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Stündlich aktualisiert

Politik · Hybride Bedrohung

Bundeswehr sieht erhebliches Sabotagerisiko

Die Streitkräfte bewerten mögliche russische Anschläge auf Bundeswehr-Einrichtungen in Deutschland als erhebliches Risiko. Auslöser sind Drohnenfunde in Leipzig/Halle und Wunstorf.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Bundeswehr verstärkt den Schutz ihrer Standorte angesichts möglicher Sabotagegefahren.
Symbolbild: Die Bundeswehr verstärkt den Schutz ihrer Standorte angesichts möglicher Sabotagegefahren. KI-generiert

Die Bundeswehr bewertet die Gefahr russischer Sabotage gegen eigene Standorte und Kräfte in Deutschland inzwischen als „erheblich“. Damit gilt die zweithöchste Stufe der internen Gefährdungsskala. Hintergrund sind mehrere Vorfälle mit Drohnen, darunter ein gescheiterter Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle und ein Fund nahe dem Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen. Die Streitkräfte rechnen nach Einschätzungen der Nachrichtendienste mit einer möglichen Verschärfung der Lage.

Drohnenfunde verändern die Bewertung

Am Flughafen Leipzig/Halle war Anfang August ein Anschlag mit einer sprengstoffbeladenen Drohne fehlgeschlagen. Nach bisherigen Annahmen sollte sich der Angriff gegen ukrainische Transportflugzeuge richten, die dort abgestellt waren. Wenige Wochen später entdeckte ein Landwirt Mitte September in Wunstorf eine weitere Drohne in der Nähe eines Luftwaffenstützpunkts.

Das Fluggerät aus Niedersachsen ähnelt nach den bisherigen Erkenntnissen in seiner Bauweise der Drohne aus Leipzig/Halle. In der Nähe wurde ein Behälter mit hochexplosivem Sprengstoff gefunden. Technische Untersuchungen des Bundeskriminalamts sollen ergeben haben, dass die Drohne offenbar bereits seit etwa zwei Jahren dort lag. Anders als in Leipzig/Halle gehen Ermittlerinnen und Ermittler in diesem Fall davon aus, dass möglicherweise Flugzeuge der Bundeswehr das Ziel waren.

In der internen Bewertung wird Russland zugeschrieben, sowohl über die Mittel als auch über eine gewachsene Bereitschaft zu verfügen, gegen Bundeswehr-Einrichtungen, deutsche Streitkräfte und Partner wie die Ukraine in Deutschland vorzugehen. Der Einsatz von Drohnen als Waffe gilt dabei als besonders gravierend, weil damit auch eine tödliche Wirkung möglich wäre. Der Fall Wunstorf wird deshalb als Hinweis gewertet, dass die Bundeswehr nicht nur mittelbar, sondern direkt betroffen sein könnte.

Nicht mehr auf einzelne Orte begrenzt

Bislang lag der Schwerpunkt der Sorge vor Sabotage vor allem auf Standorten, an denen ukrainische Soldaten ausgebildet werden. Auch Marinestützpunkte und Werften, in denen Schiffe der Marine liegen, galten als besonders sensibel. Nach der neuen Bewertung lässt sich die Gefahr jedoch nicht mehr auf bestimmte Orte eingrenzen.

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland mehrere Vorfälle registriert, bei denen Sicherheitsbehörden einen russischen Hintergrund vermuten. Dazu zählen verdächtige Drohnenflüge über militärische Einrichtungen und Infrastruktur. Genannt werden unter anderem ein Standort des Raketenabwehrsystems Arrow 3 in Sachsen-Anhalt sowie der Bundeswehrstützpunkt Mechernich in Nordrhein-Westfalen, wo sich ein besonders gesichertes Materiallager und eine Instandsetzungseinheit für das Flugabwehrsystem Patriot befinden.

Auch ein Fall in Minden in Ostwestfalen wird sicherheitspolitisch relevant eingeordnet. Dort wurde im vergangenen Jahr eine getarnte, nachtsichtfähige Kamera entdeckt, die einen Bahnhof filmte. Der Bahnhof spielt in Planungen für Truppenverlegungen eine Rolle. In der Nähe ist außerdem ein deutsch-britischer Pionierverband stationiert. Die Polizei ermittelte einen litauischen Kraftfahrer als Tatverdächtigen; beschlagnahmte Datenträger werden weiter ausgewertet.

Schutzmaßnahmen werden verstärkt

Das Operative Führungskommando der Bundeswehr teilte mit, die Streitkräfte gingen wegen der gestiegenen Bedrohung von einem erheblichen Sabotagerisiko aus. Deshalb würden die Sicherungsmaßnahmen an Standorten vorbeugend ausgebaut, um Einrichtungen und Personal besser zu schützen.

Russland weist Vorwürfe zurück, an Sabotage oder hybriden Angriffen beteiligt zu sein. Bundeskanzler Friedrich Merz warnte zugleich erneut vor dem Vorgehen Moskaus. Er sagte bei einer Veranstaltung in Berlin, Russland greife die politische Ordnung Europas nach dem Kalten Krieg im Kern an. BND-Präsident Martin Jäger hatte Anfang Oktober von einem „gewaltsamen Konflikt mit Russland“ gesprochen.

Ziel: Unterstützung der Ukraine schwächen

Die interne Einschätzung der Bundeswehr sieht hinter möglichen Aktionen eine Strategie, die deutsche Unterstützung für die Ukraine politisch und gesellschaftlich zu untergraben. Auch die militärische Hilfe, etwa durch Ausrüstung und Ausbildung, könnte demnach ins Visier geraten. Damit würde zugleich die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine beeinträchtigt.

Die Warnung fügt sich in eine breitere Debatte über hybride Bedrohungen ein. Gemeint sind Aktivitäten unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs, etwa Sabotage, Spionage, Drohnenüberflüge oder verdeckte Einflussnahme. Für die Bundeswehr bedeutet die neue Einstufung, dass der Schutz von Standorten und Transportwegen stärker in den Mittelpunkt rückt.