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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Metall-Tarifrunde

Warnstreiks in Metallindustrie setzen Arbeitgeber unter Druck

In der Metall- und Elektroindustrie laufen bundesweit Warnstreiks. In Berlin und Brandenburg sollen die Tarifgespräche am Freitag weitergehen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: In der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich der Tarifkonflikt zu.
Symbolbild: In der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich der Tarifkonflikt zu. KI-generiert

Die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie gehen weiter, während die Tarifparteien um höhere Entgelte ringen. Für Berlin und Brandenburg ist am Freitag um 13.00 Uhr die dritte Verhandlungsrunde angesetzt. Die IG Metall verlangt für rund 96.000 Beschäftigte in beiden Ländern fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit. Die Arbeitgeberseite hat bislang ein deutlich niedrigeres Angebot vorgelegt, das die Gewerkschaft zurückweist.

Gespräche nach Warnstreiks

Seit dem Ende der Friedenspflicht Ende Oktober kommt es in der Branche bundesweit zu Arbeitsniederlegungen. Betroffen ist eine Schlüsselindustrie, zu der unter anderem die Autoindustrie, der Maschinenbau und zahlreiche Zulieferbetriebe gehören. Seit Sonntag beteiligen sich Beschäftigte an Warnstreiks, um vor der nächsten Verhandlungsrunde Druck aufzubauen.

Der zuständige IG-Metall-Bezirk kritisiert das Angebot der Arbeitgeber scharf. Bezirksleiter Jan Otto sagte, die Beschäftigten würden sich mit dem „lausigen Angebot“ nicht zufriedengeben. Die Gewerkschaft sieht angesichts der Preisentwicklung keinen ausreichenden Ausgleich und fordert außerdem, weitere Themen in den Tarifvertrag aufzunehmen.

Neben der Entgelterhöhung will die IG Metall über Schutzregeln für Arbeitsplätze und Standorte sprechen. Außerdem strebt sie eine tariflich geregelte Beteiligung der Beschäftigten und Auszubildenden an Gewinnen an. Für untere Entgeltgruppen fordert sie eine soziale Komponente, die diese Gruppen stärker entlasten soll.

Arbeitgeber bieten spätere Erhöhung

Die Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlungsrunde ein bundesweit abgestimmtes Paket vorgelegt. Es sieht für das kommende Jahr zunächst eine Einmalzahlung vor. Diese soll ein Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoentgelts betragen. Im Juli 2028 soll dann eine tabellenwirksame Erhöhung um 1,3 Prozent folgen. Die Laufzeit soll bis Ende 2028 reichen, was einer langen Bindung entspricht.

Ein weiterer Punkt sorgt für Konfliktstoff: Die Einmalzahlung soll nach dem Vorschlag unter bestimmten Bedingungen automatisch entfallen können, wenn Unternehmen wirtschaftlich besonders schlecht dastehen. Die IG Metall hält das Gesamtpaket für nicht ausreichend und verweist auf die Belastungen der Beschäftigten.

Die Arbeitgeberseite argumentiert dagegen mit der schwachen Lage vieler Betriebe. Der Verband Gesamtmetall warnt vor weiterem Stellenabbau in der Branche. Hauptgeschäftsführer Oliver Zander sagte, seit 2019 seien in der Metall- und Elektroindustrie bereits 350.000 Arbeitsplätze weggefallen. Wegen geringer Auslastung seien in den kommenden zwei bis drei Jahren weitere 300.000 Stellen gefährdet.

Gesamtmetall warnt vor Jobverlusten

Zander beschreibt die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen als sehr angespannt. Die Betriebe kämpften vielfach um ihre Existenz, eine Besserung sei nicht absehbar, sagte er. Die Forderung der IG Metall nach fünf Prozent mehr Geld für zwölf Monate nannte er „unverantwortlich“.

Nach Darstellung von Gesamtmetall könnte die Zahl der Beschäftigten in der Branche auf 3,4 Millionen sinken. Das wäre der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung 1990. Der Verband sieht darin ein Zeichen fortschreitender Deindustrialisierung und fordert in der Tarifrunde Zurückhaltung bei den Kosten.

Die Gewerkschaft hält dem entgegen, dass die Beschäftigten nicht für die strukturellen Probleme der Industrie zahlen sollen. Sie setzt darauf, mit Warnstreiks die Verhandlungen zu beschleunigen und ein verbessertes Angebot zu erreichen. Ob die dritte Runde in Berlin und Brandenburg eine Annäherung bringt, ist offen.

Konflikt in einer Schlüsselbranche

Die Tarifrunde betrifft eine Industrie, die für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland zentral ist. Entsprechend groß ist die Signalwirkung des Konflikts. Die Arbeitgeber verweisen auf sinkende Nachfrage, Unterauslastung und hohen Kostendruck. Die IG Metall stellt Kaufkraft, Sicherheit der Arbeitsplätze und faire Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg in den Mittelpunkt.

Mit den Warnstreiks nutzt die Gewerkschaft das klassische Mittel nach Ablauf der Friedenspflicht. Solange keine Einigung absehbar ist, kann der Druck in weiteren Betrieben steigen. Für die Tarifparteien geht es damit nicht nur um Prozentwerte, sondern auch um die Frage, wie die Industrie Beschäftigung sichern und zugleich Einkommen stabilisieren soll.