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Wirtschaft · Künstliche Intelligenz

Techwerte geraten wegen KI-Zweifeln unter Druck

Nach den US-Midterms verkaufen Anleger Techwerte. Der Sieg der Demokraten verstärkt Sorgen vor einem langsameren KI-Ausbau; zugleich belastet ein gestrichener Chipvertrag.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Techwerte stehen wegen Zweifeln am KI-Boom und politischer Unsicherheit unter Druck.
Symbolbild: Techwerte stehen wegen Zweifeln am KI-Boom und politischer Unsicherheit unter Druck. KI-generiert

Techwerte stehen zur Wochenmitte unter Druck. Nach den Zwischenwahlen in den USA verstärkte der deutliche Erfolg der Demokraten die Sorge, der Ausbau von Künstlicher Intelligenz könne langsamer vorankommen als bisher eingepreist. In Japan trennten sich Anleger von entsprechenden Aktien, auch für die US-Börsen zeichneten sich Verluste ab. Zugleich rückten risikoärmere Anlagen stärker in den Fokus. Der Rücksetzer trifft einen Markt, der hohe Erwartungen an KI-Chips, Rechenzentren und Cloudkapazitäten gestellt hat.

Verkäufe nach den US-Midterms

Die Reaktion an den Aktienmärkten zeigt, wie sensibel der Technologiesektor auf politische Signale reagiert. Der Wahlausgang in den USA nährte Befürchtungen, dass Investitionen und Ausbaupläne im KI-Bereich stärker gebremst werden könnten. Besonders betroffen sind Werte, deren Kursentwicklung eng mit der Erwartung verbunden ist, dass KI-Infrastruktur schnell wächst und dauerhaft hohe Erlöse bringt.

In Japan kam es bereits zu Verkäufen bei KI-Aktien. Für den Handel in den USA deuteten sich ebenfalls Kursverluste an. Anlegerinnen und Anleger suchten stattdessen stärker nach sicheren Anlagen. Das spricht für eine kurzfristig defensivere Haltung an den Märkten, nachdem der KI-Boom in den vergangenen Monaten viele Technologiewerte getragen hatte.

Die aktuelle Bewegung ist kein isoliertes Ereignis. Der KI-Sektor hängt von hohen Vorleistungen ab: Unternehmen müssen Chips beschaffen, Rechenzentren ausbauen und langfristige Verträge abschließen. Jede Nachricht, die die Verfügbarkeit von Technologie, regulatorische Rahmenbedingungen oder politische Unterstützung infrage stellt, kann daher unmittelbar auf Bewertungen durchschlagen.

Oracle-Geschäft mit Tencent offenbar gestrichen

Zusätzlichen Druck erzeugt ein Vorgang zwischen Oracle und Tencent. Der US-Softwarekonzern hat offenbar einen Fünfjahresvertrag mit dem chinesischen Technologiekonzern gestrichen. Es ging um die Vermietung von Chips für Künstliche Intelligenz. Der Wert des Geschäfts wurde auf sieben Milliarden Dollar geschätzt.

Tencent hätte über den Vertrag Zugang zu bis zu 100.000 fortschrittlichen KI-Chips erhalten können. Vorgesehen war die Nutzung in mehreren Rechenzentren in Südostasien. In China selbst sind solche Chips wegen Beschränkungen aus Washington und Peking nicht verfügbar.

Mit dem Vorgang vertraute Personen berichteten, Vertreter der US-Regierung hätten Bedenken gegen das Geschäft geäußert. Zudem sollen hochrangige Vertreter aus der chinesischen Provinz Guangdong, in der Tencent seinen Sitz hat, auf das Unternehmen zugegangen sein. Sie hätten Tencent demnach nahegelegt, stärker auf chinesische Chips zu setzen und damit die heimische Halbleiterindustrie zu unterstützen. Stellungnahmen von Oracle, Tencent und dem Weißen Haus lagen zunächst nicht vor.

Der Fall macht deutlich, wie stark der KI-Ausbau von geopolitischen Vorgaben abhängt. Für Investoren erhöht das die Unsicherheit: Selbst große Vertragsvolumen können wackeln, wenn Exportkontrollen, Sicherheitsbedenken oder industriepolitische Ziele ins Spiel kommen.

Höhere Zinsen als zusätzlicher Faktor

Zum Druck auf Technologieaktien kommt ein schwierigeres Zinsumfeld. In der Euro-Zone stieg die Inflation im Oktober auf 4,0 Prozent. Im September hatte sie bei 3,8 Prozent gelegen. Damit erreichte die Teuerung erstmals seit drei Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke.

Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig zwei Prozent an. Die neuen Daten verstärken daher die Erwartung, dass sie in fünf Wochen erneut an der Zinsschraube drehen könnte. Der Einlagenzins würde dann auf 2,75 Prozent steigen. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sagte, die Inflationsdaten brächten die Notenbank einer Zinserhöhung im Dezember „einen Schritt näher“. KfW-Ökonomin Stephanie Schoenwald sieht nur eine deutlich schlechtere Wirtschaftslage als möglichen Grund, der die EZB davon abhalten könnte.

Für wachstumsstarke Technologiewerte sind steigende Zinsen besonders relevant. Künftige Gewinne werden in einem höheren Zinsumfeld strenger bewertet. Das kann Aktien belasten, deren Kurse stark auf erwarteten Erträgen aus dem KI-Geschäft beruhen.

Einordnung

Am Markt treffen derzeit mehrere Belastungen zusammen: politische Unsicherheit nach den US-Midterms, geopolitische Grenzen beim Zugang zu Hochleistungschips und ein geldpolitisches Umfeld mit steigenden Zinserwartungen. Der KI-Boom bleibt damit ein zentrales Thema, doch Anleger prüfen die Ertragsaussichten und Risiken wieder kritischer. Die jüngsten Kursbewegungen zeigen, dass hohe Erwartungen an Künstliche Intelligenz anfällig bleiben, wenn Tempo, Finanzierung oder politische Rahmenbedingungen infrage stehen.