche Infrastruktur, die an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden könne.

DRK sieht Nachholbedarf

DRK-Präsident Hermann Gröhe sieht in dem neuen Standort eine Reaktion auf Defizite der vergangenen Jahrzehnte. Zivilschutz und Bevölkerungsschutz seien nach dem Ende des Kalten Krieges deutlich zurückgefahren worden. In den vergangenen Jahren sei zwar wieder mehr aufgebaut worden, nach Gröhes Einschätzung aber noch nicht in ausreichendem Umfang.

Das DRK sei deshalb in Vorleistung gegangen, sagte Gröhe. Er verwies auf Lagen, in denen viele Menschen plötzlich betreut werden müssen. Als Beispiele nannte er die Flut im Ahrtal und die starke Zuwanderung von Geflüchteten im Jahr 2015. In solchen Situationen gehe es nicht nur um Schlafplätze. Auch pflegebedürftige Menschen, medizinische Versorgung, Trinkwasser und Verpflegung müssten eingeplant werden.

Einzelne Bestandteile der nun gebündelten Ausstattung wurden bereits früher eingesetzt, etwa nach der Flutkatastrophe im Ahrtal und bei der Unterbringung Geflüchteter in Berlin-Tegel. Von Luckenwalde aus sollen Hilfsgüter zudem schnell in internationale Krisengebiete geschickt werden können, etwa nach Naturkatastrophen oder in humanitären Notlagen.

Unsichere Lage rückt Vorsorge nach vorn

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte bei der Eröffnung, die Menschen hofften zwar, dass ein großer Krisenfall in Deutschland ausbleibe. Entscheidend sei aber, im Notfall handlungsfähig zu sein. Die Sicherheitslage sei unsicherer geworden. Neben Kriegen nannte er Angriffe auf Stromversorgung und Infrastruktur als Risiken.

Der Aufbau in Luckenwalde zeigt, dass Bevölkerungsschutz wieder stärker als staatliche Kernaufgabe verstanden wird. Im Alltag bleibt solche Vorsorge meist unsichtbar. Mit großen Lagern, mobilen Modulen und trainierbaren Abläufen soll nun eine Struktur entstehen, die bei Katastrophen schneller greifen kann. Der Bund und das DRK setzen dabei auf zentrale Vorräte, die örtliche Einsatzkräfte im Ernstfall ergänzen sollen.